Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation Uno-Experten warnen vor Rückschritten bei Gleichstellung

Allen Appellen zum Trotz: Frauen sind laut Internationaler Arbeitsorganisation immer noch deutlich schlechter bezahlt und häufiger arbeitslos als Männer. Selbst bescheidene Erfolge seien gefährdet.

Demonstrantin am Internationalen Frauentag 2017 in Miami
AFP

Demonstrantin am Internationalen Frauentag 2017 in Miami


Kurz vor dem Weltfrauentag sieht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) die Gefahr von Rückschritten bei der Gleichstellung. "Der Fortschritt beim Schließen von Geschlechterlücken stockt und kehrt sich in manchen Fällen um", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Mit Bezug auf wichtige Arbeitsmarkt-Indikatoren habe es in den vergangenen 20 Jahren keinerlei nennenswerte Verbesserungen gegeben, so die ILO-Experten. "Das sollte Anlass für Besorgnis sein." Falls die Politik nicht umsteuere, sei eine weitere Verschlechterung der Lage wahrscheinlich. Am Freitag ist der internationale Frauentag, an dem weltweit auf die Benachteiligung von Frauen aufmerksam gemacht werden soll.

Die Ungleichheit lässt sich dem Bericht zufolge "in keiner Region oder Einkommensgruppe" auf mangelndes Interesse von Frauen schieben. Weltweit wollten 69,8 Prozent der befragten Frauen lieber eine bezahlte Arbeit. 66,5 Prozent der Männer unterstützten dies.

Dennoch hatten 2018 nur 45,3 Prozent der Frauen einen bezahlten Job - ein Unterschied von fast 25 Prozentpunkten zu den Männern. Über die vergangenen 27 Jahre habe sich dieser Abstand um gerade einmal zwei Prozentpunkte verringert. Auch der sogenannte Gender Pay Gap - also Unterschiede in der Bezahlung - bleibt mit weltweit 18,8 Prozent groß.

Bildung ist laut ILO ein Faktor für Gleichberechtigung, dürfte allein jedoch kaum die Geschlechterlücke schließen. So seien heute 41,5 Prozent der Frauen mit einem Universitätsabschluss arbeitslos oder in einem unbezahlten Job, aber nur 17,2 Prozent der Männer mit demselben Qualifikationsniveau.

Hauptgrund für die Unterschiede bei der Erwerbsbeteiligung ist dem Bericht zufolge, dass Frauen viel häufiger unbezahlte Hausarbeit und die Pflege von Kindern oder anderen Angehörigen übernehmen. Weltweit leisten demnach 637 Millionen Frauen in Vollzeit solche Arbeit, aber nur 41 Millionen Männer.

Der Zeitaufwand von Frauen für unbezahlte Arbeit hat sich laut ILO zwischen 1997 und 2012 um 15 Minuten täglich verringert, der von Männern im selben Zeitraum jedoch nur um 8 Minuten erhöht. Bliebe es bei diesem Tempo, wäre der Zeitaufwand erst im Jahr 2228 gleich - also in 209 Jahren.

dab



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Freund_Fettsack 07.03.2019
1. Also, ich find auch, ...
..., dass Frauen keine unbezahlte Arbeit mehr machen sollten. Kinder großziehen, pah! Die eigene Karriere und die eigenen Ellenbogen sind da doch viel wichtiger. Frauen, macht Karriere, werdet wie die Männer! Verliert Eure Weiblichkeit, die Euch in einigen Belangen den Männern überlegen macht, sorgt Euch um Eure Karriere, und verliert dann Anfang 50 die Lust am Leben, erleidet einen Burn-Out, weil Ihr dann vielleicht endlich einmal feststellen werdet, dass es so viel Wichtigeres als Karriere gibt und ihr ein Leben führt, das nicht zu Euch passt...
ilind 08.03.2019
2.
Es geht keineswegs darum, dass Frauen keiner unbezahlten Arbeit mehr nachgehen sollen sondern darum, diese unbezahlte Arbeit gerechter zu verteilen. Es geht auch nicht darum, dass Frauen "so werden wie Männer" sondern darum, dass sie die gleichen Chancen bekommen. Wenn sich fast 70% der befragten Frauen wünschen, einer bezahlten Arbeit nachzugehen und es nur knapp 40% können, dann stimmt das nicht mit meinem Empfinden für Gerechtigkeit überein. Jeder sollte die Möglichkeit bekommen, den Lebensweg einzuschlagen, den er oder sie für richtig hält. Das hat nichts mit Karriere oder Ellenbogen zu tun sondern mit Selbstverwirklichung. Auch wenn sich das nicht jede(r) vorstellen kann: es macht nicht alle Menschen gleichermaßen glücklich, sich um Kinder, Angehörige und Haushalt zu kümmern.
so-long 08.03.2019
3. 41,5% mit Uniabschluss
seien arbeitslos: ohne nähere Info eine wertlose Zahl. Welche Fachrichtung haben diese Absschlüsse? Besteht da überhaupt eine Nachfrage? Vermutlich sind wenige MINT-Fächer dabei. Dafür sind aber die Frauen ausnahmsweise selber verantwortlich. Da findet man keinen anderen Schuldigen.
kfp 08.03.2019
4.
Zitat von Freund_Fettsack..., dass Frauen keine unbezahlte Arbeit mehr machen sollten. Kinder großziehen, pah! Die eigene Karriere und die eigenen Ellenbogen sind da doch viel wichtiger. Frauen, macht Karriere, werdet wie die Männer! Verliert Eure Weiblichkeit, die Euch in einigen Belangen den Männern überlegen macht, sorgt Euch um Eure Karriere, und verliert dann Anfang 50 die Lust am Leben, erleidet einen Burn-Out, weil Ihr dann vielleicht endlich einmal feststellen werdet, dass es so viel Wichtigeres als Karriere gibt und ihr ein Leben führt, das nicht zu Euch passt...
Ach ja, zu Frauen passt es eben, den ganzen Tag kostenlos hinter der Familie herzuschrubben, um dann Anfang 50, wenn die Kinder halbwegs selbständig und die Jugendlichen "Weiblichkeit" verschrumpelt sind, ohne Job, Hobbies, nennenswerte soziale Kontakte usw. dazustehen und zu hoffen, dass ihr Mann sich nicht gerade nach was "Frischerem" umschaut.
kfp 08.03.2019
5.
Zitat von so-longseien arbeitslos: ohne nähere Info eine wertlose Zahl. Welche Fachrichtung haben diese Absschlüsse? Besteht da überhaupt eine Nachfrage? Vermutlich sind wenige MINT-Fächer dabei. Dafür sind aber die Frauen ausnahmsweise selber verantwortlich. Da findet man keinen anderen Schuldigen.
Nicht "arbeitslos" - dafür müsste Frau ja Zeit haben, auf Stellensuche zu gehen und die Tätigkeit auch anzutreten. "Ohne Zeit für eine bezahlte Tätigkeit" trifft es eher. Und das trifft MINTlerinnen genauso. Da ist es teils sogar schlimmer, weil es kaum Teilzeitstellen gibt und man für eine Stelle im Fachgebiet oft woanders hinziehen müsste (statt von der Praxis Dr. Müller zur Praxis Dr. Schmidt drei Straßen weiter zu wechseln), und das geht mit Familie selten...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.