AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 34/2012

Glücksspiel-Gewinne Pokerspielern drohen Steuernachforderungen

Gewinne aus Glücksspielen sind in Deutschland generell steuerfrei. Doch nun muss ein Gericht prüfen, wann Pokerprofis mit dem Kartenspiel eine gewerbliche Tätigkeit ausüben. Ein Urteil soll nach SPIEGEL-Informationen noch in diesem Jahr fallen.

Pokerspieler in Hamburg
DPA

Pokerspieler in Hamburg


Hamburg - Das Finanzgericht Köln muss in einem Musterprozess darüber entscheiden, ob der Erfolg beim Pokern auf Glück oder auf Geschicklichkeit beruht. In dem Verfahren hat der ehemalige Pokerspieler Eddy Scharf nach SPIEGEL-Informationen gegen Steuerforderungen der Finanzbehörden geklagt. Der 58-Jährige zockt seit fast 20 Jahren um Geld und gewann allein zwischen 2001 und 2008 mehr als eine Million Dollar Preisgeld. Nach Ansicht des Finanzamts übte Scharf mit dem Kartenspiel eine gewerbliche Tätigkeit aus, die steuerpflichtig ist.

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Heft 34/2012
Warum Introvertierte zu oft unterschätzt werden

Generell sind die Gewinne aus Glücksspielen in Deutschland dagegen steuerfrei. In Scharfs Fall sei das jedoch anders, der Profispieler nutze "persönliche Fertigkeiten und ein tieferes Spielverständnis" und verlasse sich nicht auf sein Glück. Scharf will nun vor Gericht darlegen, dass er bei seinen Erfolgen doch vor allem Glück hatte. Ein Spieler könne ein Spiel zwar beeinflussen, sagte er, er gewinne deshalb aber noch lange nicht. "Entscheidend ist das richtige Blatt", so Scharf. Für die Finanzbehörden ist das Verfahren ein Musterprozess. Mehrere hundert Pokerspieler hatten in den vergangenen Jahren ähnliche Steuernachforderungen wie Scharf erhalten. Ein Urteil soll noch in diesem Jahr fallen.

Erst im November vergangenen Jahres erspielte sich der deutsche Student Pius Heinz den Weltmeistertitel im Pokern. Heinz gewann damals das berühmteste und größte Pokerturnier, das es gibt: Das Main Event - und damit 6,3 Millionen Euro.

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marthaimschnee 19.08.2012
1.
Legt man die Maßstäbe zugrunde, nach denen im Internet Urheberrechtsverletzungen in gewerblich und nicht gewerblich unterschieden werden, dann müßte die Antwort auf die Frage "wann Üben Poker-Profis mit dem Kartenspiel eine gewerbliche Tätigkeit aus" konsequenterweise "IMMER!!!" lauten
Mach999 19.08.2012
2. optional
Das richtige Blatt entscheidet vielleicht mal das einzelne Spiel. Auf lange Sicht hat er aber genauso viele gute und schlechte Blätter wie alle anderen. Wenn er trotzdem deutlichen Gewinn macht, ist es kein Glücksspiel. Die Geschicklichkeit besteht darin, gute und schlechte Blätter zu unterscheiden und entsprechend zu handeln.
renee gelduin 19.08.2012
3. optional
Die Definition einer gewerblichen Tätigkeit (§1 Abs 2 HGB: auf Dauer geplant und ausgelegte wirtschaftliche Tätigkeit) gibt es bereits (wenngleich teilweise sehr unterschiedlich ausgelegt), die Frage ist also weniger WANN sondern OB. Da in Deutschland Lotto, Poker und co in einem Topf als Glücksspiel angesehen werden aber der Staat sicherlich kein Interesse daran hat Verluste aus ebensolche von der EkSt absetzen zu lassen.
Baader 19.08.2012
4.
Zitat von renee gelduinDie Definition einer gewerblichen Tätigkeit (§1 Abs 2 HGB: auf Dauer geplant und ausgelegte wirtschaftliche Tätigkeit) gibt es bereits (wenngleich teilweise sehr unterschiedlich ausgelegt), die Frage ist also weniger WANN sondern OB. Da in Deutschland Lotto, Poker und co in einem Topf als Glücksspiel angesehen werden aber der Staat sicherlich kein Interesse daran hat Verluste aus ebensolche von der EkSt absetzen zu lassen.
Ist doch ganz einfach, ein Profi könnte Startgelder etc. absetzen, der normale Durchschnittsspieler der 20€ im Monat verliert betreibt das nicht mit Gewinnerzielungsabicht -> Liebhaberei
forenaccount 19.08.2012
5. Steuersparmodell?
Ich weiß nicht, ob ein gerichtlicher Erfolg der Steuerbehörden wirklich ein Erfolg wäre. "Pokerspiel als Steuersparmodell - wie realisieren Ihre Verluste" Über diese Schiene bringt man jedes Einkommen auf Null. Man muss sich ja nur mit Spielern aus anderen, nicht-pokersteuerpflichtigen Ländern verabreden, die Infrastruktur dafür lässt sich aufbauen. "Hintenrum" fließen dann 95-99% des "verlorenen Geldes" wieder zurück. Da "vernichte" ich als z.B. [ich nenne hier mal lieber keine Berufsgruppe] doch gerne 100.000 meines Jahreseinkommens in meinem Zweitberuf "gewerblicher Pokerspieler". Oder wie wär's mit Ltd.-Konstrukten? Besser als jeder Film- und Schiffsfonds.
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