New York - Sie erscheinen schon vor dem Morgengrauen: Lange Autoschlangen, die vor New Yorker Tankstellen auf Benzin warten. Infolge von Hurrikan "Sandy" ist an der US-Ostküste der Treibstoff knapp geworden, an Tankstellen kommt es sogar zu Prügeleien. Nun hat US-Präsident Barack Obama nach Informationen der Katastrophenschutzbehörde den zusätzlichen Kauf von rund 45 Millionen Litern Benzin und knapp 38 Millionen Litern Diesel angeordnet. Der Treibstoff soll mit Tanklastwagen vor allem nach New York und New Jersey gebracht werden.
Zudem dürfen nun auch ausländische Tanker vorübergehend die Ostküste anlaufen. Das Heimatschutzministerium hob bis zum 13. November ein Gesetz auf, das dies normalerweise untersagt. Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo kündigte zudem einen Verzicht auf Gebühren für Tanker an, die im Hafen der Metropole ihre Ladung löschen.
Allerdings können Ölterminals, wo normalerweise die Tanker entladen werden, bislang nicht arbeiten, weil sie keinen Strom haben. Und in mindestens zwei wichtigen Raffinerien in New Jersey ruht die Arbeit wegen Überflutung. Außerdem kommen Transporte wegen Schäden an Straßen und Brücken nicht zu den Wohnhäusern durch. Tankstellen haben entweder keinen Strom zum Betreiben ihrer Pumpen, oder sie sind ausverkauft.
Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, ordnete dem Fernsehsender CNN zufolge mittlerweile eine Benzinrationierung an. Sie solle am Samstagmittag in Kraft treten und orientiere sich an den geraden oder ungeraden Endziffern auf den Autonummernschildern.
5,8 Millionen Haushalte sind im Nordosten der USA vom Heizöl abhängig. Es ist der weltweit größte Heizölmarkt. Ein Kälteeinbruch im Großraum New York wird voraussichtlich Anfang nächster Woche die Temperaturen auf zwei bis drei Grad Celsius sinken lassen. Viele Tausende müssen dann voraussichtlich ohne Heizung auskommen. Noch immer sind zudem knapp vier Millionen Menschen ohne Strom.
Hurrikan "Sandy" hatte am Dienstag die Ostküste der USA erreicht und dort verheerende Schäden angerichtet. Die Zahl der Toten stieg nach Angaben von CNN mittlerweile auf 106 Menschen. Allein in New York City verloren nach neuen Angaben der Behörden 41 Menschen ihr Leben.
Dass die Rückkehr zur Normalität noch länger dauern wird, zeigte die kurzfristige Absage des New-York-Marathons durch Bürgermeister Michael Bloomberg. Trotz der Sturmschäden sollte der Lauf ursprünglich am Sonntag stattfinden. Nun sagte Bloomberg jedoch, man wolle "verhindern, dass ein Schatten über dem Rennen oder seinen Teilnehmern liegt. Deswegen haben wir entschieden, den Lauf abzusagen."
dab/Reuters/dpa/dapd
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