Institut für Weltwirtschaft Ökonomen prognostizieren starke Inflation

Forscher erwarten ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Einige warnen sogar vor einer Überhitzung der Konjunktur und stark steigenden Inflationsraten: Die Verbraucherpreise dürften merklich anziehen - bis 2019 auf fast drei Prozent.

Wirtschaftswachstum erwartet: Mechaniker bei Porsche
REUTERS

Wirtschaftswachstum erwartet: Mechaniker bei Porsche


Kiel/Nürnberg - Die Wirtschaft in Deutschland wird nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Das ist aber keinesfalls nur eine gute Nachricht.

Denn mit dem Boom geht auch ein Risiko einher. Und das sei "für Deutschland derzeit besonders ausgeprägt", sagen IfW-Experten. Ein wichtiger Grund dafür ist die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Das "anhaltende Niedrigzinsumfeld" mache "die Fehlverwendung von Kapital zunehmend wahrscheinlich. So seien an den Immobilienmärkten mancherorts bereits erste Anzeichen für Übertreibungen zu erkennen.

Eine solche Überhitzung sei kein Grund zum Feiern, sondern Anlass zur Sorge. "Stabilisierungspolitisch ist ein Boom ebenso eine Zielverfehlung wie eine Rezession", sagte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. Aufgrund der starken Aufschwungkräfte werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) über mehrere Jahre hinweg stärker zulegen als das Produktionspotenzial. Erst 2019 könnte sich der BIP-Zuwachs wieder spürbar verlangsamen.

Wegen der starken Überauslastung der Kapazitäten werde sich der Preisauftrieb verstärken. Das werden voraussichtlich auch die Verbraucher zu spüren bekommen: Die Preise dürften in den kommenden Jahren merklich anziehen, sagen die IfW-Forscher voraus. Die Inflationsrate könnte sich bis 2019 der Drei-Prozent-Marke nähern.

Zudem werde die zunehmende Anspannung auf dem Arbeitsmarkt nach Meinung der Kieler Experten zu stärker steigenden Löhnen führen. Und die Unternehmen dürften versuchen, höhere Personalkosten auf die Verbraucher umzulegen.

Optimismus auf dem Arbeitsmarkt

Angesichts des robusten Wirtschaftswachstums schauen die Forscher der Bundesagentur für Arbeit mit noch mehr Optimismus auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland geht in diesem Jahr nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weiter zurück. Sie werde im Jahresdurchschnitt um rund 110.000 auf 2,79 Millionen Menschen sinken, teilte das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit am Montag in seiner Frühjahrsprognose mit.

"Auch Wirtschaftsbereiche, die vom Mindestlohn besonders betroffen sind, bauen weiterhin Beschäftigung auf", betonte IAB-Forscher Enzo Weber. Bei Minijobs werde es allerdings Rückgänge geben.

Das IAB rechnet darüber hinaus damit, dass die Zahl der Erwerbstätigen auf dem Arbeitsmarkt im Jahresverlauf um 350.000 auf 43 Millionen Menschen steigt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten erreicht demnach 2015 einen Rekordwert von 30,74 Millionen. Dieser Anstieg um 540.000 Menschen liege das sechste Jahr in Folge über dem aller Erwerbstätigen. Eine "besondere Rolle" für diese Entwicklung spiele der "beständige und deutliche Aufwärtstrend" der Teilzeitbeschäftigung, erklärten die Arbeitsmarktforscher.

bos/mik/AFP/dpa/Reuters



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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
spontanistin 23.03.2015
1. Nacharbeiten für Rentner?
Wenn das zutrifft, müssen ja für alle Rentner (nicht Pensionäre), die für's Alter (nunmehr zinslos) gespart haben, nun umgehend Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden, oder? Wer glaubt, ....
eisbaerchen 23.03.2015
2. Erst muss die Deflation
bekämpft werden, weil schädlich (obwohl gut für Verbraucher), dann macht man sich Sorgen um eine Inflation (ach ja, 3% bis 2019? Das ist doch eine ganz normale Teuerungsrate..was ist denn daran "besorgniserregend??). Entweder ich verstehe das alles nicht weil ich zu doof bin oder die Ökonomen betreiben Beschäftigungstherapie...
karlsiegfried 23.03.2015
3. Vor 4 Wochen war es noch Deflation
Schauen wir uns den Bericht in 2019 an und wir werden feststellen, kaum etwas stimmt, von der ach so tollen Prognose der Wahrsager vom dienst.
ray8 23.03.2015
4.
...und da wir Deutschen die Konjunktur nicht mehr über die Notenbank beeinflussen können, muss wenigstens der Staat jetzt die Ausgaben zurück fahren, um dann in der nächsten Krise (ja, sie wird definitiv kommen!) kraftvoll investieren zu können! Aber das Gegenteil passiert, denn antizyklisch konnte die Politik noch nie.
Moone 23.03.2015
5. Wieder die Ökonomen
Bin ich der einzige oder bekommt man immer mehr das Gefühl das Ökonomen nur besser bezahlte Hellseher sind? Keine Konjunktur dann Starke. Erst Inflation, dann oh große Gefahr Deflation, oh jetzt doch wieder Inflation? Das irgendeiner mal richtig liegt ist auch kein Wunder, wenn einfach genug Leute völlig verschiedene Vorhersagen machen irgendwann wird einer mal recht haben
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