Hypo-Alpe-Adria-Pleite Kärnten bietet Gläubigern 75-Prozent-Quote

Nach dem Finanzdesaster um die Hypo Alpe Adria sitzt das österreichische Kärnten auf einem riesigen Schuldenberg. Die Landesregierung will aber nur einen Teil davon zurückzahlen.

Hypo Alpe Adria: Finanznot nach schiefgegangener Expansion
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Hypo Alpe Adria: Finanznot nach schiefgegangener Expansion


Die Gläubiger der ehemaligen Krisenbank Hypo Alpe Adria haben vom Bundesland Kärnten das lange erwartete Angebot für einen Rückkauf ihrer Schuldtitel erhalten. Um sich von den milliardenschweren Haftungen zu befreien, bietet Kärnten den Inhabern vorrangiger Anleihen eine Quote von 75 Prozent, teilte der Kärntner Ausgleichszahlungs-Fonds mit. Die Gläubiger nachrangiger Schuldtitel sollen 30 Prozent erhalten. Weitere Details sollen am Donnerstag veröffentlicht werden.

Die Abwicklung der Hypo-Nachfolgerin Heta zählt insgesamt zu einem der größten Schuldenschnitte bei einer europäischen Bank. Kärnten haftet für Anleihen der Heta in Höhe von elf Milliarden Euro. Das Bundesland sieht sich aber nicht in der Lage, das Geld vollständig zurückzuzahlen. Daher wurde den Investoren ein Angebot für einen Rückkauf der Papiere mit einem Abschlag gemacht.

Die Kärntner Hypo Alpe Adria hatte sich jahrzehntelang mit Garantien des Landes Kärnten Geld günstig von Investoren geholt und dieses in den Ausbau ihres Balkan-Geschäftes gesteckt. Doch die Expansion ging schief und die Bank geriet in Finanznöte. Die frühere Mutter BayernLB drehte der Hypo den Geldhahn zu, weshalb Österreich das Institut schließlich 2009 verstaatlichte. Seither hat der Staat Milliarden investiert, um das Geldhaus vor der Pleite zu bewahren.

2014 wurde der Konzern zerschlagen und die Abbaugesellschaft Heta geschaffen. Im Gegenzug für die staatlichen Subventionen verlangten die EU-Wettbewerbshüter den Verkauf der ehemaligen Hypo-Töchter in Südosteuropa.

Angebot steht bis März

Das Angebot für die Abwicklung setzt sich nun folgendermaßen zusammen: Kärnten will selbst 1,2 Milliarden Euro beisteuern. Dafür wird mithilfe des Bundes ein Kredit aufgenommen. Der Rest setzt sich aus dem erwarteten Verkaufserlös von Vermögensteilen der Heta zusammen. Die Heta will früheren Angaben zufolge bis 2020 durch den Verkauf von Assets 6,3 Milliarden Euro einnehmen.

Die Gläubiger haben von 21. Januar bis 11. März Zeit, das Angebot anzunehmen. Damit das Angebot gültig ist, müssten zwei Drittel der Gläubiger zustimmen. Mehrere große Geldgeber - darunter die Commerzbank, die HSH Nordbank oder die Deutsche Pfandbriefbank - pochen jedoch auf eine vollständige Rückzahlung. Da sich die Forderungen der genannten Investorengruppe auf gut fünf Milliarden Euro belaufen, könnten sie das Angebot platzen lassen.

Steuerzahler sollen verschont werden

Große internationale Banken haben ihre Heta-Papiere allerdings bereits deutlich wertberichtigt. Die Europäische Zentralbank hatte die betroffenen Geldhäuser angewiesen, mindestens 50 Prozent auf ihre Heta-Bonds abzuschreiben.

Da Österreich die Kosten nicht mehr allein auf die Steuerzahler abwälzen will, sollen auch die Gläubiger über einen Schuldenschnitt zur Kasse geben werden. Die österreichischen Behörden haben die Rückzahlung sämtlicher Heta-Anleihen bis zum Mai 2016 gestoppt, um Zeit für eine Einigung mit den Gläubigern zu gewinnen.

mik/Reuters



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