Wohnungsnot in Deutschland "Bauen, bauen, bauen"

Was hilft gegen hohe Mieten und knappen Wohnraum? Der Plan der Regierung jedenfalls nicht, sagt der Städte- und Gemeindebund. Es gebe nur eine Lösung.

Der Plattenbau hat einen schlechten Ruf. Nun kehrt das serielle Bauen wieder
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Der Plattenbau hat einen schlechten Ruf. Nun kehrt das serielle Bauen wieder


Gegen steigende Mietpreise und Wohnungsnot in Deutschland helfen nach Ansicht des Deutschen Städte- und Gemeindebundes nur neue Immobilien. "Das Entscheidende ist: Bauen, bauen, bauen. Und das schneller und preiswerter", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Damit reagierte Landsberg auf die Pläne der Großen Koalition, die Mietpreisbremse zu verschärfen. Bislang hatte sie nicht ausreichend gewirkt. "Wenn 30 oder 40 Bewerber um eine preiswerte Wohnung konkurrieren, sind sie nicht in der Position, ihre rechtlichen Ansprüche gegenüber dem Vermieter durchzusetzen", sagte Landsberg und bezweifelte damit, dass sich durch das Vorhaben der Bundesregierung etwas ändere.

Für neue Immobilienprojekte sei es nötig, die Anforderungen an Bauherren zu senken. "Wir sollten die serielle Bauweise zulassen", schlug Landsberg vor und bemängelte: "Derzeit braucht ein Bauherr, wenn er die Genehmigung in einem Bundesland bekommen hat, für den gleichen Typ im nächsten Bundesland die nächste Genehmigung."

Das Haus von der Stange

Serielles Bauen gilt als ein Weg, schneller den Bedarf an Mietwohnungen zu decken - ohne die Qualität zu vernachlässigen. Das Prinzip ähnelt der Produktion im Automobilbereich. Komplette Gebäude oder Gebäudeteile werden als Prototypen entworfen, um sie dann in Serie zu bauen. Module lassen sich im Werk vorfertigen und müssen auf der Baustelle nur noch zusammengefügt werden.

So soll Bauen wieder schneller und günstiger werden. In Hamburg-Wilhelmsburg entstand etwa in nur neun Monaten Bauzeit das Studentenwohnheim "Woodie", das in Holz-Modulbauweise errichtet wurde.

Der Gesetzesentwurf zur Verschärfung der Mietpreisbremse wurde am Freitag erstmals im Bundestag beraten. Unter anderem soll eine Auskunftspflicht für Vermieter eingeführt werden. Demnach müssen diese künftig offenlegen, was der Vormieter gezahlt hat. Für Sanierungen, die zum Ziel haben, Mieter aus der Wohnung zu drängen, soll es empfindliche Bußgelder geben.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund vertritt 11.000 große, mittlere und kleine Kommunen in der Landes-, Bundes und Europapolitik.

mhu/dpa

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insgesamt 77 Beiträge
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Dromedar 20.10.2018
1. Ungleichgewichte
Wohnungen gibt es in Deutschland eigentlich genug, bloss nicht genug in den großen Städten. Die Leute ziehen nun mal dahin, wo Arbeit, Bildung und Anschluss ist. Es wäre auch eine Lösung dafür zu sorgen, daß es überall Arbeit gibt. Dazu könnten die kleineren Regionen gefördert werden (und eben Förderhilfen in München, Berlin abgeschafft werden) oder Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern Wohnraum in Nähe des Arbeitsplatzes zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stellen (wetten, daß die dann aus den Innenstädten der Großstädte heraus wollen). Unis in abgehängten Gegenden könnten deutlich größer werden und dort mehr Bafög bezahlt werden. Und ja, konsequent in dünner besiedelten Gegenden den Nahverkehr auszubauen würde auch helfen. Ab einem gewissen Punkt hilft halt Bauen auch nicht mehr (wohin denn bitte in München, Stuttgart oder auch Berlin, wo jetzt schon jede Lücke geschlossen wird).
dasfred 20.10.2018
2. Was spricht gegen Modulbauweise?
Einfamilienhäuser gibt es doch auch schon quasi von der Stange. Viele sind noch abgeschreckt von runtergekommenen Sozialsiedlungen der siebziger und achtziger Jahre. Das lässt sich aber ändern, wenn man strikt auf die Zusammensetzung der Mieter, gute Verkehrsmittel und wohnortnahe Versorgung setzt. Das erhöht die Akzeptanz bedeutend. Flächen nutzen und in die Höhe bauen senkt auch die Kosten pro Quadratmeter.
pillorello 20.10.2018
3. Serielles Bauen
Das serielle Bauen hatten wir in der DDR. Jetzt muss es wohl wieder erfunden werden...
dirkcoe 20.10.2018
4. Ich.frage mich
wie lange der Run auf die Städte überhaupt noch anhällt? Wir erinnern uns - vor einigen Jahren war Stadtfucht ins nahe Umland angesagt. Ich vermute das wird wieder kommen. Weil die reine Freude ist das Stadtleben ja nun auch nicht. Schlechte Luft, Parkplatznot und horrende Mieten für nichts - Lebensqualität geht anders.
drnatas 20.10.2018
5. Würde ja gerne bauen / kaufen ...
aber der Staat kassiert ja immer ordentlich mit. Bauplätze werden zu Wucherpreisen verkauft. Bei Bestandsimmobilien wird mit der Grunderwerbssteuer ordentlich abkassiert und der Notar macht sich auch noch die Taschen voll. Da hilft das Bisschen Baukindergeld auch nicht viel.
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