Chefwechsel beim Ifo-Institut Fuest macht Sinn

Das Münchner Ifo-Institut bekommt einen neuen Chef. Der Ökonom Clemens Fuest tritt im April kommenden Jahres die Nachfolge von Hans-Werner Sinn an. Der Neue übernimmt damit einen begehrten, aber durchaus herausfordernden Job.

Ökonom Clemens Fuest: Neue Herausforderung in München
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Ökonom Clemens Fuest: Neue Herausforderung in München


Es ist nicht nur ein Chef-, sondern auch ein Generationenwechsel. Der 67-jährige Wirtschaftsprofessor Hans-Werner Sinn gibt im kommenden Jahr die Führung des Münchner Ifo-Instituts ab. Sein Nachfolger wird der 46-jährige Ökonom Clemens Fuest, wie das Ifo-Institut nun bestätigte.

Derzeit ist Fuest Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Sein Wechsel nach München ist auf der Karriereleiter ein Schritt nach oben. Hans-Werner Sinn hat das Münchner Ifo-Institut als dessen Präsident zu einem der bekanntesten ökonomischen Forschungsinstitute in Deutschland gemacht. Der sogenannte Ifo-Index gilt als wichtigstes deutsches Konjunkturbarometer.

Sinn brachte es mit klaren und oft auch provokanten Thesen zu Bekanntheit weit über seinen Fachkreis hinaus. Er steht seit Februar 1999 an der Spitze des Ifo-Instituts und ist ein oft gesehener Talkshow-Gast. Sein Nachfolger Fuest wird eigene Akzente setzen müssen. Das Amt des Ifo-Präsidenten dürfte einer der begehrtesten, zugleich aber auch einer der herausforderndsten Posten in der deutschen Wirtschaftswissenschaft sein. Als Ifo-Präsident wird Fuest auch eine Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München erhalten.

Amtierender Ifo-Chef Sinn: Abschied nach 17 Jahren
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Amtierender Ifo-Chef Sinn: Abschied nach 17 Jahren

Fuest ist seit 2013 Chef des ZEW. Eigentlich wäre sein Vertrag dort erst Ende Februar 2018 ausgelaufen. Der 46-Jährige leitete zuvor das Zentrum für Unternehmensbesteuerung in Oxford. Er machte sich als Finanzexperte und Regierungsberater einen Namen. Auch in den Medien ist Fuest durchaus präsent. Seit 2003 gehört er dem Wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums an, erst vor Kurzem wurde er auch in die Kommission berufen, die den Mindestlohn kontrolliert. Berichten zufolge förderte Sinn früh die wissenschaftliche Karriere von Fuest.

Sinn lobte seinen Nachfolger als hervorragenden Ökonom. "Seine Weltläufigkeit wird zur Stärkung des internationalen Forschernetzwerks beitragen, das am Ifo-Institut aufgebaut wurde", sagte er.

Die Forschungsschwerpunkte des künftigen Ifo-Chefs umfassen die Bereiche internationale Steuerpolitik und Staatsfinanzen. Aktuell befasst sich Fuest unter anderem mit der Schuldenkrise in der Eurozone, internationalen Steuerfragen sowie der Bedeutung der Globalisierung.

Fuest war bereits seit Monaten als Nachfolger für Sinn im Gespräch. Dessen Amtszeit endet nach Vollendung seines 68. Lebensjahres am 31. März 2016. Laut dem "Münchner Merkur" wurde das gemeinsame Berufungsverfahren von Ifo-Institut und Ludwig-Maximilians-Universität sehr schnell abgeschlossen. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sei vorab über die Personalie informiert worden und habe bereits das Kabinett in München informiert.

mmq/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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carlo02 11.06.2015
1. Wie
ist die Nachfolge geregelt worden? Hat der Fürst seinen Nachfolger bestimmt oder gab es da andere Regularien?
Motormaul 11.06.2015
2. Um Gottes Willen
Noch ein €-GR-Jubelheini an exponierter Stelle. Damit verhärtet sich die Front der "Experten", die einen Schrecken ohne Ende wollen. Und darüberhinaus würden Arbeitnehmer/Rentner/Arbeitslose in Zukunft immer weniger bekommen, wenn es nach diesem Herrn ginge. Unerträglich.
schnitteuk 11.06.2015
3.
Zitat von carlo02ist die Nachfolge geregelt worden? Hat der Fürst seinen Nachfolger bestimmt oder gab es da andere Regularien?
Fuest wurde vom Verwaltungsrat des Instituts, das die Rechtsform eines eingetragenen Vereins hat, gewählt: http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Archiv/2015/Q2/pm-20150612-ifo.html
carlo02 11.06.2015
4. Ich
hab gerade festgestellt, dass es ein Berufungsverfahren gab. Damit hat sich meine Frage erledigt.
ratloserleser 11.06.2015
5. Etwas plötzlich
Man könnte fast vermuten, dass die Aussagen von Prof. Sinn politisch nicht gut angekommen sind, weshalb er gegangen worden ist. Erst gestern hat Prof. Sinn eine Analyse zur Taktik der griechischen Regierung gegeben, die "unserer" Regierung sicher nicht gefallen hat. Dieser Rücktritt aus heiterem Himmel ist mehr als merkwürdig und es lässt wichtige Fragen zu den Beweggründen offen.
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