Arbeitskampf in der Metallindustrie Industrie drohen 24-Stunden-Streiks  

Die IG Metall will erstmals Tages-Warnstreiks einsetzen. Dafür hat die Gewerkschaft zu Abstimmungen in rund 250 Betrieben aufgerufen. Arbeitgeber rechnen mit Umsatzeinbußen in dreistelliger Millionenhöhe.

IG-Metall-Fahne
DPA

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Der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich zu. Erstmals will die IG Metall ab Dienstagabend ihre neuartigen Tages-Warnstreiks einsetzen. Die Gewerkschaft hat dafür am Montag in rund 250 Betrieben Abstimmungen in Gang gesetzt. Stimmt eine einfache Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder im entsprechenden Betrieb zu, werden die Tagesstreiks begonnen, erläuterte eine IG-Metall-Sprecherin.

Die Ausstände könnten nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft (IW Köln) in der laufenden Hochkonjunktur zu millionenschweren Umsatzverlusten führen. Nehmen durchschnittlich 200 Beschäftigte pro Betrieb teil, müsse man mit rund 62 Millionen Euro Umsatzeinbußen rechnen, erklärte IW-Tarifforscher Hagen Lesch. Würden gezielt größere Betriebe bestreikt, steige der Umsatzaufall bei 100.000 Teilnehmern auf etwa 125 Millionen Euro. Weitere Auswirkungen, etwa auf Zulieferer, seien in den Zahlen noch nicht enthalten.

Zwar könnten die betroffenen Betriebe versuchen, die ausgefallene Produktion nachzuholen. Dafür seien aber teure Überstunden notwendig, die zudem schwierig zu organisieren seien. "Es entstehen Riesenschäden, weil alle Firmen in den langen Lieferketten betroffen sind", sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander.

Die Gewerkschaft verlangt für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Möglichkeiten zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollten einen Teilausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber bislang strikt ablehnen. Sie verlangen zudem, das verfügbare Arbeitsvolumen zu erhalten. "Bei der Arbeitszeit brauchen wir Flexibilität in beide Richtungen. Was durch Arbeitszeitverkürzung verloren geht, muss an anderer Stelle durch längeres Arbeiten ausgeglichen werden", sagte der Präsident von PfalzMetall, Johannes Heger.

Metall-Arbeitgeber wehren sich gegen Streiks

Der bayerische Arbeitgeberverband vbm hielt der IG Metall vor, den Streik um seiner selbst willen zu organisieren. Das hohe und abschlussfähige Angebot am vergangenen Wochenende belege den großen Einigungswillen der Arbeitgeber. Man habe bei einer Laufzeit von 27 Monaten fast sieben Prozent mehr Geld angeboten. Abgelehnt hatten die Arbeitgeber aber die aus ihrer Sicht rechtswidrige Forderung, bestimmten Beschäftigten einen Ausgleich für entgangenen Lohn zu zahlen, wenn diese ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzierten. Die IG Metall hatte am Wochenende ihrerseits die Arbeitgeber für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht.

Die Metall-Arbeitgeber wollen sich nach Gewerkschaftsangaben gegen die geplanten ganztägigen Warnstreiks der IG Metall wehren. Nach Informationen des bayerischen IG-Metall-Bezirksleiters Jürgen Wechsler sei am Montag eine Klage beim Arbeitsgericht Frankfurt eingereicht worden. "Wir vermuten, dass sie auf Schadenersatz gegen die IG Metall klagen", sagte Wechsler. Der Gewerkschafter verurteilte das Vorgehen. "Das ist ein Armutszeugnis. Wir fordern die Arbeitgeber auf, diesen Unsinn zu lassen."

hej/dpa/Reuters



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Ezechiel 29.01.2018
1. Streiks ...
sind das einzige Mittel, um an faire Löhne und Gehälter für Arbeiter und Angestellte zu kommen. Freiwillig rücken die Arbeitsgeber nichts raus. Wenn es nach denen ginge, hätten wir heute noch die Löhne von 1953 nur umgerechnet in EURO.
komatzu 29.01.2018
2. lieber Arbeitgeberverband
wie armselig ist das denn zu klagen. wenn es nach euch ginge hätte man auch nicht für mehr Urlaub oder weniger Arbeitsstunden streiken dürfen und wir müssten immer noch 48 Stunden die Woche auch samstags und mit nur 10 Tagen jahresurlaub arbeiten.
bella-1956 29.01.2018
3. Streiks müssen weh tun....
.....sonst sind sie wirkungslos. Wenn die Arbeigeber teure Produktionsausfälle scheuen, sollen sie doch die Forderungen der IG Metall erfülllen. Viel zu lange herrschte Lohnzurückhaltung in diesem Lande. Genutzt hat das nur den oberen Zehntausend. Die Reichen wurden immer reicher und die Armen immer ärmen. Es wird Zeit den Klassenkampf von oben mit den Klassenkampf von unten zu beantworten.
fiegepilz 29.01.2018
4.
Sehr gut. Anders verstehen Arbeitgeber es nicht. Nicht nachgelassen!
celebraler_kortex 29.01.2018
5. Metaller sind ohnehin überbezahlt
Der Lohnabstand zwischen Metallern und den restlichen Arbeitstätigen und Tarifgemeinschaften unserer Volkswirtschaft sind ohnehin schon zu groß und wachsen ständig weiter. Wenn schon ständig mehr Lohngerechtigkeit gefordert wird, sollte da mal angesetzt werden. Und jetzt bitte kein üblichen Hinweise auf die Produktivität. Die ist zum einen in anderen Bereichen nicht anwendbar, zum anderen auf Maschineneinsatz zurückzuführen. Eines Tages gibt es nur noch 12 Monteure bei VW und jeder verlangt 20 Millionen.
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