Immobilien Häuslebauer ab 40 sind weniger kreditwürdig

Über 40 wird es schwer: Nach SPIEGEL-Informationen führen neue Regeln für Immobiliendarlehen zu Nachteilen für Kreditnehmer, die eigentlich im besten Alter sind.

Neubaugebiet Weiden in Köln
DPA

Neubaugebiet Weiden in Köln


Eigentlich meinte die Bundesregierung es gut: Mit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie wollte sie Häuslebauer davor bewahren, sich finanziell zu übernehmen. Doch der Protest der Bankenlobby war enorm: Die strengeren Regeln für die Bonitätsprüfung potenzieller Darlehensnehmer führe dazu, dass viele junge Familien überhaupt kein Darlehen mehr bekommen würden, warnten Branchenvertreter lautstark. Auch ältere Kunden, die die eigenen vier Wände altersgerecht umbauen wollten, könnten Schwierigkeiten bekommen.

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Heft 50/2016
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Diese düsteren Prophezeiungen haben sich nur teilweise bestätigt. Das zeigt eine Auswertung des Finanzdienstleisters Hypoport, über dessen Onlineplattformen rund 18 Prozent aller Kreditanfragen laufen. Demnach ist das Volumen der Kreditverträge, die Darlehensnehmer zwischen 18 und 30 abgeschlossen haben, in den ersten sechs Monaten nach Umsetzung der Richtlinie sogar gestiegen: Um 8,5 Prozent innerhalb der Altersgruppe und um rund 1,5 Prozent am Gesamtvolumen aller Wohnkredite, die über Plattformen von Hypoport abgeschlossen wurden. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Umgerechnet auf den Gesamtmarkt bedeutet das eine Steigerung um 1,8 Milliarden Euro in sechs Monaten. Auch in der Gruppe der 30- bis 40-Jährigen ist das Volumen den Zahlen zufolge leicht hochgegangen.

Schwerer ist es dagegen für Kreditnehmer ab 40 geworden. Das Volumen aller Kreditverträge, die 40- bis 50-Jährige in den ersten sechs Monaten nach der Umsetzung der Richtlinie abgeschlossen haben, sank demnach um vier Prozent in der Altersgruppe beziehungsweise um ein Prozent gemessen am Gesamtumsatz. Umgerechnet auf den Gesamtmarkt ist das ein Rückgang von 1,2 Milliarden. Das Volumen der Kreditverträge, das 60- bis 70-Jährige abschlossen, ging innerhalb der Altersgruppe sogar um 12,1 Prozent und gemessen am Gesamtvolumen um 0,3 Prozent zurück.

Die Ergebnisse dürften die Diskussion um die Wohnimmobilienkreditrichtlinie , die im März in Kraft trat, sowie um mögliche Fördermaßnahmen wie etwa das Baukindergeld in eine neue Richtung lenken, glaubt Hypoport-Chef Ronald Slabke. Letzteres etwa hält er für "regulatorischen Blödsinn, der zu weiter steigenden Preisen führen wird". Wer junge Familien ins Eigenheim bringen wolle, "sollte für mehr Bauflächen und schnellere Genehmigungsverfahren sorgen".

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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thequickeningishappening 10.12.2016
1. Bis 30 studieren
Bis 40 Eigenkapital sparen. Mit 40 Hypothek beantragen. Die Bank weiß, ab 40 bei Jobverlust schlechte Chancen . Ergo, keine Hypothek!
sok1950 10.12.2016
2. über dessen Onlineplattformen rund 18 Prozent aller Kreditanfragen laufen
Hat das tatsächlich ein SPON-Schreiberling geprüft? Sind auch die Aussagen inhaltlich geprüft oder wurde nur eine Pressemitteilung abgeschrieben? Fakt ist jedoch: Kostenlose Werbung für ein Online-Portal, um nicht zu sagen Schleichwerbung für ein kommerzielles Kreditvermittlungsunternehmen. Wer soll solche Medien ernst nehmen?
Alm Öhi 10.12.2016
3. Fazit
Spart bis Ihr das Geld habt, und nehmt keine Kredite auf. Ich habe mein Haus nach 20 Jahren des Sparens gekauft, und die Zinseszinsen von 150000 gespart. Dann sag noch einer sparen mit 0% ist nicht gewinnbringend.
Benjowi 10.12.2016
4. Unbedarftes Regierungshandeln!
Der Übereifer, den speziell die deutsche Regierung auf dem Gebiet völlig unbegründet an den Tag legt, ist für deutsche Bauwillige eine Katastrophe. Obwohl es in Deutschland kaum oder nur sehr wenig Probleme mit Überschuldungen gab-dafür sorgten schon die alten Regularien-hat man die EU Richtlinie extrem eng und viel restriktiver, als z.B. Österreich umgesetzt.Mit dem Erfolg, dass eine Menge Leute verschiedeneer Altersgruppen wie beschrieben kaum noch ohne Proibleme an Kredite kommen-letztlich völlig grundlos. Gleichzeitig hat man die Bauvorschriften in geradezu alberner Weise in allen möglichen Richtungen verschärft und damit die Baukosten hochgetrieben, vile Bundesländer haben die Grunderwerbssteuer in obzöne Höhen getrieben und obendrein so gestaltet, die es Spekulanten erlaubt, sich davon zu drücken. Das geplante Baukindergeld wirkt da wie eine Verhöhnung, denn es fängt nicht einmal diese Erhöhungen ab. Das ganze Regierungshandeln ist geradezu tölpelhaft und wieder einmal -wie auf vielen anderen Gebieten-gegen die eigene Bevölkerung gerichtet! Gleichzeitig schiebt man wieder der EU die Schuld in die Schuhe, was die Sympathien für die Union weiter in den Keller treibt und den Populisten Stimmen zutreibt, denn das lässt sich auch so auslegen, dass die EZB-Milliarden zwar für Spekulanten, ber nicht für serioöse Bauwillige zugänglich sind. Verantwortliches Regierungshandeln sieht anders aus!
pejoachim 10.12.2016
5. Altersdiskriminierung
... sie trifft jeden, auch die Jungen. Ab 70 kein Mietwagen mehr, als Deppen behandelt zu werden, weil man die 60 überschritten hat, mit fünfzig aus dem Beruf gedrängt werden ... liebe junge Menschen, das wird auch euch treffen und zwar stärker als es uns, die jetzt Alten, trifft.
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