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Vorschläge für den Arbeitsmarkt: IG Metall will Flüchtlinge mit kräftigen Lohnzuschüssen integrieren

Schülerin in Metallwerkstatt: Schnelle Qualifizierung für Flüchtlinge Zur Großansicht
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Schülerin in Metallwerkstatt: Schnelle Qualifizierung für Flüchtlinge

Die Gewerkschaft IG Metall will Flüchtlinge mit einem subventionierten Integrationsjahr in neue Jobs bringen. Die Bundesagentur für Arbeit soll dabei einen großen Teil des Lohns übernehmen.

Das klingt nach einem Schnäppchen für Arbeitgeber: Um Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sollen Firmen hohe Zuschüsse erhalten, wenn sie diese Menschen einstellen. Das schlägt zumindest die Industriegewerkschaft IG Metall vor.

Ein betriebliches Integrationsjahr solle von der Bundesagentur für Arbeit (BA) gefördert werden und bereits vorhandene Programme ergänzen, erläuterte der Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann. Bisher gibt es zum Beispiel Eingliederungszuschüsse von bis zu 50 Prozent des Lohns für den Arbeitgeber.

Die IG Metall hatte schon in der Vergangenheit immer wieder Vorschläge zur Arbeitsmarkt- und Konjunkturpolitik gemacht - oft sogar mit Erfolg. So gingen etwa die Abwrackprämie für Autos und die Ausweitung des Kurzarbeitergeldes, mit denen Deutschland relativ glimpflich durch die schwere Rezession des Jahres 2009 kam, auf Vorstöße der Gewerkschaft zurück.

Andrang der Flüchtlinge "gut zu verarbeiten"

Hofmann betonte, beim neuen Vorschlag des Integrationsjahrs solle jede Spaltung des Arbeitsmarktes vermieden werden. "Wir wollen keine Lohnkonkurrenz zu anderen Arbeitsuchenden." Daher sollten tarifliche Entgelte gezahlt werden.

Angesichts 2,1 Millionen offener Stellen und etwa 380.000 erwerbsfähigen Flüchtlingen, die im vorigen Jahr in Deutschland angekommen seien, "sprechen wir von Zahlen, die der Arbeitsmarkt sehr wohl verarbeiten kann - gute Qualifizierung vorausgesetzt", sagte Hofmann.

Das Modell soll neben einem Arbeitsplatz auch Integrations- und Sprachkurse für Flüchtlinge umfassen. Qualifizierung und Job könnten "betriebsnah kombiniert" werden. Denkbar sei eine Vier-Tage-Woche mit reduziertem Entgeltanspruch: vier Tage bezahlte Arbeit und ein Tag Sprachkurs.

Das größte Potenzial für sein Modell sieht Hofmann beim Handwerk. Vorgespräche mit Handwerksverbänden, Arbeitgebern und BA seien bereits geführt, nun gehe es an die Details. "Wer über Fachkräftemangel klagt, muss jetzt handeln", hieß es in einem IG-Metall-Papier. Deutschland habe 420.000 Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten. "Wenn jeder dieser Betriebe nur einen zusätzlichen Integrationsplatz zur Verfügung stellen würde", gehe die Rechnung schon auf.

stk/dpa

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