Arbeitskampf IG Metall beginnt mit 24-Stunden-Streiks

Die IG Metall hat erstmals zu Tages-Warnstreiks aufgerufen, in einzelnen Betrieben ruht die Arbeit schon. Ein Arbeitgeberverband hat dagegen schon eine Klage angekündigt.

Streikende Geberit-Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen
DPA

Streikende Geberit-Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen


Mit Beginn der Nachtschicht hat die IG Metall mit ganztägigen Warnstreiks begonnen. In mehreren Bundesländern, darunter Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bremen, sind einzelne Betriebe bestreikt worden. Die Arbeit soll nun 24 Stunden ruhen. Die Gewerkschaft ging vor Beginn der Streiks davon aus, dass sich bis zu 500.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in bundesweit mehr als 250 Betrieben an dem Arbeitskampf beteiligen werden.

Gegen die neuartigen Tageswarnstreiks, die erstmals von der IG Metall eingesetzt werden, will der Arbeitgeberverband Nordmetall am Mittwoch Klage einreichen. Das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main, wo sich die Gewerkschaftszentrale befindet, soll nach dem Wunsch der Arbeitgeber die Rechtswidrigkeit der 24-Stunden-Warnstreiks feststellen. Die Präsidenten der regionalen Arbeitgeberverbände wollen sich am Mittwochmorgen treffen, um zu entscheiden, ob sie sich der Klage von Nordmetall anschließen.

Nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft (IW Köln) könnten die Streiks zu millionenschweren Umsatzverlusten führen. Nehmen durchschnittlich 200 Beschäftigte pro Betrieb teil, müsse man mit rund 62 Millionen Euro Umsatzeinbußen rechnen, sagte IW-Tarifforscher Hagen Lesch. Würden gezielt größere Betriebe bestreikt, steige der Umsatzausfall bei 100.000 Teilnehmern auf etwa 125 Millionen Euro. Weitere Auswirkungen, etwa auf Zulieferer, seien in den Zahlen noch nicht enthalten.

Die IG Metall verlangt für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Möglichkeiten zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollten einen Teilausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber bislang strikt ablehnen. Sie verlangen zudem, das verfügbare Arbeitsvolumen zu erhalten. Am Wochenende waren die Gespräche zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern erneut gescheitert. Daraufhin rief die IG Metall zu den 24-Stunden-Warnstreiks auf.

max/dpa/AFP



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Miere 31.01.2018
1. Die wollen halt ihre Jobs gern in China sehen.
Ich streike ja auch immer gern dafür, durch billigere Konkurrenz ersetzt zu werden. Ernsthaft: Mit globalisierten Märkten läuft das so nicht. Die IG Metall hat keine Verhandlungsbasis, wenn Betriebe ihre Produktion ins Ausland verlagern können oder wenn billige Konkurrenzprodukte importiert werden können. Da muss man in die Politik gehen oder in die Chefetagen und Aufsichtsräte der Unternehmen. Streiks sind leider der falsche Weg.
!!!Fovea!!! 31.01.2018
2. Die Gewerkschaften als Papiertiger,
jahrelang die Fußmatte der Politik gespielt, sich Angst machen lassen mit Verlegung von Arbeitsplätzen ins Ausland und Lohnzurückhaltung. Woher kommt denn das Kämpferische auf einmal? Davon, dass die Mitglieder aussteigen aus den maulvollen Sprüchen der Gewerkschaftler? Seitdem Betriebsräte (Hr. Hartz) den Betriebsrat bei VW "kaufte" und viele Gewerkschaftsbosse vor der Politik in gebückter Haltung herumlaufen, sind mir diese Schreihälse zuwider. Was wird denn herauskommen: 2,5-3% mehr Lohn mit einer X-Laufzeit. Mehr nicht. Also Inflationsausgleich, wie immer.
peterpan2200 31.01.2018
3. Wie immer das selbe
die Gewerkschaften sind seit Schröder ein Auslaufmodell. Viel zu teuer für den Arbeitnehmer und ohne Biss wenn es darauf an kommt.
Scotty17 31.01.2018
4. "Für mich nicht"
Wofür kämpft die IG Metall ? Neben Inhalten vor allem "für mich nicht ". Die Ziele die durch den Streik erzwungen werden sollen halt ich für falsch. Warum soll ich eine Gewerkschaft unterstützen, geschweige denn Mitglied werden, die meine Interessen nicht vertritt ? Arbeitszeit bei Bedarf reduzieren geht problemlos bis zu 15h pro Woche, warum soll der Arbeitgeber das auch noch durch Geld unterstützen ? Flexible Arbeitszeit und Ort wird von den Gewrkschaften/Betriebsrat abgelehnt, für mich nicht nachvollziehbar. Sollten wir morgen ausgesperrt werden trifft das mich viel mehr als meinen Arbeitgeber, wie gesagt Gewerkschaften insbesondere IG Metall streiken nicht für mich, sondern gegen mich.
ael-184 31.01.2018
5. Weltfremd
Für mich ist die IG Metall völlig weltfremd. Haben sie ihre Mitglieder eigentlich mal befragt ob sie eine Arbeitszeitverkürzung wollen? Mehr Geld ja, dass wird ja nach den Jahren der ewigen Gewinnsteigerungen auch Zeit und dieses würden sie auch durchbekommen. Aber eine Verkürzung der Arbeitszeit, wenn auch nur temporär und dann noch mit einem Lohnausgleich- das passt nicht !! Dies bringt die Arbeitgeber noch mehr dazu weitere Arbeitsplätze in Richtung Asien zu verlagern. Also Jungs bleibt realistisch und sorgt dafür das es mehr Geld im Säckerl gibt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.