Debatte um Rekordvergütung: IG-Metall-Chef will Winterkorns Gehalt kürzen

So viel wie Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat 2011 kein anderer deutscher Spitzenmanager verdient - und ausgerechnet Berthold Huber segnete das Rekordgehalt ab. Jetzt will der Vorsitzende der IG Metall bei den Managergehältern eine Begrenzung einbauen.   

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Vergütung nach oben offen Zur Großansicht
dapd

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn: Vergütung nach oben offen

16,6 Millionen Euro bekommt Martin Winterkorn für seinen Job als Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns. Aber hat er das Geld auch verdient? Jetzt hat sich Berthold Huber in die Debatte eingeschaltet. Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall fordert Konsequenzen aus dem Fall Winterkorn: "Wir sollten Grenzen für die Vorstandsvergütung setzen", sagte Huber der "Berliner Zeitung". Er sehe zwei Möglichkeiten: "Entweder wir erhöhen die Zielvorgaben." Das Management müsse dann mehr erreichen, um eine bestimmte Summe zu erhalten. "Oder wir kappen die Boni ab einer bestimmten Höhe." Für welchen Weg man sich entscheide, müsse jetzt im VW-Aufsichtsrat diskutiert werden. Allerdings sei das Vergütungssystem bei Volkswagen aus Sicht der Belegschaft "das beste, das es hierzulande gibt." In anderen Unternehmen richteten sich die Boni fast ausschließlich nach dem Gewinn. "Bei VW spielt dagegen seit 2010 auch die Beschäftigung eine große Rolle."

Die IG Metall übt in dem Autokonzern traditionell einen großen Einfluss aus, fast 90 Prozent der Belegschaft sind gewerkschaftlich organisiert. Und auch Hubers Stimme hat bei Volkswagen Gewicht: Der Gewerkschaftsvorsitzende ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats und bestimmt in dieser Funktion auch Winterkorns Gehalt mit. Huber räumte ein, dass die Vorstandsvergütung bei Volkswagen dank der guten Absatzzahlen auf eine Höhe gestiegen sei, "mit der niemand gerechnet hat". Positiv bewertete der IG-Metall-Chef, dass bei der Leistungsbewertung für VW-Vorstände nicht nur der Gewinn, sondern auch die Beschäftigung eine große Rolle spiele.

"Mehr geleistet als viele Fußballer"

Ebenfalls in der "Berliner Zeitung" verteidigte der Betriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Bernd Osterloh, das Rekordgehalt seines Konzernchefs: "Profifußballer verdienen zum Teil erheblich mehr als Top-Manager." Darüber rege sich kaum jemand auf. "Dabei hat Herr Winterkorn wesentlich mehr geleistet als viele Fußballer, er hat reale Werte und reale Arbeitsplätze geschaffen." Osterloh hat nach eigenen Angaben aus der Belegschaft keine negativen Reaktionen auf Winterkorns Rekordvergütung erhalten, "die VW-Belegschaft ist zufrieden, unsere Kunden sind zufrieden, das Management und auch die Aktionäre sind zufrieden."

Huber hingegen räumte ein, dass er durchaus Protestschreiben erhalten habe. "Für mich lautet die Frage: Dürfen wir bei der Vergütung nur auf den Erfolg von Volkswagen schauen? Oder fließen auch moralische Werte ein?"

Nicht nur Vorstandschef Winterkorn kassierte 2011 bei Volkswagen eine Rekordvergütung, sondern auch sein Chefaufseher Ferdinand Piëch. Für seine zwei Aufsichtsratsmandate bei Volkswagen und dem Lkw-Bauer MAN erhielt er nach Angaben des manager magazin 1.095.000 Euro. Gewerkschaftschef Huber bekam für seinen Posten als Vize-Aufsichtsratschef laut Volkswagen-Geschäftsbericht 589.000 Euro - was ihn wiederum zum bestbezahlten Arbeitnehmervertreter in einem DAX-Aufsichtsrat macht. Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh erhielt als einfaches Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen 371.250 Euro.

Huber führt nach eigenen Angaben 90 Prozent seiner Vergütung als Vizechef des Volkswagen-Aufsichtsrats an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ab - ein übliches Vorgehen für Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten. Huber: "Die weiteren zehn Prozent habe ich zu versteuern. Was dann übrig bleibt, spende ich weitgehend, beispielsweise an Amnesty International."

ric/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
yettiz 24.03.2012
Zitat von sysopSo viel wie Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat 2011 kein anderer deutscher Spitzenmanager verdient - und ausgerechnet Berthold Huber segnete das Spitzengehalt ab. Jetzt will der Vorsitzende der IG Metall bei den Managergehältern eine Begrenzung einbauen. Deabatte um Rekordvergütung: IG-Metall-Chef will Winterkorns Gehalt kürzen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,823441,00.html)
Wenn ich sowas höre, die Putzfrau die am Abend vollig fertig nach Hause geht, sagt auch "Heute habe ich viel Geschafft", trotzdem bekommt sie einen Hungerlohn. Wenn jemand 14-16 Stunden am Tag arbeitet soll er auch ein entsprechendes Gehalt bekommen, aber es sollte im Verhältniss stehen. 16,6 Millionen stehen in keinen Verhältniss. Ein normaler Arbeiter wird dafür sein ganzes Leben arbeiten müssen, setzen man das dagegen was ein Manager geleistet hat, sie es für den Arbeiter genau so aus, wie beim Manager gegen den Sportler. Wie heisst es das so schön: "Immer den Ball flach halten". so long yeTTi
2. Typisch deutsch
schlago 24.03.2012
Alles nur eine Neiddebatte. Typisch deutsch. Genau wie die 7500 € Bonus für alle VW-Mitarbeiter. Die Leute haben es sich verdient. Man sollte es den Beteiligten auch mal gönnen und nicht ständig mit Neid und Missgunst auf die anderen schauen.
3. Neid ist schrecklich langweilig
Megunfant 24.03.2012
Zitat von yettizWenn ich sowas höre, die Putzfrau die am Abend vollig fertig nach Hause geht, sagt auch "Heute habe ich viel Geschafft", trotzdem bekommt sie einen Hungerlohn. Wenn jemand 14-16 Stunden am Tag arbeitet soll er auch ein entsprechendes Gehalt bekommen, aber es sollte im Verhältniss stehen. 16,6 Millionen stehen in keinen Verhältniss. Ein normaler Arbeiter wird dafür sein ganzes Leben arbeiten müssen, setzen man das dagegen was ein Manager geleistet hat, sie es für den Arbeiter genau so aus, wie beim Manager gegen den Sportler. Wie heisst es das so schön: "Immer den Ball flach halten". so long yeTTi
Natürlich hat die Putzfrau auch was geschafft, aber eben nur für sich. Von Managerarbeit hängen eine Menge Arbeitsplätze ab. Wenn Winterkorn einen schlechten Job macht, dann leiden viele Arbeitnehmer darunter. Wenn er einen guten macht, dann profitieren viele Arbeitsnehmer davon. Das gilt für die Putzfrau oder den Sachbearbeiter nunmal nicht. Und so ehrenhaft das putzen auch ist, es gehört nicht viel dazu, es zu können. Top-Leistungen im Management können dagegen nur sehr wenige.
4. Nur zu
cato-der-ältere 24.03.2012
Wer steckte alles in dem Klüngel um Peter Hartz? Gewerkschafter, Manager, Aktionäre, Politiker, völlig egal. Sobald hierzulande jemand zu den Besserverdienern gehört, und sich darin sonnt zur "Elite der Leistungsträger" zu gehören, feiert der alte, feudalistische Geist fröhlich Urständ. Ist doch besser die schieben sich obszöne Summen rein, als z.B. "nur" bescheidene 5 Millionen im Jahr, über die sich niemand aufregt. Denn nur an diesen Summen ist überhaupt noch sichtbar was im Land wirklich läuft. Es gibt nun mal keine Kleiderordnung, Puderperücken und kleine Versailles allerorten. Das befindet sich alles auf Konten in der Schweiz, den Caymans oder hinter unauffälligen Hecken in Kronberg bei Frankfurt. Ja, der Staat hat kein Geld, wo ist es denn nur? Vielleicht platzt dem Volk ja irgendwann mal richtig der Kragen. Die Hoffnung stirbt zuletzt...
5. Wir fordern Dinge,
ginfizz53 24.03.2012
... die schon in der chinesischen Kulturrevolution gang und gäbe waren. Mit "durchschlagendem" Erfolg. Hätten die Chinesen das System beibehalten, stünden wir im Westen jetzt besser da. Diese haben sich inzwischen an unserem ehemaligen Erfolgsmodell orientiert und prosperieren unglaublich, während hier allen Erfplgreichen Knüppel zwischen die Beine geworfen werden und wir rückwärtsschreiten. Als in den 70ern die K-Gruppen mit ihren Flugblättern und Zeitungen herumliefen, hätte ich mir nicht denken können, dass dies einmal politischer Mainstream würde.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Managergehälter
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 92 Kommentare
Fotostrecke
Managergehälter: Das verdienen die Chefs der Dax-Konzerne