Hu Jintao in Washington Herr der Häfen

Die USA umgarnen China, Präsident Hu wird in Washington mit höchsten Ehren empfangen - aus gutem Grund: Die Volksrepublik wird die Weltwirtschaft der Zukunft dominieren. Schon heute bestimmt der Exportweltmeister mit seinen gigantischen Häfen die Handelsströme. Ein Überblick.

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Chinas Staatschef Hu, US-Präsident Obama: Die Volksrepublik hat die weltgrößten Häfen
AFP

Chinas Staatschef Hu, US-Präsident Obama: Die Volksrepublik hat die weltgrößten Häfen


Hamburg - Der Mann mit dem strengen Scheitel wirkt freundlich, zurückhaltend, fast unscheinbar, als er auf dem Rasen vor dem Weißen Haus die Parade abschreitet. Hu Jintao, Chinas Präsident, ist zu Gast in den USA. Mit 21 Salutschüssen wird Hu begrüßt; als er vor fünf Jahren in Washington war, hatte er nicht einmal ein Staatsbankett bekommen. Doch seitdem hat sich viel verändert zwischen der alten Supermacht und der neuen.

Während die USA sich nur langsam aus der Krise quälen, kommen aus Peking immer neue Jubelmeldungen: China vergibt mehr Kredite als die Weltbank, China baut Tarnkappen-Kampfjets, China hat die größten Häfen. China, China, China. Die Machtverhältnisse haben sich verschoben: ohne Peking geht nichts mehr. Und so wird Hu Jintao bei seinem diesjährigen Besuch in den USA hofiert - trotz des angespannten Verhältnisses zwischen beiden Nationen.

"Die Vereinigten Staaten begrüßen Chinas Aufstieg zu einem starken, wohlhabenden und erfolgreichen Mitglied der Gemeinschaft der Nationen", sagte Präsident Barack Obama. Beide Staaten hätten "enormen Anteil am Erfolg des jeweils anderen." Hu sagte, das Verhältnis der USA zu China sei zu einer Beziehung "von strategischer Bedeutung und globalem Einfluss gewachsen".

Nun soll die Beziehung weiter ausgebaut werden: Unmittelbar nach der Begrüßung startete eine Reihe von Gesprächen, an denen auch amerikanische Wirtschaftsführer wie Microsoft-Chef Steve Ballmer und Goldman-Sachs-Vorstand Lloyd Blankfein teilnahmen. Schon zuvor war bekannt geworden, dass China für 19 Milliarden Dollar 200 Flugzeuge des US-Herstellers Boeing kaufen wird. Außerdem seien 70 Handelsabkommen zwischen China und US-Firmen vereinbart worden, berichtete das Weiße Haus. "Wir wollen Ihnen alles Mögliche verkaufen: Flugzeuge, Autos, Software", sagte Obama zu Hu. Er forderte von Chinas Machthaber "gleiche Bedingungen" für exportierende US-Unternehmen.

Hauptstreitpunkt zwischen beiden Nationen ist der Yuan. Die USA fordern eine Aufwertung der chinesischen Währung, um so den eigenen, immensen Import aus Fernost zu drosseln. Im vergangenen Jahr betrug das Handelsdefizit gegenüber China mehr als 252 Milliarden Dollar.

Wie sehr der Aufstieg der Volksrepublik die Weltwirtschaft verändert hat, zeigt sich an den Handelsströmen im Dreieck der Großmächte China, USA, Europa: Sie haben sich in den vergangenen zehn Jahren zunehmend in Richtung Peking verschoben.

Wie sich die Handelsströme zwischen den drei Großmächten China, Amerika und Europa entwickelt haben, sehen Sie hier:

Dominiert wird der Handel vom Exportweltmeister und seinen gigantischen Häfen (siehe Fotostrecke unten). Immer mehr Waren werden über den Pazifik verschifft und nicht wie früher über den Atlantik. "Das wird in den kommenden Jahren noch zunehmen", prognostiziert Thomas Straubhaar, Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Die Verschiebung sei dem rasanten Bevölkerungswachstum und dem immensen Nachholbedarf in Asien geschuldet.

Spitzenreiter China produziert mit billigen Arbeitskräften massenhaft Konsumgüter und überschwemmt damit die Märkte in den USA und Europa. Auf der anderen Seite wollen westliche Unternehmen die gigantischen neuen Märkte Chinas und Asiens erschließen. Daher werde die Volksrepublik "künftig noch stärker in der Weltwirtschaft verflochten sein", sagt Straubhaar. China werde zunehmend Konsumgüter importieren und noch stärker im Ausland investieren.

"Wie ein Staubsauger"

Auf allen Ebenen werde Chinas Handel dramatisch wachsen, sagt Rolf Langhammer, Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. "Wie ein Staubsauger" werde das Land künftig Investitionen und Waren anziehen.

Die Konsequenz aus diesem Szenario: Die globale Ökonomie wird sich in den kommenden Jahren an der Volksrepublik orientieren. Washington blickt schon seit Jahren gezwungenermaßen mehr nach Peking als nach Brüssel. Gleichzeitig ist China nach wie vor an einem stabilen Amerika interessiert. Peking hält über 2,5 Billionen Dollar Devisenreserven - und ist damit der größte Gläubiger der USA.

"Die USA und China sind voneinander abhängig", sagt Langhammer. Eine "Schicksalsgemeinschaft" sei das Verhältnis der beiden Staaten. So scheint es wenig verwunderlich, dass Obama der Visite Hus mehr Aufmerksamkeit widmet als bei den meisten anderen Staatschefs zuvor. Der Handel mit China hat für Washington höchste Priorität.

Fotostrecke

9  Bilder
Exportgiganten: Die größten Häfen der Welt
Die Geschäfte mit der EU hingegen sind in den vergangenen Jahren nicht so schnell gewachsen wie die mit China. Denn auch Europa setzt auf die neue Supermacht in Fernost.

Mitarbeit: Nicholas Brautlecht

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
HalloKinder 19.01.2011
1. Häfen?
Hier einfach mal Häfen als Bildbeilage...kreativ Aber: 2030 wird Chinas Bevölkerung(die im Osten bzw. Südosten; andere zählen ja eh schon lang nicht mehr) die Kaufkraft Amerikas erreichen... Warum sehen die Medien China immer als Gefahr an, wobei wir dankbar seinen dürfen das MIG auch in China gilt???
Chris-Gardner 19.01.2011
2. Ich will fairen Welthandel!
Ok, da China bekanntermaßen nun auf Augenhöhe agieren kann ist es doch Zeit endlich einen fairen Handel einzufordern (d. h. insbesondere die Marktöffnung Chinas, die bisher in keinster Weise vorhanden ist). Warum nutzt man die Möglichkeit nicht aus China unter Druck zu setzen, z. B. mit der Abschottung von Märkten als Drohkolisse. China könnte gar nicht auf uns verzichten. Wenn der Export um nur wenige Prozent zurückgehen würde, wäre das eine Katastrophe! Ich will Fairness!!
jamon 19.01.2011
3. ...
Zitat von sysopDie USA umgarnen China, Präsident Hu wird in Washington mit höchsten Ehren empfangen*- aus gutem Grund: Die Volksrepublik wird die Weltwirtschaft der Zukunft dominieren. Schon heute bestimmt der Exportweltmeister mit seinen gigantischen Häfen die Handelsströme. Ein Überblick. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740293,00.html
wenn einem die menschenrechte egal sind und menschenleben so viel wert sind wie mensch-ärger-dich-nicht püppchen, ist das sicher nichts was einen stolz machen sollte!
localpatriot 19.01.2011
4. Witschaftliche Aushoehlung der USA
Zitat von Chris-GardnerOk, da China bekanntermaßen nun auf Augenhöhe agieren kann ist es doch Zeit endlich einen fairen Handel einzufordern (d. h. insbesondere die Marktöffnung Chinas, die bisher in keinster Weise vorhanden ist). Warum nutzt man die Möglichkeit nicht aus China unter Druck zu setzen, z. B. mit der Abschottung von Märkten als Drohkolisse. China könnte gar nicht auf uns verzichten. Wenn der Export um nur wenige Prozent zurückgehen würde, wäre das eine Katastrophe! Ich will Fairness!!
Das Diagramm zeigt Handelsstroeme der USA die langfristig stark negativ sind mit steigender negativer Tendenz. Also, wie sieht man das? Weitermachen bis alles Geld weg ist? Man kann die Chinesische Bevoelkerung nicht zum Verbrauch zwingen. Erst muss man ihnen mehr Geld geben, und dann Produkte liefern die dort auch ankommen wie Mercedes und Rolex
serra, 19.01.2011
5. China nutzt seine Exportüberschüsse
zur Sicherung von Rohstoffquellen und Produktionsstätten in aller Welt, während Deutschland seine Exportüberschüsse an die EZB zur Umverteilung, d.h. zum Ausgleich von Importüberschüssen anderer Länder der Währungsunion, abführt. Über handelspolitische Maßnahmen kann man China heute zu nichts mehr zwingen- am allerwenigsten die USA.
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