16,6 Millionen Euro bekommt Martin Winterkorn für seinen Job als Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns. Aber hat er das Geld auch verdient? Jetzt hat sich Berthold Huber in die Debatte eingeschaltet. Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall fordert Konsequenzen aus dem Fall Winterkorn: "Wir sollten Grenzen für die Vorstandsvergütung setzen", sagte Huber der "Berliner Zeitung". Er sehe zwei Möglichkeiten: "Entweder wir erhöhen die Zielvorgaben." Das Management müsse dann mehr erreichen, um eine bestimmte Summe zu erhalten. "Oder wir kappen die Boni ab einer bestimmten Höhe." Für welchen Weg man sich entscheide, müsse jetzt im VW-Aufsichtsrat diskutiert werden. Allerdings sei das Vergütungssystem bei Volkswagen aus Sicht der Belegschaft "das beste, das es hierzulande gibt." In anderen Unternehmen richteten sich die Boni fast ausschließlich nach dem Gewinn. "Bei VW spielt dagegen seit 2010 auch die Beschäftigung eine große Rolle."
Die IG Metall übt in dem Autokonzern traditionell einen großen Einfluss aus, fast 90 Prozent der Belegschaft sind gewerkschaftlich organisiert. Und auch Hubers Stimme hat bei Volkswagen Gewicht: Der Gewerkschaftsvorsitzende ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats und bestimmt in dieser Funktion auch Winterkorns Gehalt mit. Huber räumte ein, dass die Vorstandsvergütung bei Volkswagen dank der guten Absatzzahlen auf eine Höhe gestiegen sei, "mit der niemand gerechnet hat". Positiv bewertete der IG-Metall-Chef, dass bei der Leistungsbewertung für VW-Vorstände nicht nur der Gewinn, sondern auch die Beschäftigung eine große Rolle spiele.
"Mehr geleistet als viele Fußballer"
Ebenfalls in der "Berliner Zeitung" verteidigte der Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Bernd Osterloh, das Rekordgehalt seines Konzernchefs: "Profifußballer verdienen zum Teil erheblich mehr als Top-Manager." Darüber rege sich kaum jemand auf. "Dabei hat Herr Winterkorn wesentlich mehr geleistet als viele Fußballer, er hat reale Werte und reale Arbeitsplätze geschaffen." Osterloh hat nach eigenen Angaben aus der Belegschaft keine negativen Reaktionen auf Winterkorns Rekordvergütung erhalten, "die VW-Belegschaft ist zufrieden, unsere Kunden sind zufrieden, das Management und auch die Aktionäre sind zufrieden."
Huber hingegen räumte ein, dass er durchaus Protestschreiben erhalten habe. "Für mich lautet die Frage: Dürfen wir bei der Vergütung nur auf den Erfolg von Volkswagen schauen? Oder fließen auch moralische Werte ein?"
Nicht nur Vorstandschef Winterkorn kassierte 2011 bei Volkswagen eine Rekordvergütung, sondern auch sein Chefaufseher Ferdinand Piëch. Für seine zwei Aufsichtsratsmandate bei Volkswagen und dem Lkw-Bauer MAN erhielt er nach Angaben des manager magazin 1.095.000 Euro. Gewerkschaftschef Huber bekam für seinen Posten als Vize-Aufsichtsratschef laut Volkswagen-Geschäftsbericht 589.000 Euro - was ihn wiederum zum bestbezahlten Arbeitnehmervertreter in einem DAX-Aufsichtsrat macht. Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh erhielt als einfaches Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen 371.250 Euro.
Huber führt nach eigenen Angaben 90 Prozent seiner Vergütung als Vizechef des Volkswagen-Aufsichtsrats an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ab - ein übliches Vorgehen für Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten. Huber: "Die weiteren zehn Prozent habe ich zu versteuern. Was dann übrig bleibt, spende ich weitgehend, beispielsweise an Amnesty International."
ric/dpa
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