Euro-Krise: Forscher warnen vor drastischem Anstieg der Arbeitslosigkeit

In der Euro-Zone könnte es schon bald 22 Millionen Erwerbslose geben - das wären 4,5 Millionen mehr als derzeit. Davor warnt die Internationale Arbeitsorganisation ILO. Der Rat der Forscher: staatliche Programme gegen die Job-Not statt Steuergeld für Banken.

Arbeitsamt im spanischen Premia de Mar: Zahl der Arbeitslosen droht weiter zu steigen Zur Großansicht
REUTERS

Arbeitsamt im spanischen Premia de Mar: Zahl der Arbeitslosen droht weiter zu steigen

Genf - Experten warnen vor einer massiven Zunahme der Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone. Ohne politische und wirtschaftliche Gegenmaßnahmen drohen in den kommenden vier Jahren weitere 4,5 Millionen Jobs verloren zu gehen, heißt es in einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die Zahl der Arbeitslosen in den 17 Staaten der Euro-Zone würde dadurch von derzeit insgesamt 17,4 Millionen auf rund 22 Millionen anwachsen.

Ohne Investitionen werde sich die Wirtschaftskrise verschärfen und als Folge werde sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verschlechtern, warnte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Nötig sei ein Konsens darüber, dass Wachstum und Globalisierung viel stärker auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgerichtet werden müssten.

Die Gefahr steige nicht nur für Krisenländer wie Spanien und Griechenland. Auch in Deutschland, Belgien und Österreich gibt es laut ILO "Anzeichen dafür, dass sich die Arbeitsmarktsituation nicht mehr verbessert". Insgesamt habe die Arbeitslosigkeit seit 2010 in mehr als der Hälfte der Euro-Länder zugenommen.

"Die Folgen einer längeren Rezession wären besonders schlimm für junge Arbeitsuchende", heißt es in der ILO-Studie. Bereits jetzt seien mehr als drei Millionen der Arbeitslosen in der Euro-Zone junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Insgesamt sei mehr als ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung entweder arbeitslos oder vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. "Und die Langzeitarbeitslosigkeit nimmt immer mehr zu."

Job-Krise gefährdet Zukunft des Euro

Laut ILO haben viele Unternehmen ihre Beschäftigten derzeit noch nicht entlassen - in der Hoffnung auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. Wenn diese Erwartungen sich nicht erfüllen, könnte sie ihre Strategie jedoch rasch ändern, was zu "bedeutenden Jobverlusten" führen würde. Für die ILO deuten alle Anzeichen auf eine langandauernde Arbeitsmarktkrise hin. Das bedrohe die Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaftswährung.

Als Gegenmaßnahme empfiehlt die Organisation, mehr Trainings- und Ausbildungsprogramme für Jugendliche zu schaffen. Außerdem sollten verstärkt Kredite an kleine und mittelständische Firmen vergeben werden, da diese Unternehmen vorwiegend Jobs schaffen. Zugleich plädieren die Autoren der Studie dafür, bei Rettungsaktionen für Banken und Unternehmen die Aktionäre zur Kasse zu bitten, statt Steuergelder zu verwenden. Der Staat solle sein Geld lieber für Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen einsetzen.

cte/dpa

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