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Schuldenkrise: Wirtschaftsbosse warnen vor Euro-Crash

Mit drastischen Worten warnen Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft vor einem Zerfall der Euro-Zone. Sollte es dazu kommen, hätte dies "schlimmere Folgen als die Lehman-Pleite 2008". Das Krisenmanagement der Kanzlerin loben die Industriellen überschwänglich.

Arbeitgeberchef Hundt: "Ich bewundere, wie die Kanzlerin sich durchsetzt" Zur Großansicht
DPA

Arbeitgeberchef Hundt: "Ich bewundere, wie die Kanzlerin sich durchsetzt"

Hamburg - Für ihren Kurs in der Euro-Krise erntet die Kanzlerin viel Kritik. Nicht nur die Opposition, auch Politiker aus den eigenen Reihen und Ökonomen werfen Angela Merkel vor, beim Kampf gegen die Schuldenkrise deutsche Interessen zu verletzen. Doch immerhin: Auf die Wirtschaftsführer des Landes kann sie sich verlassen. Nun kommt erneut teils überschwängliches Lob von den Unternehmern. Er "bewundere, wie die Bundeskanzlerin ihre Positionen in Europa einbringt und durchsetzt", sagte Arbeitgeberchef Dieter Hundt dem "Handelsblatt". Dafür zolle er ihr "größten Respekt". Die deutsche Wirtschaft kämpfe "für den Erhalt des Euro" und unterstütze deshalb den Kurs der Kanzlerin.

Auch BMW-Chef Norbert Reithofer stellte sich an Merkels Seite. Im "Handelsblatt" lobte er die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels. "Ich würde sagen, dass der Gipfel Teil der Lösung ist." Ende Juni hatten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel unter anderem auf eine gemeinsame Bankenaufsicht geeinigt. Zudem soll der neue Rettungsschirm ESM maroden Banken künftig auch direkt helfen.

Die Unterstützung der Wirtschaftsbosse für Merkel hat einen einfachen Grund: Sie fürchten den Zerfall der Euro-Zone. In diesem Fall dürfte die Konjunktur und damit ihr Geschäft massiv einbrechen. Hundt wie auch BMW-Chef Reithofer warnen denn auch mit drastischen Worten vor einem solchen Szenario. "Bei einer Rückkehr zur D-Mark hätte Deutschland mit einer massiven Aufwertung zu kämpfen, die das deutsche Exportwunder weitgehend zunichtemachen würde", sagte Reithofer dem "Handelsblatt".

"Die Risiken sind deutlich größer geworden"

Arbeitgeberchef Hundt sagte, ein Scheitern des Euro-Krisenmanagements hätte dramatische Folgen. Es drohe dann nicht mehr nur eine Konjunkturkrise wie vor drei Jahren, "sondern eine echte Strukturkrise mit schlimmeren Folgen als nach der Lehman-Pleite 2008". So weit dürfe es auf keinen Fall kommen. "Das könnte eine Situation sein, in der auch die Feuerwehr nicht mehr zuverlässig funktioniert. Vor allem weil die Feuerwehr, sprich: die Politik, mit ihren Kräften am Ende wäre."

Bereits jetzt nehme die Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft zu, die Krise in Südeuropa schlage schon auf die "reale Entwicklung durch". Die Unternehmen stellten Investitionen zurück und zögerten beim Beschäftigungsaufbau, so Hundt. Die Risiken seien "deutlich größer geworden". Es müsse alles getan werden, damit das konjunkturelle Klima "durch die Staatsschuldenkrise nicht in starkes Gewitter und Hagel umschlägt", so Hundt.

Obwohl es durchaus auch von Wirtschaftsverbänden wie den Familienunternehmern Kritik an den Euro-Rettern gibt, widersprach der Arbeitgeberpräsident dem Eindruck, die deutsche Wirtschaft sei in ihrer Haltung zerstritten. Bei allem Lob für die Kanzlerin forderte Hundt aber auch eine harte Haltung gegenüber Griechenland. Sollte die Regierung in Athen die Reformauflagen der EU nicht erfüllen, dürfe es keine weiteren Hilfen geben.

BMW-Chef Reithofer äußerte sich ähnlich. "Alle Länder der Euro-Zone müssen Verantwortung übernehmen, um möglichst schnell eine dauerhafte Lösung zu erreichen", forderte der Konzernchef. Wesentliche Punkte seien dabei Haushaltsdisziplin und Strukturreformen. "Die Europäische Union kann nicht nur von Deutschland getragen werden."

cte

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insgesamt 266 Beiträge
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1. Also auf die Erpressungen
masc672 12.07.2012
Zitat von sysopDPAMit drastischen Worten warnen Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft vor einem Zerfall der Euro-Zone. Sollte es dazu kommen, hätte dies "schlimmere Folgen als die Lehman-Pleite 2008". Das Krisenmanagement der Kanzlerin loben die Industriellen überschwänglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843943,00.html
ingehen un zahlen, zahlen, zahlen. Am besten geben wir den Arbeitgeber das Gehalt und kaufen die Produkte gleich. Dann werden auch die Transportkosten gespart.
2.
Social_Distortion 12.07.2012
Zitat von sysopDPAMit drastischen Worten warnen Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft vor einem Zerfall der Euro-Zone. Sollte es dazu kommen, hätte dies "schlimmere Folgen als die Lehman-Pleite 2008". Das Krisenmanagement der Kanzlerin loben die Industriellen überschwänglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843943,00.html
Soso - primär ist erst einmal das Ziel, die Banken der EU- Länder wieder mit Geld zu versorgen, damit die wieder Kredite für z. B. schöne neue 3er BMWs vergeben können. Und wenns schief geht, übernimmt die fälligen Raten der deutsche Steuerzahler. In diesem System möchte ich auch Wirtschaftsboss sein.... LOL
3.
orion4713 12.07.2012
Zitat von sysopDPAMit drastischen Worten warnen Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft vor einem Zerfall der Euro-Zone. Sollte es dazu kommen, hätte dies "schlimmere Folgen als die Lehman-Pleite 2008". Das Krisenmanagement der Kanzlerin loben die Industriellen überschwänglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843943,00.html
Na gut, wenn das quasi den Weltuntergang bedeutet, wenn der Euro zerbricht, dann führen wir eine Steuer für Exporte in die Eurozone ein, sagen wir mal 200 Euro für jeden exportierten BMW. Ist bestimmt billiger als Kurssicherung wie früher und trägt dann zur Finanzierung der ganzen Rettungspakete bei.
4. steuerpflicht
joesugar 12.07.2012
wenn alle steuerpflichtigen, insbesondere die vermögenden, ihre steuern korrekt zahlen würden, gäbe es überhaupt keine eurokrise!
5.
fuenfringe 12.07.2012
Zitat von sysopDPAMit drastischen Worten warnen Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft vor einem Zerfall der Euro-Zone. Sollte es dazu kommen, hätte dies "schlimmere Folgen als die Lehman-Pleite 2008". Das Krisenmanagement der Kanzlerin loben die Industriellen überschwänglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,843943,00.html
Wenn Typen wie Hundt und Reithofer eine Massnahme gut finden, muss sie eigentlich für die betroffenen Menschen negativ sein. Insofern: jedes Lob von denen ist im Klartext die Nachricht: damit wird die Wirtschaft gefördert, und die Bevölkerung kriegt auf's Maul.
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Die Gipfelbeschlüsse im Überblick
Leichterer Zugang zu den Rettungsschirmen
Länder, die den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachkommen, erhalten einen erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen. Wenn sie die Instrumente - etwa den Aufkauf von Staatsanleihen durch den Fonds - nutzen, müssen sie lediglich die Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt fristgerecht erfüllen. Diese Regelung scheint wie auf Italien zugeschnitten. Premier Mario Monti hatte vehement für die Aufweichung der Hilfsbedingungen gekämpft - auch wenn die Regierung in Rom bisher keine Hilfen beantragt hat.
Direkte Hilfen für Banken aus dem Rettungsfonds ESM
Um den Teufelskreis zwischen angeschlagenen Banken und Staatsfinanzen zu durchbrechen, sollen Banken direkt aus dem Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden. So erhöht sich die Staatsverschuldung trotz der Notkredite nicht mehr - die Zinsen auf Staatsanleihen könnten dadurch sinken. Die Finanzhilfe soll an "angemessene Bedingungen" geknüpft werden. Mit dem Beschluss erfüllen die Euro-Staaten eine Kernforderung Spaniens.
Bankenaufsicht auf europäischer Ebene
Voraussetzung für die direkte Bankenhilfe durch den ESM ist eine effiziente Aufsicht auf europäischer Ebene. Der Gipfel beauftragte die EU-Kommission damit, in Kürze einen Vorschlag für einen entsprechenden Mechanismus zu präsentieren, an dem die Europäische Zentralbank (EZB) beteiligt sein soll.
Kein Sonderstatus für Kredite der Euro-Länder
Das bereits zugesagte Rettungsprogramm für die spanischen Banken soll so schnell wie möglich beschlossen werden. Anders als bisher vorgesehen, sollen die Kredite der Euro-Partner keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben, wenn das Geld aus dem ESM kommt. Im Falle einer Pleite müssten die öffentlichen Geldgeber also genauso verzichten wie die Privatwirtschaft. Der Vorteil: Für private Investoren wird es wieder attraktiver, den betroffenen Ländern Geld zu leihen - dies dürfte die Finanzierungskosten der Regierungen senken.
Vage Pläne für eine Banken- und Fiskalunion
Die Euro-Chefs einigten sich darauf, weitere Baustellen anzugehen - neben einer Bankenunion sind auch eine Fiskalunion und eine politische Union geplant. Allerdings blieben die Staats- und Regierungschefs in diesem Punkt sehr vage. Über konkrete Inhalte soll erst auf einem weiteren Gipfel im Oktober gesprochen werden.
Fotostrecke
Wut in Spanien: Bergarbeiter protestieren gegen Kürzungen

Wer den ESM noch ratifizieren muss
13 der 17 Euro-Länder haben den Rettungsfonds ESM bereits ratifiziert. Der Nachfolger des EFSF soll mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro Länder der Währungsunion unterstützen, die in finanzieller Not sind. Der ESM tritt in Kraft, wenn 90 Prozent des Stammkapitals erreicht sind. Da Deutschland einen Anteil von rund 27 Prozent besitzt, hat die Bundesrepublik ein Vetorecht. Folgende Länder haben den Vertrag noch nicht ratifiziert:
Deutschland
Bundestag und Bundesrat haben den ESM-Vertrag mit Zweidrittelmehrheit gebilligt. Für die Ratifizierung muss das Gesetz aber noch vom Bundespräsidenten unterschrieben werden. Dafür steht die Erlaubnis des Bundesverfassungsgerichts aus: Dieses verhandelt darüber, ob das Gesetz mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
Estland
Auch in Estland steht die Zustimmung der Verfassungsrichter noch aus. Die Entscheidung soll am Donnerstag, den 12. Juli, fallen.
Italien und Malta
In beiden Ländern müssen die Parlamente den ESM-Vertrag noch billigen.


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