Immobilien In diesen Großstädten steigen die Preise am stärksten

Deutschlands Wohnungsmarkt driftet immer weiter auseinander. Laut einem Gutachten der Immobilienwirtschaft steigen Mieten und Kaufpreise in den Ballungszentren rasant. In anderen Regionen geht es abwärts.

München: "Standardwohnung" ist 7,4 Prozent teurer
Corbis

München: "Standardwohnung" ist 7,4 Prozent teurer

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In den begehrten deutschen Großstädten sind die Mieten und Immobilienpreise im vergangenen Jahr erneut kräftig gestiegen - viele andere Regionen dagegen profitieren nicht vom Boom. In seinem am Dienstag vorgelegten Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft 2016 hat der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) die Entwicklung der Mieten und Kaufpreise im vergangenen Jahr untersucht und festgestellt: Deutschland spaltet sich immer stärker.

Das Frühjahrsgutachten zeigt zwei gegenläufige Entwicklungen: Attraktive Ballungsgebiete, sogenannte "Schwarmstädte" ziehen vor allem junge Menschen an. Entsprechend steigen die Mieten. In den übrigen Regionen stagnieren sie - oder gehen, wie in Teilen Ostdeutschlands, sogar zurück.

Kaufpreise steigen stärker als Mieten

Besonders deutlich wird die Entwicklung in den "Top-7-Städten" Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und München. Die Miete für eine Standardwohnung mit 60 bis 80 Quadratmetern und "höherwertiger Ausstattung" ist in allen diesen Großstädten gestiegen - am stärksten in München mit 7,4 Prozent (siehe Grafik).

Noch stärker als die Mieten steigen in den Top-Städten die Preise von Eigentumswohnungen. Mit Blick auf Gesamtdeutschland ist die Spaltung hier noch deutlicher: Die Kaufpreise sind in der Hälfte der Kreise um mehr als sechs Prozent gestiegen - in fast jedem vierten Kreis sind sie dagegen gesunken. In den begehrtesten Städten ist der Anstieg ungebremst: In Stuttgart (plus 18,8 Prozent), Berlin (plus 14,4 Prozent), München (plus 12,9 Prozent), Köln und Frankfurt am Main kletterten die Preise so schnell wie lange nicht (siehe Grafik) - obwohl die Zahl der fertiggestellten Wohnungen ebenfalls einen Rekord erreichte.

Mit Blick auf Gesamtdeutschland ist die Spaltung bei den Eigentumswohnungen noch deutlicher als bei der Mietenentwicklung: Die Kaufpreise sind in der Hälfte der Kreise und kreisfreien Städte um mehr als sechs Prozent gestiegen - in fast jedem vierten Kreis sind sie dagegen gesunken.

Ausblick auf 2016

Eigentlich, so das Fazit des Gutachtens, müsste es mit den Mietsteigerungen langsam vorbei sein: Der Mietpreiszyklus hätte seinen Zenit erreicht, die Mieten würden 2016 im Schnitt stagnieren, der gestiegene Neubau würde dem Anstieg der Wohnungsnachfrage entsprechen. Allerdings seien da noch die Flüchtlinge, deren Unterbringung noch nicht gelöst ist. "Selbst wenn nun im Schnellverfahren neuer Schlichtwohnungsbau entsteht, werden die Zuwanderer versuchen, möglichst schnell auf dem normalen Wohnungsmarkt fündig zu werden", heißt es im Gutachten. Mieten und Kaufpreise dürften also auch 2016 weiter steigen.

Die Immobilienwirtschaft sieht sich zwar in einer glänzenden Lage: Die Kredite sind billig und angesichts fehlender Alternativen legten mehr Menschen ihr Geld in Betongold an. Allein in Gewerbeimmobilien wurden im vergangenen Jahr mehr als 55 Milliarden Euro investiert - allerdings verteuerten sich Neubauten durch die erhöhten Anforderungen.

Lars Feld, der auch im Sachverständigenrat die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, warnt vor den Folgen: "Es besteht die Gefahr, dass die Mietpreise in beliebten Großstädten weiter steigen und es zu Engpässen in der Versorgung von Flüchtlingen kommt." Bund, Länder und Kommunen sollten die Baukosten daher senken, etwa indem die Grunderwerbsteuer gesenkt oder die energetischen Auflagen gemildert würden.

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SpitzensteuersatzZahler 16.02.2016
1.
Was man im Moment sieht, ist, dass gekauft wird, was da ist. Selbst wirklich seltsame Lagen verkaufen sich in Berlin wie warme Semmeln. Ist fast schon beängstigend. Ich habe allerdings noch nie gesehen, dass Neubau vermietet wird. Immer Eigentumswohnungen. Gut - einige davon kaufen dann vielleicht 'Investoren' als Altersvorsorge und vermieten sie - aber als Geschäftsmodell für die Immobilienentwicklung taugt das gerade nicht.
Klum1979 16.02.2016
2. Immobilienpreise
Bei Immobilien gibt leider keine festen Marktpreise (im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen). Die Gefahr von überhöhten Kaufpreisen besteht deshalb immer. Vor allem in Groß- und Universitätsstädten sind die Preise in den letzten Jahren stark angestiegen. In manchen Gegenden stagnieren hingegen die Immobilienpreise bzw. fallen. Empfehlenswert ist es einen Sachverständigen (Bauingenieur oder Architekt) zur Hausbesichtigung mitnehmen bzw. regelmäßige Baukontrolle (4-5 Termine) durchzuführen um Mängel aufzudecken bzw. Hinweise auf den Kaufpreis zu geben. Er sollte sich auf jeden Fall Dach, Keller und Heizungsanlage ansehen. Eine mündliche Beratung kostet wenige hundert Euro. Aber ein Immobilienerwerb sollte einem schon ein schriftliches Gutachten wert sein (Etwa 800-1200€, deutlich mehr aber möglich. Ist manchmal von der Steuer absetzbar. www.immobilien-einblick.de/immobilienpreise). Hier haftet der Gutachter für sein Urteil.
WwdW 16.02.2016
3. Das ist die Geldschwemme!
Das ist ein schönes Beispiel für die Geldschwemme, die infolge der Bankenkrise und Finanzkrise in den Markt gepumpt wurde. Das Geld wandert in Betongold ab. Und da zählt für Investoren nur: Lage, Lage, Lage Daher das starke auseinanderdriften. Für mich ist das eine Spekulationsblase - eine sehr große. Die Politik sollte die Luft ablassen ganz schnell!
unixv 16.02.2016
4. Mietpreisbremse?
ist wohl wie alles von der SPD = Mindestlohn! Einfach nur ein schlechter Witz! Schade das wir keine Real-Politiker haben, die wissen was dem Bürger helfen könnte! Es gibt schon reichlich viele Rentner, die auf Campingplätzen überwintern müssen, weil sie die Mieten nicht zahlen können! Schade, das es keine Politik für deutsche Bürger mehr gibt!
qoderrat 16.02.2016
5.
---Zitat--- Bund, Länder und Kommunen sollten die Baukosten daher senken, etwa indem die Grunderwerbsteuer gesenkt oder die energetischen Auflagen gemildert würden. ---Zitatende--- Also bei uns im Dorf wurde die Grunderwerbssteuer die letzten 3 Jahre jedes Jahr erhöht, weil trotzdem gebaut wird wie nicht gescheit. Und nicht nach den neuesten energetischen Auflagen zu bauen, selbst wenn diese gesenkt würden, spart zwar ein bisschen beim Bauen, wäre aber eine denkbar schlechte Idee. Ich bin mir sicher, dass die Auflagen zur Nachrüstung zeitnah nach der kritischen Phase kommen werden, auch um dann das abflauende Neubaugeschäft zu kompensieren, und dann kostet die Nachrüstung doppelt.
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