Teure Pflege: 400.000 Senioren können Altenheim nicht mehr zahlen

Hunderttausende Senioren können sich aus eigener Kraft keine Altenpflege mehr leisten - das geht laut einem Zeitungsbericht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Die Krankenkassen diskutieren nun kostengünstigere Modelle, wonach deutsche Pflegefälle im Ausland versorgt würden.

Alter Mann im Pflegeheim: Kosten steigen kontinuierlich Zur Großansicht
DPA

Alter Mann im Pflegeheim: Kosten steigen kontinuierlich

Berlin - Die Zahl der Senioren, die ihre Pflege nicht mehr selbst bezahlen können, ist in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich gestiegen. Das geht aus noch unveröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die der "Welt am Sonntag" nach eigenen Angaben vorliegen. Demnach ist die Zahl der Empfänger von Hilfe zur Pflege im Jahr 2010 um rund fünf Prozent gestiegen, auf etwa 411.000 Bedürftige - drei Viertel von ihnen leben in Heimen. Die Ausgaben für die staatliche Sozialleistung "Hilfe zur Pflege" sind demnach im Jahr 2010 auf mehr als 3,4 Milliarden Euro gestiegen.

Der Sozialverband VdK wertet die Entwicklung als Alarmsignal: "Das Risiko, durch Pflegebedürftigkeit in Armut abzurutschen, steigt seit Jahren", warnt Präsidentin Ulrike Mascher in der Zeitung. Ein wichtiger Grund für die höhere Zahl an Betroffenen sei, dass die Heimkosten kontinuierlich steigen - zuletzt lagen sie in Pflegestufe 3 bei durchschnittlich knapp 2900 Euro pro Monat - während das Rentenniveau stagniert, so Mascher. Die Statistiker beobachten seit rund 15 Jahren eine Zunahme, wenn auch nicht so deutlich wie in diesem Jahr. Eine weitere Erklärung dafür ist laut Statistischem Bundesamt, dass immer mehr Bundesbürger ein Alter erreichen, in dem Pflegebedürftigkeit wahrscheinlich wird.

Vor diesem Hintergrund wird in der Pflegebranche zunehmend darüber diskutiert, günstigere Versorgungsmöglichkeiten zu schaffen. Eine davon ist, dass die deutsche Pflegeversicherung künftig mit Altenheimen im Ausland kooperieren und Heimaufenthalte dort teilweise bezahlen könnte. Mit Reha-Kliniken existieren solche Verträge bereits. Sowohl die Krankenkassen AOK als auch Barmer GEK signalisierten auf Anfrage, man sei grundsätzlich offen für Modelle, in denen deutsche Pflegefälle im Ausland versorgt würden.

Noch allerdings verhindert EU-Recht direkte Verträge von Pflegekassen mit Heimen im Ausland, und auch die deutsche Sozialgesetzgebung schränkt die Vertragsfreiheit der Pflegekassen bislang ein. Dennoch lebt schon jetzt eine steigende Zahl an Deutschen aus Kostengründen in Altenheimen in Osteuropa, Spanien oder Thailand.

anr/dapd

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insgesamt 344 Beiträge
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1. Altersarmut
Buergerunion 27.10.2012
Den Deutschen geht es doch gut laut der letzten Statistik über Altersarmut. Es wird wirklich Zeit, dass wir unser Leben nicht mehr von diesen Experten bestimmen lassen.
2. kooperation mit dem ausland ...
pannetyp 27.10.2012
Zitat von sysopHunderttausende Senioren in Deutschland können sich aus eigener Kraft keine Altenpflege mehr leisten - das geht laut einem Zeitungsbericht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor. Sozialverbände schlagen Alarm. Hunderttausende Senioren können ihre Altenpflege nicht mehr zahlen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hunderttausende-senioren-koennen-ihre-altenpflege-nicht-mehr-zahlen-a-863822.html)
sehr guter ansatz! thailand zum beispiel ... gute asiatische medizin, respekt vor senioren, ausgezeichnete pflege auf günstigem niveau und reichlich spass (wenn der kreislauf noch mitmacht). bin dabei!
3. Schon vor 10 Jahren
belphegor1 27.10.2012
traf ich auf einen pensionierten Kollegen,der im Gespräch anfing zu weinen und meinte,"ich habe mein ganzes Leben gearbeitet und ordentlich verdient und nun im Alter kann ich zum Sozialamt gehen weil meine Frau ins Pflegeheim muss" Es ist also kein neues Phänomen,es ist schon seit langer Zeit,bittere Realität...
4. wo...
c_c 27.10.2012
sind die Milliardenüberschüsse hin?
5. Das ist doch nicht neu!
rossdamisch 27.10.2012
Bereits vor 20 Jahren und auch früher konnte kaum ein Rentner von seiner gesetzlichen Rente einen Heimplatz bezahlen. Weder in einem staatlichen Pflegeheim noch in einer privaten Einrichtung. Auch damals hat ein Pflegeplatz bereits zwischen ca. DM 2900 und DM 3500 gekostet und kein gesetzlich versicherter Rentner hatte eine deart hohe Rente (siehe Statistik der Durchschnittsrenten). Auch damals wurden die Menschen in diesen Einrichtungen versorgt und die Sozialämter sind für die Kosten eingetreten. Der Rentner hat damals wie heute lediglich ein Taschengeld erhalten. Was sollen also diese Publikationen, will man die Arbeitnehmer damit verleiten, Versicherungen abzuschließen, die nur den Versicherungen selbst nützen? Sollen vielleicht die heutigen Arbeitnehmer denken, sie müssten später einen möglichen Heimplatz allein bezahlen? Das war für die meisten Rentner nie der Fall. Lediglich unsere Politiker und viele Unternehmer haben Altersbezüge, die ihnen einen Lebensabend ohne finanzielle Einschränkungen bieten. Otto-Normalverbraucher im staatlichen Altersheim lebt zu 98 % vom Minimal-Taschengeld - wie schon immer!
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Fakten zur Altenpflege
Pfleger gesucht
dapd
Immer mehr alte Menschen, immer weniger Altenpfleger: Gegenwärtig sind 4,1 Millionen Menschen in Deutschland 80 Jahre und älter. Und die Zahl der Alten wird in in den kommenden Jahren und Jahrzehnten deutlich steigen. Für die Pflege sagen Prognosen der Experten eine riesige Lücke zwischen Bedarf und Angebot voraus.
Mehr alte Menschen
Gegenwärtig sind 4,1 Millionen Menschen in Deutschland 80 Jahre und älter. 2030 werden es 6,3 Millionen sein, die Mehrheit von ihnen pflegebedürftig. Das Bundesgesundheitsministerium geht von knapp 3,3 Millionen Pflegebedürftigen im Jahr 2030 in Deutschland aus. Aktuell sind es 2,4 Millionen. Rund ein Drittel von ihnen wird vollstationär in Heimen betreut.

Klarer Fall von Fachkräftemangel
Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren Ende 2009 bundesweit 890.000 Menschen in der Altenpflege beschäftigt, davon 70 Prozent in Pflegeheimen. Schon heute fehlten in diesem Bereich rund 30.000 Fachkräfte, erklärt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste. Und warnt vor einem Pflegenotstand: Bis zum Jahr 2025 würden mehr als 150.000 Fachkräfte in der Kranken- und Altenpflege fehlen. Nötig seien unter anderem eine bessere Aus- und Weiterbildung, zudem Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern sowie die unbürokratische Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.

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Grafiken: So sehen die Deutschen das Gesundheitssystem