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Ifo-Index: Unternehmen fürchten Einbruch der Weltwirtschaft

Von Florian Müller und

Baustelle in Berlin: Angst vor Börsenturbulenzen und erlahmender Weltwirtschaft Zur Großansicht
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Baustelle in Berlin: Angst vor Börsenturbulenzen und erlahmender Weltwirtschaft

Es wirkt paradox: Die Wirtschaft wächst, der Staat erzielt Rekordüberschüsse - und dennoch fällt Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer zum dritten Mal in Folge. Was ist da los? Die Blitzanalyse.

Die Stimmung bei Deutschlands Unternehmern ist bedrückt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex, eine monatliche Umfrage unter 7000 Firmen, ist im Februar von 107,3 auf 105,7 Punkte gefallen. Es ist bereits das dritte Mal in Folge, dass Deutschlands wichtigstes Wirtschaftsbarometer sinkt - was als Signal für eine Konjunkturabkühlung gilt.

"Die Sorgen der deutschen Wirtschaft werden größer, insbesondere in der Industrie", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Dienstagvormittag. Die Führungskräfte beurteilten vor allem die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate pessimistischer als zuletzt.

Die miese Stimmung wirkt auf den ersten Blick kaum nachvollziehbar. Gerade erst hatten Rekordmeldungen die Runde gemacht: Ein stabiles Wirtschaftswachstum und ein robuster Arbeitsmarkt hatten dem deutschen Staat 2015 den höchsten Überschuss seit der Wiedervereinigung beschert. Insgesamt lagen die Einnahmen von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen satte 19,4 Milliarden Euro im Plus.

Auch die deutsche Wirtschaft wirkt nach wie vor robust. Zum Jahresende legte sie um 0,3 Prozent zu; im Gesamtjahr 2015 waren es sogar 1,7 Prozent. Bundesregierung und Internationaler Währungsfonds (IWF) erwarten auch im laufenden Jahr ein Wachstum in der Größenordnung von 1,7 Prozent.

Experten halten die Skepsis der Unternehmer dennoch für verständlich. "Die Führungsetagen sind durch den Rückgang der Nachfrage in der Weltwirtschaft wach geworden", sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Direktbank ING-Diba, SPIEGEL ONLINE. Eine ganze Flut negativer Nachrichten würde derzeit Zukunftsängste wecken.

  • Da ist zunächst der niedrige Ölpreis, der sich negativ auf die Industrie auswirkt. Eigentlich ist billiges Öl positiv für die Produktion, weil die Energiekosten und damit die Herstellungspreise sinken. Ölexportierende Länder sind aber auch wichtige Handelspartner der deutschen Hersteller. Und die investieren wegen der Einnahmeausfälle nun weniger.
  • Fatal für die deutsche Wirtschaft sei auch die Schwäche der USA, sagt Brzeski. Zuletzt hatten sich Nachrichten über ein Ende des Wirtschaftsaufschwungs gehäuft. An den Aktienmärkten brechen die Kurse ein. Die Exporte gehen zurück, ebenso die Industrieproduktion. Die US-Notenbank Federal Reserve fürchtet zudem, dass die heimischen Konzerne nicht stark genug seien, um die vielfältigen Probleme der Weltwirtschaft wegzustecken.
  • Thomas Gitzel, Ökonom bei der VP Bank, zufolge belasten zudem die Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen die Stimmung.
  • Zudem werde die Angst vor innereuropäischen Grenzschließungen größer. "Ein Schengen-Ende wäre tatsächlich für die exportstarke deutsche Wirtschaft ein Super-Gau", sagte Gitzel.

All diese negativen Effekte würden die bisher starke Binnennachfrage in Deutschland nun überlagern, sagt Brzeski. Die deutschen Konsumenten profitierten zudem nicht in vollem Maße von den gesunkenen Energiepreisen, weil die Hersteller diese Einsparungen oft nicht weitergäben. Das beste Beispiel dafür ist die Autoindustrie: Obwohl die Hersteller dort zu niedrigeren Kosten produzieren können, werden die Fahrzeuge hierzulande nicht billiger.

Wie gedämpft die Stimmung in der deutschen Industrie und Dienstleistungsbranche mittlerweile ist, lässt sich auch am sogenannten Einkaufsmanagerindex ablesen, für den jeden Monat 1000 Einkaufsleiter und Geschäftsführer befragt werden. Signalisierte der Index Ende 2015 noch Wachstum, ist er mittlerweile auf einen Wert gefallen, der für Stagnation steht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
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1. wie neu...
telefondesinfizierer 23.02.2016
Gab es schonmal einen Moment in dem die Wirtschaft nicht gejammert hat?
2. Unternehmen fürchten Explosion der Weltwirtschaft...
theobserver01 23.02.2016
...klingt besser. Kafeesatzleser werden von Glaskugelguckern befragt, wie ihr Stuhlgang sein wird, um eine Zahl mit auf eine Kammastelle genau zu berechnen... Das ist blanker Unsinn.
3. Kein Wunder
stinkfisch1000 23.02.2016
Syrien, China, Japan, Brexit, Griechenland , flüchtlingskrise, Russland, Türkei ... Man kann die Krisenherde kaum aufzählen. Die sprudelnden Steuereinnahmen sind ein Nachlaufeffekt der vergangenen Jahre. Sie sind vor allem den absurd niedrigen Zinsen zu verdanken. Sich darüber zu freuen, würde nur zeigen, dass man unfähig ist zu begreifen, dass auch diese niedrigen Zinsen ein Krisensymptom sind. Im Moment gbt es nichts, aber auch gar nichts, was einem positive Konjunkturaussichten entlocken könnte.
4. Wen wunderts......
teddy55 23.02.2016
Natürlich, gefragt wurden 7000 Manager die zufällig auch die Lohnerhöhungen bezahlen müßten....Klar das sie jammern. Blöd das sie nicht leugnen können das sie im Moment bestens dastehen, einzige Ausrede wäre die schlechte Prognose. Einfach lächerlich
5. Hans-Werner Sinn(los)
wwweur 23.02.2016
Immer schön Ängste schüren, wen kann es ernsthaft interessieren, was irgendwelche Manager zu erahnen meinen müssen, unglaublich wie das Sinnlos-Institut mit dieser Kaffeesatz- Leserei immer noch eine Existenzberechtigung haben kann. Genauso überflüssig wie die "Wirtschaftsweisen" und wie die Scharlatane alle heißen.
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