Gute Gewinne IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn

In der Metallbranche stehen harte Tarifverhandlungen bevor: Die IG Metall will fünf Prozent mehr Lohn.

IG-Metall-Anhänger in Hamburg: Gewerkschaft sieht stabile Auftragslage
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IG-Metall-Anhänger in Hamburg: Gewerkschaft sieht stabile Auftragslage


Die IG Metall sieht die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche in guter Verfassung und will deshalb ein ordentliches Lohnplus für die Tarifbeschäftigten herausschlagen. Sowohl im Pilotbezirk Baden-Württemberg als auch in Niedersachsen und im Bezirk Küste strebt die Gewerkschaft eine Lohnforderung von fünf Prozent an.

Bundesweit arbeiten rund 3,8 Millionen Menschen in der Metall- und Elektrobranche. Die aktuelle Forderung von fünf Prozent begründet Deutschlands mitgliederstärkste Gewerkschaft mit der guten aktuellen Lage. In der vergangenen Tarifrunde hatte die IG Metall 5,5 Prozent mehr Lohn gefordert. Am Ende einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf ein Plus von 3,4 Prozent für die Laufzeit von zwei Jahren.

Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine sagte, die stabile Auftragslage der Betriebe in seinem Bezirk sei eine solide Basis für höhere Löhne. Die "unbestreitbaren Herausforderungen" für viele Unternehmen seien in die Diskussion über die Forderung eingeflossen. Für ein Umschalten auf Krisenmodus gebe es jedoch keinen Anlass.

Die Arbeitgeber hielten dagegen, angesichts der weltweit unsicheren Konjunktur sei das geforderte Lohnplus zu hoch. Die Unternehmen dürften nicht überfordert werden. Niedersachsen-Metall warnte die Gewerkschaft, nicht zu überziehen: "Wir haben deutliche Warnungen aus den Reihen unserer Mitgliedsunternehmen vor einem erneut zu hohen Abschluss", erklärte Verbandschef Volker Schmidt.

Ökonomen halten Fünf-Prozent-Forderung für überzogen

Auch Volkswirte verwiesen auf Risiken für die Konjunktur. Gerade für die exportabhängigen Auto- und Maschinenbauer, bei denen die IG Metall stark vertreten ist, sei der Ausblick durchwachsen. "Wichtige Märkte wie China straucheln, ebenso andere Schwellenländer und Ölstaaten", sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Er hält einen Abschluss von etwa 2,5 Prozent für gerechtfertigt. "Da bleibt den Arbeitnehmern auch real mehr Geld in der Tasche, denn die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr wegen der niedrigen Ölpreise unter der Ein-Prozent-Marke liegen."

Volkswirt Marco Bargel von der Postbank sieht Spielraum für Lohnerhöhungen von bis zu drei Prozent. Die von der IG Metall in den Raum gestellten fünf Prozent seien definitiv zu viel. "Die Situation in der Industrie läuft nicht ganz rund", sagte Bargel. Hohe Lohnabschlüsse wie in den Vorjahren wären nicht gerechtfertigt.

Am Dienstag will der IG-Metall-Vorstand über die Forderungen der Bezirke beraten und anschließend eine Empfehlung abgeben. Endgültig beschlossen werden soll die Forderung nach erneuten Beratungen in den Regionen am 29. Februar. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern sollen Mitte März beginnen.

mmq/Reuters/dpa

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