Euro-Krise: Forschungsinstitut fordert kräftige Lohnsteigerung

Die Rufe nach starken Lohnerhöhungen in Deutschland werden immer lauter. Nach dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger fordert nun auch das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut IMK Zuwächse von mehr als vier Prozent. So sollen unter anderem die Exportchancen kriselnder Euro-Staaten verbessert werden.

IMK-Chef Horn: Höhere Löhne wären kein Opfer Zur Großansicht
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IMK-Chef Horn: Höhere Löhne wären kein Opfer

Berlin - Deutschland soll mit starken Lohnerhöhungen helfen, die Euro-Krise zu lösen. Das fordert zumindest das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsforschungsinstitut IMK. Die Löhne müssten hierzulande demnach deutlich stärker steigen als im Rest des Euro-Raums.

"Aus Gründen der europäischen und der deutschen Stabilität dürften es in den nächsten zwei, drei Jahren vier Prozent oder vielleicht sogar etwas mehr sein", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Dies sei ein Beitrag zur Stabilisierung der Euro-Zone und "kein Opfer". Denn höhere Einkommen würden die Binnennachfrage ankurbeln. Zudem würden die deutschen Importe steigen - und so die Exportchancen der Krisenstaaten verbessern, sagte Horn.

Am Wochenende hatte sich bereits der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für kräftige Lohnsteigerungen ausgesprochen. "Fünf Prozent Plus über alle Branchen hinweg sollten es schon sein", hatte der Professor dem SPIEGEL mit Blick auf die anstehende Tarifrunde gesagt. Bereits im Dezember hatte sich der Chef des Berliner Forschungsinstituts DIW für ähnlich starke Lohnsteigerungen ausgesprochen.

Die Experten des IMK verstärken nun diese Forderungen. Langfristig sieht das Institut Spielraum für Lohnerhöhungen um etwa drei Prozent über alle Branchen hinweg. Doch auch ein noch stärkeres Plus in den nächsten Jahren würde der guten Wettbewerbsfähigkeit laut Horn kaum schaden, auch wenn man den "einen oder anderen Exportauftrag von außerhalb der Euro-Zone" verliere. Die Unternehmen müssten ihre Gewinnmargen eben etwas eindampfen.

Ganz anders sehen das naturgemäß die Vertreter der Wirtschaft. So warnt etwa der neue Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, vor stark steigenden Einkommen. "Wir haben in den letzten Jahren eine hervorragende Wettbewerbsposition in Deutschland erarbeitet." Gerade die lange moderate Lohnentwicklung habe die Firmen fitter für den internationalen Konkurrenzkampf gemacht. "Wir müssen aufpassen, dass wir diese Position nicht riskieren."

stk/Reuters

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insgesamt 24 Beiträge
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1. 4% sind lächerlich?
butlerking 07.01.2013
Ich kenne sehr viele Leute die in den letzten 10 Jahren gar keine prozentuale Lohnsteigerung erhalten haben. Ledidiglich ein paar winzige einmalzahlungen die dann auch noch im eigenen Betrieb ausgegeben werden müssten. Ich fordere 20%. Punkt aus.
2.
muellerthomas 07.01.2013
Zitat von sysopDie einzelnen Volkswirtschaften innerhalb dieser Währungszone sind einfach zu verschieden, unterschiedliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten führen automatisch zu diesen ökonomischen Ungleichgewichten.
Beim zweiten Teil des Satzes sind wir einer Meinung. Aber weshalb sollten sich unterschiedliche Volkswirtschaft per se auseinanderentwickeln hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit? Früher ha tder Wechselkursmechanismus einen Teil dieser Anpassung getragen, nun muss das eben anders erfolgen. Gegen Ende der 90er Jahre und kurznach der Euroeinführung waren die Ungleichgewichte minimal, erst dann begann die Auseinanderentwicklung. Hat man das Problem jedoch erst einmal erkannt, könnte man auch gegensteuern. ---Zitat--- Zudem sind Entgeltanpassungen in den unteren Einkommensschichten kaum ökonomisch und politisch durchzusetzen, ---Zitatende--- Das mag sein, aber ist nicht das ein Grundproblem, welches man angehen sollte?
3.
sondevida 07.01.2013
Steht das fuer Hartz4 Aufstockung und Suppenkuechen fuer vollbeschaeftigte Geringverdiener?
4. Euro-Krise
eks2040 07.01.2013
Die soziale Marktwirtschaft war bislang fuer den Binnenmarkt gedacht, jetzt soll die Umverteilung der wirtschaftlichen Kraefte auf Europa/Euro-Laender ausgedehnt werden. Ueber Jahre wurde die Konkurrenzsituation in Deutschland verbessert, und Lohnkosten wurden durch geringere Zuwachsraten gedrueckt. Im "Ausland" wurde dagegen mit hohen Loehnen gearbeitet. Wirtschaftliche Vorteile, die wir uns erkauft haben, sollen jetzt durch eine neue Art der Umverteilung zu einem Abbau der Vorteile fuehren. Angeblich sind wir zu konkurrenzfaehig und muessen dafuer bestraft werden. Konkurrenz ist halt nicht gewuenscht. Die Politiker schaffen es schon, sie machen alles platt. Das soll fuer Europa gelten. Doch machen andere internationale Konkurrenten das auch, oder duerfen diese ihre Vorteile weiter ausbauen. Kein Wunder, dass Europa lahmt. Warum soll Deutschland fuer alles zahlen?? Karl
5. Weltwirtschaftskrise
spiegelprisma 07.01.2013
Zitat von sysopDie Rufe nach starken Lohnerhöhungen in Deutschland werden immer lauter. Nach dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger fordert nun auch das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut IMK Zuwächse von mehr als vier Prozent. So sollen unter anderem die Exportchancen kriselnder Euro-Staaten verbessert werden. IMK: Forscher fordern höhere Löhne - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/imk-forscher-fordern-hoehere-loehne-a-876186.html)
Die haben etwas nicht bemerkt. Die Welt befindet sich in einer großen Weltwirtschaftskrise, in Zeiten von Krisen müssen Löhne zurück stecken. Das jedenfalls haben uns selbst die Gewerkschaften Jahre über Jahre beigebracht. Für Lohnerhöhungen streiken? Auf keinen Fall. Fachkräfte erhalten bestes Gehalt, wenn sie den Arbeitgeber suchen, der dieses bezahlt. Ggf. ist dies eben auch nur außerhalb Deutschlands zu erzielen. Deutschland dagegen befindet sich im globalen Wettbewerb, die Löhne, Lebensbedingungen und das Gesamtnivea muss deutlich runter. Runter auf das Nivea von Wellblechhütten im gerade billigsten asiatischen Konkurrenzland.
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