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22. Dezember 2012, 13:45 Uhr

Arbeitsmarkt

Immer mehr ältere Arbeitslose bekommen Hartz IV

Immer mehr Arbeitslose über 55 haben Probleme, einen Job zu finden - laut Arbeitsagentur ist die Zahl der älteren Hartz-IV-Empfänger in den vergangenen zwei Jahren um 16 Prozent gestiegen. Die Linkspartei hält sogar diese Angaben noch für geschönt.

Berlin - Immer mehr ältere Arbeitslose finden keine neue Stelle und müssen von Hartz-IV-Unterstützung leben. Im November waren rund 291.000 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger über 55 Jahre registriert, berichtet die "Saarbrücker Zeitung". Das sind 40.000 mehr als noch 2010 und entspricht einem Zuwachs von 16 Prozent. Die Zeitung beruft sich auf offizielle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Auch insgesamt sei die Zahl der über 55 Jahre alten Arbeitslosen binnen eines Jahres gestiegen, und zwar um 3,8 Prozent auf 534.000. Dagegen hat sich die Arbeitslosigkeit insgesamt im Vorjahresvergleich nur um 1,4 Prozent erhöht.

Eine Sprecherin der BA machte dafür zum einen demografische Gründe verantwortlich. "So wie die Belegschaften in den Betrieben altern, so altern auch die Arbeitslosen." Zum anderen sei es aber auch eine Tatsache, dass der Arbeitsmarkt für Ältere sehr schwierig sei. Ältere Arbeitslose hätten schlechtere Chancen, wieder in Arbeit zu kommen.

Die Linkspartei hält die Statistik sogar noch für geschönt. Das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit von Älteren werde durch die gesetzlichen Vorgaben kaschiert, sagte die Sozialpolitikerin der Linken, Sabine Zimmermann. So würden fast 118.000 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger im Alter von über 58 Jahren nicht mehr mitgezählt, weil sie von den Jobcentern ein Jahr lang kein Arbeitsangebot bekommen hätten.

Seit Hartz-IV-Start 70 Milliarden für Aufstocker

Neben den Arbeitslosen bekommen auch viele Geringverdiener Hartz-IV-Leistungen. Laut Arbeitsministerium betrug ihre Zahl im vergangenen Jahr 1,21 Millionen. Wie die "Passauer Neue Presse" unter Berufung auf eine Anfrage der Linkspartei berichtet, wurden an die sogenannten Aufstocker 10,73 Milliarden Euro ausgezahlt. Parteichef Bernd Riexinger sagte: "Da werden Milliarden verpulvert, um Hungerlöhne aufzufüllen."

Seit dem Hartz-IV-Start im Jahr 2005 seien bereits mehr als 70 Milliarden für Aufstocker ausgegeben worden. Riexinger forderte einen gesetzlichen Mindestlohn: Löhne, die bei Vollzeitarbeit nicht zum Leben reichten, müssten unter Strafe gestellt werden.

Von den Hartz-IV-Anspruchsberechtigten mit einem Job (Azubis nicht mitgerechnet) arbeitete allerdings der geringere Teil Vollzeit: Im Jahr 2011 waren es rund 288.000 Personen, im Jahr 2010 etwa 293.000 Personen. Damit machten Vollzeitbeschäftigte jeweils weniger als ein Viertel der Aufstocker aus.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Zahl der Hartz-IV-Empfänger über 55 Jahre sei in einem Jahr um 16 Prozent gestiegen. Tatsächlich ist dies aber der Anstieg im Vergleich zum Jahr 2010. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cte/dpa/dapd

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