Neue Vizechefin Benner IG Metall wählt erstmals Frau in die Spitze

Zum ersten Mal seit Gründung der IG Metall führt eine Frau die Gewerkschaft mit. Christiane Benner wurde mit großer Mehrheit zur Vizechefin gekürt - und könnte in vier Jahren den Chefposten übernehmen.

Neues IG-Metall-Führungsduo Hofmann und Benner: Erste Frau an der Spitze
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Neues IG-Metall-Führungsduo Hofmann und Benner: Erste Frau an der Spitze


Die IG Metall ist traditionell eine Gewerkschaft für typische Männerberufe. Nun haben die Delegierten den Weg für eine Frau an der Spitze freigemacht. Gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden Jörg Hofmann führt künftig Christiane Benner Deutschlands größte Gewerkschaft. Die 47 Jahre alte Soziologin wurde zur zweiten Vorsitzenden gewählt - und fuhr dabei sogar ein besseres Ergebnis ein als Hofmann. "Ich bin stolz, als erste Frau an der Spitze der IG Metall stehen zu können", sagte Benner.

Unter den Delegierten des Gewerkschaftstages sind rund 28 Prozent Frauen, insgesamt sind nur 18 Prozent der Mitglieder weiblich. Benner erhielt bei ihrer Wahl 91,9 Prozent. Hofmann kam auf 91,3 Prozent der abgegebenen Stimmen. Mit ihrer Wahl zur Vizechefin hat Benner gute Aussichten, in vier Jahren ganz vorne an die Spitze der 1949 gegründeten IG Metall zu rücken. Denn nach der üblichen Abfolge hat sie als zweite Vorsitzende große Chancen, in vier Jahren auf dem nächsten ordentlichen Gewerkschaftstag den dann 63-jährigen Hofmann zu beerben.

Bislang führte Detlef Wetzel die IG-Metall. Der 62-Jährige wollte aus Altersgründen nicht mehr antreten.

Benner ist seit 2011 im Vorstand und bisher verantwortlich für Interessenpolitik für Frauen und Jugendliche. Sie hat zudem zukunftsträchtige Themen wie die Digitalisierung bearbeitet und zu Erfolgen der Gewerkschaft bei der Mitgliedergewinnung unter Akademikern maßgeblich beigetragen.

Hofmann soll Aufsichtsrat bei VW werden

Der neue Gewerkschaftschef Hofmann will am Mittwoch eine Grundsatzrede halten, wenn auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den Delegierten der mit knapp 2,3 Millionen Mitgliedern größten freien Einzelgewerkschaft sprechen wird.

Hofmann ist ein versierter Tarifexperte. Als Verhandlungsführer des Bezirks Baden-Württemberg, in dem häufig der Pilotabschluss erzielt wird, brachte er wichtige Vereinbarungen unter Dach und Fach. So handelte er in der Wirtschaftskrise 2008 mit den Arbeitgebern Bedingungen aus, durch die ein massiver Arbeitsplatzabbau verhindert wurde. Vor zwei Jahren wechselte er aus Stuttgart in die Zentrale nach Frankfurt, wo er als zweiter Vorsitzender für die Tarifpolitik verantwortlich war. Diese Zuständigkeit wird er voraussichtlich behalten und nicht an Benner abgeben.

Mit seiner Wahl zum IG-Metall-Chef dürfte Hofmann bald auch einen weiteren herausfordernden Job bekommen. Er soll bei Volkswagen den Aufsichtsratsposten des früheren IG-Metall-Chefs Berthold Huber übernehmen. Die durch die Abgasaffäre ausgelöste Krise bei Europas größtem Autokonzern dürfte zu einer der größten Baustellen Hofmanns werden. In keinem anderen Industrieunternehmen ist die IG Metall so einflussreich wie bei VW.

In den kommenden vier Jahren will sich Hofmann als neuer IG-Metall-Chef zudem besonders um die digitale Zukunft der Industrieproduktion und den Kampf gegen prekäre Beschäftigung kümmern.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 14 Beiträge
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INGXXL 20.10.2015
1. Eine Soziologin
an der Spitze der IGM irgendwie passt das nicht. Eine Ingenieurin wäre meiner Meinung nach besser
Nordstadtbewohner 20.10.2015
2. Mal Frau Benners Lebenslauf googeln.
Frau Benner absolvierte die typische Funktionärslaufbahn bei der IGM. Wirtschaftlichen und fachlichen Sachverstand hat diese Frau nicht vorzuweisen. Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen aus der Tarifgemeinschaft aussteigen und Löhne und Gehälter lieber mit den Beschäftigten selbst aushandeln.
unixv 20.10.2015
3. Gewerkschaften? die gibt es noch?
sind das nicht jene, die mit der SPD zusammen das Arbeiterverräter Programm H4 ausgearbeitet haben? Sind das nicht jene, die alles was von SPD/CDU kommt für gut heißen? Sind das nicht jene, die keiner " außer vielleicht in Großkonzernen, siehe VW ;-)!" mehr braucht, wie die SPD?
ronniii 20.10.2015
4. Kompromissfähig
Frauen sollen ja ausgleichender und kompromissfähiger sein. Das wird die Arbeitgeber ja sicherlich freuen.
quark2@mailinator.com 20.10.2015
5.
Wie lange noch dieses unsinnige "erstmals hat eine Frau" ? Für die Menschheit relevant wäre es, wenn sie mal was machten, was noch niemand vorher tat. Ist mir doch egal, welches Geschlecht ein Gewerkschaftsführer hat, wenn er nur gut arbeitet.
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