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Treibstoffknappheit nach "Sandy": Obama ordnet Benzinlieferungen ins Krisengebiet an

Benzin und Heizöl werden an der US-Ostküste knapp, Menschen stehen stundenlang für Treibstoff an, der Zorn wächst. Nun hat die US-Regierung Notlieferungen in die Krisenregion angeordnet und ein Gesetz aufgehoben, das ausländischen Tankern das Anlegen verbietet.

REUTERS

New York - Sie erscheinen schon vor dem Morgengrauen: Lange Autoschlangen, die vor New Yorker Tankstellen auf Benzin warten. Infolge von Hurrikan "Sandy" ist an der US-Ostküste der Treibstoff knapp geworden, an Tankstellen kommt es sogar zu Prügeleien. Nun hat US-Präsident Barack Obama nach Informationen der Katastrophenschutzbehörde den zusätzlichen Kauf von rund 45 Millionen Litern Benzin und knapp 38 Millionen Litern Diesel angeordnet. Der Treibstoff soll mit Tanklastwagen vor allem nach New York und New Jersey gebracht werden.

Zudem dürfen nun auch ausländische Tanker vorübergehend die Ostküste anlaufen. Das Heimatschutzministerium hob bis zum 13. November ein Gesetz auf, das dies normalerweise untersagt. Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo kündigte zudem einen Verzicht auf Gebühren für Tanker an, die im Hafen der Metropole ihre Ladung löschen.

Allerdings können Ölterminals, wo normalerweise die Tanker entladen werden, bislang nicht arbeiten, weil sie keinen Strom haben. Und in mindestens zwei wichtigen Raffinerien in New Jersey ruht die Arbeit wegen Überflutung. Außerdem kommen Transporte wegen Schäden an Straßen und Brücken nicht zu den Wohnhäusern durch. Tankstellen haben entweder keinen Strom zum Betreiben ihrer Pumpen, oder sie sind ausverkauft.

Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, ordnete dem Fernsehsender CNN zufolge mittlerweile eine Benzinrationierung an. Sie solle am Samstagmittag in Kraft treten und orientiere sich an den geraden oder ungeraden Endziffern auf den Autonummernschildern.

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US-Ostküste nach "Sandy": Benzin für das Krisengebiet
Nicht nur an Benzin mangelt es, sondern auch an Heizöl. In einigen Regionen von New York mussten Händler bereits ihre Lieferungen rationieren. "Das war das letzte", sagt Nick DeMaria, ein Manager in einem Öllager in Brooklyn. "Ich habe eine ganze Reihe Tanklastwagen da unten stehen, und die bekommen kein Öl. Wenn es jetzt kalt wird, müssen die Leute aber heizen können."

5,8 Millionen Haushalte sind im Nordosten der USA vom Heizöl abhängig. Es ist der weltweit größte Heizölmarkt. Ein Kälteeinbruch im Großraum New York wird voraussichtlich Anfang nächster Woche die Temperaturen auf zwei bis drei Grad Celsius sinken lassen. Viele Tausende müssen dann voraussichtlich ohne Heizung auskommen. Noch immer sind zudem knapp vier Millionen Menschen ohne Strom.

Hurrikan "Sandy" hatte am Dienstag die Ostküste der USA erreicht und dort verheerende Schäden angerichtet. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben von CNN mittlerweile auf 106 Menschen. Allein in New York City verloren nach neuen Angaben der Behörden 41 Menschen ihr Leben.

Dass die Rückkehr zur Normalität noch länger dauern wird, zeigte die kurzfristige Absage des New-York-Marathons durch Bürgermeister Michael Bloomberg. Trotz der Sturmschäden sollte der Lauf ursprünglich am Sonntag stattfinden. Nun sagte Bloomberg jedoch, man wolle "verhindern, dass ein Schatten über dem Rennen oder seinen Teilnehmern liegt. Deswegen haben wir entschieden, den Lauf abzusagen."

dab/Reuters/dpa/dapd

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insgesamt 89 Beiträge
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    Seite 1    
1. in der Not sollte man den Menschen helfen
spon-facebook-10000009156 03.11.2012
Das große Amerika hat vielen geholfen und auch viel Unheil angerichtet. Doch in der Not sollte man den Menschen helfen, ich hoffe nur das man daraus lernt, nicht einfach weitermacht wie bisher. Auch die reichen Amerikaner sollten ihren Armen mehr helfen. Das ist Patriotismus.
2. optional
roger13 03.11.2012
Das war es wohl mit Obamas Wiederwahl.Romney wird mit einer anderen Zinspolitik die" Eurorettung" zunichte machen.
3.
Becks0815 03.11.2012
Zitat von sysopAFPBenzin und Heizöl werden an der US-Ostküste knapp, Menschen stehen stundenlang für Treibstoff an. Nun hat die US-Regierung zusätzliche Lieferungen in die Krisenregion angeordnet und ein Gesetz aufgehoben, das ausländischen Tankern das Anlegen verbietet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hurrikan-sandy-obama-ordnet-benzinlieferungen-an-a-865071.html
Vielleicht lernt dort jetzt einer, daß Strom wichtig ist. Ohne Saft aus der Dose keine Tankstellen, die Benzin liefern und keine Pumpen, mit denen man Sprit von Tankern abladen könnte. Ich fand die Aufnahmen hier ganz interessant: Hurricane Sandy Satellite Photos: Before And After | ZeroHedge (http://www.zerohedge.com/news/2012-11-01/hurricane-sandy-satellite-photos-and-after) Wenn man bedenkt wie nahe da ans Meer gebaut wurde sind die Schäden jetzt nicht so groß.Zum Vergleich: Neue Satellitenbilder von Japan: Google dokumentiert Zerstörungen - n-tv.de (http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/technik/Google-dokumentiert-Zerstoerungen-article2844846.html)
4. Wirtschaftliche Aktivität ...
distel61 03.11.2012
... an der Ostküste runterfahren. Das spart Treibstoff.
5. Yes we can?
stoiker1.9 03.11.2012
Ja, wir können zum Mond fliegen. Schrott im Weltraum verteilen. Sinnlose Kriege führen. Hier werden die GRENZEN sichtbar! Supermacht?
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Was die Hurrikan-Stärken bedeuten
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Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Kilometer pro Stunde - Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen, auch können Hausdächer, Fenster und Türen beschädigt werden. Küstenstraßen werden überflutet, kleinere ungeschützte Schiffe aus der Verankerung gerissen. Bewohnern an Küstenstreifen wird empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.
Windgeschwindigkeiten von 178 bis 209 Kilometer pro Stunde - mobile Häuser werden zerstört, ebenso leichtere Bauwerke in Küstennähe. Der Wind drückt Fenster ein und deckt Dächer ab. Große Bäume werden entwurzelt oder knicken einfach um. Die Überflutungen werden stärker. Ein Küstenstreifen von etwa 400 Metern Breite sollte geräumt werden.
Windgeschwindigkeiten von 210 bis 249 Kilometer pro Stunde - extreme Schäden an Gebäuden. Wohnwagen werden zerstört oder weggeweht. Bauwerke an der Küste werden durch Wind und Wellen schwer beschädigt oder zerstört, tiefer liegende Gebiete überflutet. Massive Evakuierungen sind notwendig. Menschen können zu Schaden kommen oder getötet werden.
Windgeschwindigkeiten ab 250 Kilometer pro Stunde - die Zerstörungen sind katastrophal. Es gibt schwere Überschwemmungen, Häuser werden zerstört oder fortgeblasen. Es gibt massenweise abgedeckte Dächer, zertrümmerte Türen und Fenster. In Küstengebieten sind manchmal große Evakuierungsaktionen erforderlich. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, kann verletzt oder getötet werden.

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