IEA-Studie China verdrängt die USA als größter Energieverbraucher

Mehr Kohle, mehr Öl, mehr Gas: China hat die USA im vergangenen Jahr laut Internationaler Energieagentur als größten Energieverbraucher der Welt überholt. Nur beim Pro-Kopf-Verbrauch liegen die Amerikaner noch an der Spitze. Die chinesische Regierung dementiert die Zahlen.

Ölfeld in China: 2,25 Milliarden Tonnen Rohöleinheiten verbrauchte das Land 2009
DPA

Ölfeld in China: 2,25 Milliarden Tonnen Rohöleinheiten verbrauchte das Land 2009


Peking - Mehr als hundert Jahre standen die USA an der Spitze - jetzt aber hat China den Vereinigten Staaten den Rang abgelaufen: Die Volksrepublik ist inzwischen der größte Energieverbraucher der Welt. China habe 2009 eine Energiemenge konsumiert, die 2,25 Milliarden Tonnen Öl entspreche, berichteten das "Wall Street Journal" und die "Financial Times" unter Berufung auf den Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol. Dies seien rund vier Prozent mehr als die Vereinigten Staaten (2,17 Milliarden Tonnen) verbrauchten.

Die Entwicklung scheint selbst den Chef der Energieagentur überrascht zu haben. Noch im Jahr 2000 hätten die USA dreimal so viel Energie verbraucht wie China. Jetzt habe die Volksrepublik die Vereinigten Staaten schneller als erwartet überholt, sagte Birol der "FT". Chinas Einfluss auf globale Energieverbrauchsmuster und die Nachfrage nach Brennstoffen sei damit gestiegen. Die IEA misst den Verbrauch aller Energieträger wie Rohöl, Kohle, Atomstrom, Gas, erneuerbare Energien und Wasserkraft.

Allerdings verbrauche das Land pro Einwohner noch klar weniger Energie als die Vereinigten Staaten, hieß es weiter. Gleichzeitig sei der Energieeinsatz in der Volksrepublik deutlich weniger effizient.

China weist das Ergebnis der IEA zurück. Nach Daten des chinesischen Statistikamts habe der Energieverbrauch 2009 einer Menge von 2,13 Milliarden Tonnen Öl entsprochen. Dies meldet die Nachrichtenagentur Xinhua.

Ein hochrangiger Mitarbeiter der Energiebehörden in der Volksrepublik sagte, die IEA habe ihre Zahlen nicht sehr akkurat ermittelt. Die Agentur habe relativ hohe Annahmen für den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß, sagte er. Eigene Zahlen lieferte das chinesische Amt jedoch nicht.

Auch die IEA wies laut "FT" darauf hin, dass ihre Zahlen für China nur auf vorläufiger Basis ermittelt worden seien.

yes/AFP/Reuters



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insgesamt 7 Beiträge
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Verimathrax 20.07.2010
1. tendenziös
Zitat von sysopMehr Kohle, mehr Öl, mehr Gas: China hat die USA im vergangenen Jahr als größten Energieverschwender der Welt überholt. Nur beim Pro-Kopf-Verbrauch liegen die Amerikaner noch an der Spitze. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,707409,00.html
Schon die Überschrift ist tendenziös. "...größter Energieverschwender..". Richtig wäre "größter Energieverbraucher". Das ist aber auch nicht so verwunderlich, hat doch China ca. 3 mal soviele Einwohner wie die USA. Im übrigen empfehle ich mal die Lektüre des Buches "Chinas Energiehunger: Mythos oder Realität?". Europa und die USA beklagen den Verlust von Arbeitsplätzen, weil viele Firmen ihre Produktion, z.B. nach China, verlagern. Darunter sind durchaus auch energieintensive Produktionszweige. Wir verlagern also nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch energiehungrige Fabriken nach China, und maulen dann rum das "die Chinesen" so viel Energie verbrauchen.
peterbond0815 20.07.2010
2. So ist es...
Zitat von VerimathraxSchon die Überschrift ist tendenziös. "...größter Energieverschwender..". Richtig wäre "größter Energieverbraucher". Das ist aber auch nicht so verwunderlich, hat doch China ca. 3 mal soviele Einwohner wie die USA. Im übrigen empfehle ich mal die Lektüre des Buches "Chinas Energiehunger: Mythos oder Realität?". Europa und die USA beklagen den Verlust von Arbeitsplätzen, weil viele Firmen ihre Produktion, z.B. nach China, verlagern. Darunter sind durchaus auch energieintensive Produktionszweige. Wir verlagern also nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch energiehungrige Fabriken nach China, und maulen dann rum das "die Chinesen" so viel Energie verbrauchen.
... dass hier kein Unterschied zwischen Verbrauch und Verschwendung gemacht wird ist wirklich ein Witz und einer seriösen Nachrichtenquelle nicht würdig. Allerdings wird im Text durchaus auf den Verbrauch pro Kopf hingewiesen.
Titmouse 20.07.2010
3. Bad guy and good guy
Zitat von VerimathraxSchon die Überschrift ist tendenziös. "...größter Energieverschwender..". Richtig wäre "größter Energieverbraucher". Das ist aber auch nicht so verwunderlich, hat doch China ca. 3 mal soviele Einwohner wie die USA. Im übrigen empfehle ich mal die Lektüre des Buches "Chinas Energiehunger: Mythos oder Realität?". Europa und die USA beklagen den Verlust von Arbeitsplätzen, weil viele Firmen ihre Produktion, z.B. nach China, verlagern. Darunter sind durchaus auch energieintensive Produktionszweige. Wir verlagern also nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch energiehungrige Fabriken nach China, und maulen dann rum das "die Chinesen" so viel Energie verbrauchen.
So ist es und so stimmt das Feindbild von SPON: USA = Energieverschwender, China = Energieverbraucher, selbst wenn ineffektiver. Und China wird einen Teufel tun und sich an die "CO2-Beschränkungskette" der westlichen Energieverbraucher legen lassen.
rkinfo 20.07.2010
4. CCS-Technik für China
Zitat von TitmouseSo ist es und so stimmt das Feindbild von SPON: USA = Energieverschwender, China = Energieverbraucher, selbst wenn ineffektiver. Und China wird einen Teufel tun und sich an die "CO2-Beschränkungskette" der westlichen Energieverbraucher legen lassen.
China hat längst Effizienzsteigerung als Zielwert der UN / Klimafragen übermittelt. Wobei einfach die Verfügbarkeit fossiler Energieträger an logistische Grenzen in China kommt. So wurden bereits ältere ineffiziente Kohlekraftwerke abgeschaltet um die knappen Resourcen in Neuen zu verbrennen. Und weitere mittelfristige Kohleprojekte bei Strom, Stahl und Zement läßt sich in China nur per CCS-Technik planen und einmal bauen. Während bei uns fossile Denker an die gute alter Umweltvergiftungsäre unter Adenauer bis Brandt denkt plnat man in China für die Zukunft ... also mit Klimaschutz als wichtige Priorität. Und wie der SPIEGEL-Artikel zeigt versuchen die Chinesen sogar iher CO2-Oberverschmutzer Position runter zu reden bis zu leugnen. Aber bei 10% Wachtum /a und wöchentlich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz war absehbar dass die Chinesen zum Top-Umweltsünder der Welt werden. Wobei China nicht nur CO2 als Problem hat sondern vielerorts extreme Gifte in Böden bis Gewässer einleitet. Aber todbringende Politik war schon bisher nicht dauerhaft stabil.
Diomedes 25.07.2010
5. Ein Drache reibt sich die noch schlaftrunken die Augen...
Napoleon hatte einst gewarnt, man solle China in Ruhe lassen, da die Welt erzittern würde, sollte es je erwachen – weder Europäer noch Amerikaner und vor allem nicht die Japaner haben auf diese Warnung des großen Feldherrn und Staatsmannen gehört; nun, da China langsam zu erwachen beginnt, erzittert die Welt tatsächlich. Bald wird China seine Kraft spüren, sollten die USA – durch ihren albern-kindischen Glauben an den freien Markt und den Freihandel – tatsächlich wirtschaftlich und industriell auf ähnliche Weise kollabieren wie die Sowjetunion, vor kaum zwei Jahrzehnten, so dürfte Chinas Stunde gekommen sein [auch wenn es noch 10 oder 20 Jahre dauern sollte]: Denn es hat keine ebenbürtigen Gegner mehr: Rußland befindet sich im tiefsten Niedergang, sein Staatsvolk schwindet dahin, seine Wirtschaft lebt vom Rohstoffexport und militärisch vermag es sich nur mit großer Mühe auf dem Kaukasus gegen die mohammedanischen Wahhabiten [eine Aufmerksamkeit Saudi-Arabiens] zu behaupten, das überalternde Japan – einst Chinas Nemesis und beinahe sein Henker – befindet sich im Dornröschenschlaf, aus dem es China nicht erwachsen lassen wird, und die einst so streitbaren Nationen Europas sind kraftlos und willensschwach geworden. Einzig Indien stünde China noch im Wege, doch wird sich China – anders als die USA – seinen Rivalen und Überwinder nicht auch noch selbst groß ziehen.
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