Der SPIEGEL

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19. August 2012, 07:59 Uhr

Glücksspiel-Gewinne

Pokerspielern drohen Steuernachforderungen

Gewinne aus Glücksspielen sind in Deutschland generell steuerfrei. Doch nun muss ein Gericht prüfen, wann Pokerprofis mit dem Kartenspiel eine gewerbliche Tätigkeit ausüben. Ein Urteil soll nach SPIEGEL-Informationen noch in diesem Jahr fallen.

Hamburg - Das Finanzgericht Köln muss in einem Musterprozess darüber entscheiden, ob der Erfolg beim Pokern auf Glück oder auf Geschicklichkeit beruht. In dem Verfahren hat der ehemalige Pokerspieler Eddy Scharf nach SPIEGEL-Informationen gegen Steuerforderungen der Finanzbehörden geklagt. Der 58-Jährige zockt seit fast 20 Jahren um Geld und gewann allein zwischen 2001 und 2008 mehr als eine Million Dollar Preisgeld. Nach Ansicht des Finanzamts übte Scharf mit dem Kartenspiel eine gewerbliche Tätigkeit aus, die steuerpflichtig ist.

Generell sind die Gewinne aus Glücksspielen in Deutschland dagegen steuerfrei. In Scharfs Fall sei das jedoch anders, der Profispieler nutze "persönliche Fertigkeiten und ein tieferes Spielverständnis" und verlasse sich nicht auf sein Glück. Scharf will nun vor Gericht darlegen, dass er bei seinen Erfolgen doch vor allem Glück hatte. Ein Spieler könne ein Spiel zwar beeinflussen, sagte er, er gewinne deshalb aber noch lange nicht. "Entscheidend ist das richtige Blatt", so Scharf. Für die Finanzbehörden ist das Verfahren ein Musterprozess. Mehrere hundert Pokerspieler hatten in den vergangenen Jahren ähnliche Steuernachforderungen wie Scharf erhalten. Ein Urteil soll noch in diesem Jahr fallen.

Erst im November vergangenen Jahres erspielte sich der deutsche Student Pius Heinz den Weltmeistertitel im Pokern. Heinz gewann damals das berühmteste und größte Pokerturnier, das es gibt: Das Main Event - und damit 6,3 Millionen Euro.

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