Immobilien In Deutschland fehlen eine Million Wohnungen

Der Wohnungsbau boomt - aber nicht genug, um die Lücke von einer Million Wohnungen zu schließen. Die Immobilienwirtschaft fordert von der Bundesregierung mehr Unterstützung für den Bau bezahlbarer Wohnungen.

Bau von Luxuswohnungen in Berlin
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Bau von Luxuswohnungen in Berlin


In Deutschland werden so viele Wohnungen gebaut wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr - gebraucht würden aber noch viel mehr. Nach Berechnungen des Bundesverbands der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), die der Verband am Mittwoch vorstellte, wurden seit 2009 eine Million Wohnungen zu wenig gebaut.

Gründe für den gestiegenen Bedarf waren demnach, dass die deutsche Bevölkerung in dem Zeitraum insbesondere durch Zuwanderung um 2,5 Millionen Menschen wuchs und dass immer mehr Menschen in wenige Ballungsräume zogen.

Insgesamt wurden in Deutschland vergangenes Jahr 277.691 Wohnungen fertiggestellt. Jedoch waren nicht alle davon Mietwohnungen. In den Wohnungen der GdW-Unternehmen leben bundesweit rund 13 Millionen Menschen, im vergangenen Jahr stellten sie knapp 20.000 neue Mietwohnungen fertig. Sie bauen rund 80 Prozent aller Mietwohnungen in Deutschland. In diesem Jahr planen sie einen Sprung auf gut 28.000 Fertigstellungen.

"Es wird zu wenig und zu teuer gebaut"

Die Wohnungswirtschaft fordert mehr Unterstützung der öffentlichen Hand für bezahlbares Bauen. "Es wird zu wenig und zu teuer gebaut", sagte der Präsident des Branchenverbandes GdW, Axel Gedaschko. "Wir haben in Deutschland eine Situation erreicht, in der der normale Durchschnittsverdiener nicht mehr in der Lage ist, eine Neubauwohnung zu bezahlen."

Das Geld sei aber nicht das größte Problem. Laut Gedaschko hätten die Unternehmen gerne noch mehr in neue Wohnungen investiert, Probleme seien jedoch der Mangel an Bauland, zu langsame Genehmigungsverfahren und kaum Planungskapazitäten bei den Kommunen.

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Dem GdW zufolge müssten jährlich 400.000 Wohnungen gebaut werden. Die Bundesregierung plädiert bis 2020 für den Bau von rund 350.000 neuen Wohnungen im Jahr. Dies bekräftigte sie in ihrem aktuellen Bericht über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Darin heißt es auch, Bund, Länder und Kommunen seien aufgefordert, mehr Bauland günstig zur Verfügung zu stellen.

nck/Reuters/dpa

insgesamt 93 Beiträge
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fusselsieb 05.07.2017
1. Oder...
man schickt langsam die Menschen wieder nach Hause. Oder hat man gar nicht den Willen dazu? Will man neue soziale Brennpunkte für Jahre schaffen? Was soll mit den Alt-Immobilien werden? Übernimmt die der Staat? Als Vermieter hat man kein leichtes Leben. Insbesondere nicht im sozialen Wohnungsbau.
kayakclc 05.07.2017
2. Trent zu größeren Wohnungen
Wir haben in den letzten 50 Jahren eine Verdopplung der mittleren Quadratmeterzahl, die eine Person bewohnt gesehen. Zudem ist die Zahl der Singlehaushalte deutlich gestiegen. Die Kommunalpolitik hat seit jahren vesäumt, mehr Flächen zur verfügung zustellen, und die Länder und der Bund treiben die Kosten für den Neubau durch erhöhung der Grunderwerbssteuer, der jährlichen Grundsteuer und die immer wieder verschäfte EnEV in die Höhe. Daher sind das Krokodilstränen, die hier geweint werden. Anspruch und Wirklichkeit der Gesellschaft und der Politik passen nicht zusammen, was in Kombination zur EZB Politik die Wohnungspreise explodieren läßt.
schgucke 05.07.2017
3. Bauweise
mal sollte sich gut überlegen, ob man den Nachkriegsfehler jetzt wiederholen möchte, und billig baut. diese Scheußlichkeiten, in denen niemand mit Beruf wohnen will, werden dann die nächsten 70 Jahre die Gegend verschandeln und das Mileu runterziehen.
Kurt-C. Hose 05.07.2017
4. Schade
Die Zinsen steigen gerade wieder. Der Staat hat mit seinen technischen Vorgaben und mit Steuern dafür gesorgt, dass der Wohnungsbau so teuer ist, wie noch nie in der deutschen Nachkriegsgeschichte, und wenn jetzt die Zinsen steigen, stirbt der Mietwohnungsbau einen schnellen Tod, trotz aller ambitionierten staatlichen Zielvorgaben.
dingstabumsta 05.07.2017
5. Wieder einmal...
...klappt es doch nicht, eine privatisierung als allheilmittel einzusetzen! Jetzt wo der Karren im Sand steckt, sollen Steuergelder für den Bau bezahlbarer Wohnungen herhalten. Den fehlen haben die Politiker schon vor langer Zeit begangen, als man sich aus dem sozialen Wohnungsbau verabschiedete, und das Geld anderweitig verplant hat. Mir erschließt sich zwar nicht ganz, wer den nun diese Immobilienwirtschaft ist, aber diesem Ruf wird die Politik nachgehen, und viel Geld für Teuere Wohnungen ausgeben, wovon ja nur ein gewisser Prozentsatz sozial sein muss....dafür hat ja diese Immobilienwirtschaft schon gesorgt. Interessant ist auch die Tatsache, das kaum eine wählbare Partei - wie bei der Altersarmut - keine Alternativen ausser Flickschusterei hat!
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