Immobilienmarkt US-Bürger kaufen deutlich weniger neue Häuser

Die US-Wirtschaft scheint auf gutem Kurs, doch jetzt trübt sich ein wichtiger Indikator ein: Im Juli wurden weit weniger neue Wohnhäuser verkauft als noch im Juni. Ein Grund dafür könnte das erwartete Ende der Niedrigzinsen sein.

Haus zu verkaufen: Weniger Neubauten wechselten im Juli den Besitzer
REUTERS

Haus zu verkaufen: Weniger Neubauten wechselten im Juli den Besitzer


Washington - In den USA sind die Verkäufe neuer Häuser im Juli überraschend eingebrochen. Im Vergleich zum Vormonat sei die Zahl um 13,4 Prozent auf 394.000 Häuser gefallen, teilte das US-Handelsministerium mit. Dies ist der stärkste Rückgang seit Mai 2010. Volkswirte hatten nur mit einem leichten Minus von 2,0 Prozent auf 487.000 Häuser gerechnet.

Außerdem fiel der zunächst berechnete Anstieg für den Vormonat geringer aus als zunächst berechnet. Im Juni waren die Verkäufe laut Ministerium nur um 3,6 Prozent gestiegen. Ursprünglich hatte das Ministerium ein Plus von 8,3 Prozent ermittelt.

Die schlechte Nachricht kommt überraschend: Zuletzt hatten die USA vor allem positive Konjunkturdaten zu vermelden. So war die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Jahren gefallen. Auch mehrere andere Wirtschaftsindikatoren deuteten auf einen Aufschwung der größten Volkswirtschaft der Welt hin.

Experten führen die sinkende Zahl der Neubauverkäufe auf steigende Hypothekenzinsen zurück. Diese spiegeln offenbar die Erwartung unter Immobilienfinanzierern wider, die US-Notenbank Fed könnte ihrer jahrelangen Niedrigzinspolitik bald ein Ende setzen.

ade/dpa/AP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marthaimschnee 23.08.2013
1.
Auf die Idee, daß die Sanierung von Wirtschaft und Staat auf Kosten der normalen, kleinen Leute vielleicht daran schuld ist, kommt natürlich niemand. Wenn hundert Menschen plötzlich nicht mehr genug haben, um sich Autos oder Häuser zu kaufen, nur damit einer Multimillionär spielen kann, ist das für den Konsum ein Tritt in die Leiste, der eine kauft nämlich keine 100 Häuser oder Autos. Aber soweit schaffen es die angebotsorientierten Top-Ökonomen gar nicht zu denken. Für die ist Konsum irrelevant und so sind sie logischerweise über diese Entwicklung völlig überrascht.
roastbeef 23.08.2013
2. Wieso schlechte Nachricht?
Es ist doch gut, wenn die Leute sich nicht mehr verschulden um Häuser zu kaufen! Vor allem in den USA war das doch ein Riesenproblem, als die Immobilienblase dann geplatzt ist. Ich versteh beim besten Willen nicht, wo hier die schlechte Nachricht sein soll. Eine schlechte Nachricht für wen?
nr.42 23.08.2013
3. Nach dem ganzen Desaster
mit dem Immobilienmarkt und diversen Obdachlosen, weil die Banken die Leute auf die Strasse gesetzt haben, wundert mich diese Entwicklung ganz und gar nicht. Außerdem wenn man diverse US-Blogs liest, dann scheint es so zu sein, dass doch so einigen Leuten die Lichter aufgegangen sind und einige US-Amerikaner zum Minimalismus und kleinen Häusern neigen. Finde auch die Entwicklung um "tiny houses" sehr spannend.
kölschejung72 23.08.2013
4. Seltsam
ich lese von Aufschwung in den USA eigentlich nur bei SPON. Da werden die steigenden DOW Jones Kurse als Gesundung der US-Wirtschaft gewertet. Obwohl die nur Folge der niedrigen Zinsen am Anleihemarkt sind und mit der Geldschwemme zusammenhängen. Auch die Arbeitslosenzahlen in den USA sind nur begrenzt aussagekräftig. Denn da werden auch diejenigen rausgerechnet, die langzeitarbeitslos sind. Solange die USA weiterhin ungehemmt mehr Geld ausgeben als sie einnehmen und mehr Waren importieren als sie exportieren, kann die Wirtschaft nicht gesunden. Es ist aber nicht zu erkennen, dass die USA auch nur ansatzweise bereit wären, die Staatsfinanzen zu sanieren. Statt dessen wird mit kurzfristigen Konjunkturprogrammen kurzfristig die Wirtschaft angekurbelt (Wachstum vorgezogen), das langfristig durch massive Belastungen erkauft wird. Wenn ich mich mit US-Amerikanern unterhalte, dann wird die wirtschaftliche Situation als so schlecht wie noch nie beschrieben. Die Leute haben so wenig Geld zur Verfügung wie noch nie und sehen lediglich wachsende Belastungen durch Steuern und Abgaben, die natürlich die Folge der hohen Defizite in den USA sind. Zudem berichten die Menschen über einen deutlich spürbaren Wertverlust des Dollars in Form von steigenden Verbraucherpreisen. D.h. die Löhne sinken, die Kaufkraft sinkt und die Steuern steigen. Zudem war die Entwicklung der Hauspreise lange Zeit rückläufig. Zum Teil werden die Preise künstlich hoch gehalten, indem nur ein Teil der Häuser, die leer stehen, auf den Markt kommen. Wer will aber mit begrenzten Mitteln in ein Produkt investieren, dessen Preis derzeit nicht dem tatsächlichen Wert entspricht und das Risiko beinhaltet, jederzeit deutlich einzubrechen, wenn die Banken mehr Häuser auf den Markt werfen.
BettyB. 23.08.2013
5. Guter Kurs?
Fragen Sie doch mal die Leute, die vom Ersparten leben müssen, und wundern Sie sich nicht, wenn die Blase bei der ersten Zinserhöhung mit einem Knall platzt...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.