Griechenlands Banken: Athens verstecktes Milliardenrisiko

Von Matthias Brendel

Dank Hilfspaket und Schuldenschnitt soll Griechenland aus eigener Kraft wieder auf die Beine kommen. Doch im Bankensystem des Landes verstecken sich zusätzliche Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe - für die letztlich auch Deutschland haftet. 

Griechische Nationalbank: Neue Milliardenrisiken Zur Großansicht
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Griechische Nationalbank: Neue Milliardenrisiken

Hamburg - Die Griechenland-Krise scheint sich in den vergangenen Tagen etwas beruhigt zu haben, das neue Milliarden-Hilfspaket verschafft Athen Luft. Aber kann es jetzt wirklich - endlich - bergauf gehen?

Pikant ist: Wenige Tage vor dem erfolgreichen Schuldenschnitt hat die griechische Regierung marode Banken mit neuen, milliardenschweren Garantien ausgestattet. Es geht um weitere Schulden in Höhe von sieben Milliarden Euro, für die Athen im Fall eines Zusammenbruchs der Banken haftet - und damit indirekt auch der deutsche Steuerzahler.

  • Die Alpha Bank erhielt am 22. Februar eine staatliche Garantie für eine kurzfristige Anleihe im Höhe von zwei Milliarden Euro, die am 22. Mai schon wieder fällig wird.
  • Zwei Tage später bekam die National Bank of Greece, ebenfalls eine Privatbank, für eine gleich laufende Anleihe in Höhe von drei Milliarden Euro eine weitere Garantie.
  • Und am 5. März kamen noch einmal 2,087 Milliarden Euro für die Piraeus Bank hinzu.

Am 9. März verkündete Griechenland seine Einigung mit dem Großteil seiner Gläubiger über einen Schuldenschnitt und beseitigte damit die letzte Hürde für ein 130 Milliarden Euro schweres Hilfspaket der übrigen Euro-Staaten, das am 14. März freigegeben wurde. Es besteht zum Großteil aus Zusagen für günstige Kredite. Auch der Internationale Währungsfonds beteiligt sich an diesem Paket. Ein Teil des Geldes ist dazu gedacht, griechischen Banken zu helfen.

Eine wesentliche Grundlage für die Freigabe des Hilfspakets bildete dabei die Analyse der griechischen Schuldentragfähigkeit: Griechenland soll, so der politische Wille der Euro-Staaten, seine nach dem Schuldenschnitt übrig gebliebenen Verbindlichkeiten alleine abbezahlen. Ob das angesichts der schweren Rezession in Griechenland funktionieren kann, daran bestehen ohnehin schon erhebliche Zweifel.

Kaum noch private Geldgeber bereit, griechischen Banken Geld zu leihen

Diese Zweifel erhalten zusätzliche Nahrung durch die erheblichen Bürgschaften, die die Regierung in Athen an marode Banken ausgereicht hat. Insgesamt garantiert die Regierung in Athen inzwischen für griechische Bankschulden in Höhe von knapp 65 Milliarden Euro. Diese Bürgschaften wurden bei der griechischen Staatsverschuldung in Höhe von etwa 370 Milliarden Euro - so der letzte Stand vor dem Schuldenschnitt - nicht mit eingerechnet. Die Logik dahinter: Da die Bürgschaft erst fällig wird, wenn die Bank zusammenbricht, sind bislang keine echten Verbindlichkeiten entstanden. Sollte das aber doch passieren, könnte die griechische Staatsverschuldung um deutlich ansteigen - was alle bisherigen Berechnungen zur Schuldentragfähigkeit über den Haufen werfen würde.

Kein ganz unwahrscheinlicher Fall, denn es sieht gar nicht gut aus für jene fünf Geldinstitute, die hauptsächlich von den Milliardenbürgschaften profitieren: National Bank of Greece, Alpha Bank, EFG Eurobank, Piraeus Bank und die staatlich kontrollierte ATE Bank sind von den Ratingagenturen längst auf Ramsch-Status herabgestuft. Nicht besser steht es um die kleine Attica Bank, die ebenfalls in den Genuss von Staatsgarantien in Höhe von 500 Millionen Euro kam: Caa2, Ramschstatus von Moody's.

Selbst mit staatlicher Garantie ist kaum noch ein privater Geldgeber bereit, den schlingernden griechischen Banken Geld zu leihen - denn schließlich ist auch die Bonität des Bürgen, also des griechischen Staats, keineswegs über jeden Zweifel erhaben. Doch privates Kapital ist in diesem Fall auch gar nicht nötig, schließlich gibt es die Europäische Zentralbank (EZB). Und die hat als besondere Regel, dass staatlich garantierte Bankanleihen von den emittierenden Banken direkt bei der EZB gegen frisches Geld eingetauscht werden können. Insider verschiedener Banken gehen davon aus, dass genau das in diesem Fall auch geschehen ist. Von Athen hätte sich letztlich das Haftungsrisiko damit an den EZB-Sitz Frankfurt verlagert. Die EZB möchte sich zu dem Thema nicht äußern.

Allerdings standen die griechischen Banken am 28. Februar vor einem Problem: An diesem Tag hatte die EZB wegen der anstehenden Umschuldung nicht nur sämtliche griechischen Staatsanleihen als Sicherheiten für frisches Geld bei der EZB ausgeschlossen, sondern auch all jene Bankanleihen, für die Athen bürgt. Damit hatte die EZB vorübergehend den letzten Geldhahn der griechischen Banken zugedreht.

Die EZB nimmt wieder griechische Bankanleihen an

Immerhin konnten die griechischen Banken immer noch auf die so genannte "Emergency Liquidity Assistance" (ELA) zugreifen, für die nicht die EZB haftet, sondern die Notenbank in Athen selbst. Damit war vorübergehend die kuriose Situation eingetreten, dass die griechische Notenbank Euros herausgeben musste für Schulden griechischer Banken, für die wiederum der griechische Staat haftet. "Sind Beschenkter und Schenkender eine Person, werden Potemkinsche Dörfer errichtet, die nur den Zweck haben, weitere Mittel der EZB und des Auslands zu mobilisieren", meint dazu der Finanzwissenschaftler Max Otte.

Die Rating-Agentur Moody's schätzt, dass die ELA der griechischen Notenbank im Februar wegen des vorübergehend geschlossenen EZB-Geldhahns auf das Doppelte angeschwollen war, auf mehr als 100 Milliarden Euro. Die ELA dürfte zwischenzeitlich wieder geschrumpft sein, auf rund 54 Milliarden Euro. Denn nach der bislang erfolgreichen griechischen Umschuldung nimmt die EZB wieder griechische Bankanleihen an, wenn diese über eine staatliche Bürgschaft verfügen.

Sollte Griechenland aber aus dem Euro austreten und in der Folge die griechischen Banken zusammenbrechen, dann hätte die EZB eine 54-Milliarden-Euro-Forderung gegenüber der Athener Notenbank. Auch diese ELA-Milliarden müsste man dann zu den Verbindlichkeiten Athens hinzuaddieren.

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insgesamt 80 Beiträge
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1. *
geroi.truda 17.03.2012
Zitat von sysopEine wesentliche Grundlage für die Freigabe des Hilfspakets bildete dabei die Analyse der griechischen Schuldentragfähigkeit:
Unsinn - die 120%-vom-BIP-Schwelle kommt allein daher, dass das der Schuldenstand Italiens ist, und man von Griechenland nicht einen geringeren verlangen konnte, wenn man Aufregung vermeiden wollte (und musste)...
2. Bundestag aufwachen!
semaphil 17.03.2012
Zitat von sysopDank Hilfspaket und Schuldenschnitt soll Griechenland aus eigener Kraft wieder auf die Beine kommen. Doch im Bankensystem des Landes verstecken sich zusätzliche Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe - für die letztlich auch Deutschland haftet. Griechenlands Banken: Athens verstecktes Milliardenrisiko - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821155,00.html)
ein weiteres Beispiel ungeheurer Kaltschnäuzigkeit der griechischen Politiker. Hier werden EZB, Bundesbank und europäische Steuerzahler, vornehmlich aus DE, ihrer Rechte beraubt. Ich erwarte einhellig Empörung unter den sogenannten Eurorettern. Wir müssen dagegen leider vermuten, daß der gesamte europäische Politikerfilz dies als Petitesse abtun wird - hier geht es ja auch nur um ein paar weitere Miliarden.
3. Die neue Drachme ist schon im Druck
genesis266 17.03.2012
Griechenland war die halbe Zeit seit seines Bestehens im Staatsbankrott, der derzeitige Staatsbankrott dürfte Nummer 9 sein. Also ein typisches Zeichen für einen Staat, dem man absolut kein Geld borgen sollte – weil er damit nicht umgehen kann. Es gibt nur wenige Staaten, die einen so negativen Track Record aufweisen. Der aktuelle griechische Staatsbankrott ist natürlich noch nicht zu Ende. Bei der Parlamentswahl Ende April dürften linksextreme Kräfte an die Macht kommen, die dann jede weitere Schuldenzahlung ablehnen und aus dem Euro austreten werden. Die neue Drachme ist ja bereits fertig gedruckt. Ausführliche Analyse: Griechenland jetzt auch offiziell pleite (http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/9726-griechenland-jetzt-auch-offiziell-pleite)
4. EZB: Bad Bank auf unsere Kosten
weltsichtig 17.03.2012
Zitat von sysopSollte Griechenland aber aus dem Euro austreten und in der Folge die griechischen Banken zusammenbrechen, dann hätte die EZB eine 54-Milliarden-Euro-Forderung gegenüber der Athener Notenbank. Auch diese ELA-Milliarden müsste man dann zu den Verbindlichkeiten Athens hinzuaddieren
Es ist einfach unglaublich, wie frech wir über die EZB augeplündert werden ohne das Geringste dagegen tun zu können; zu den 500 Mrd Target-Verbindlichkeite kommen tagtäglich neue Schulden, weil Griechenland und die anderen PIGS (Irland mal außen vor gelassen) ihren Banken über quasi selbstzertifizierte und damit völlig unbesicherte und somit wertlose Anleihen erlauben, Geld bei der EZB abzugreifen. Wer braucht da noch den ESM, wenn die Selbstbedienung schon jetzt so hervorragend funktioniert. Aber wir profitieren ja angeblich so ungeheuer vom Euro, da kommt es auf eine Billion mehr oder weniger wohl nicht an...
5. Erdgasvorkommen in der Ägais
andreasehli 17.03.2012
Zitat von sysopDank Hilfspaket und Schuldenschnitt soll Griechenland aus eigener Kraft wieder auf die Beine kommen. Doch im Bankensystem des Landes verstecken sich zusätzliche Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe - für die letztlich auch Deutschland haftet. Griechenlands Banken: Athens verstecktes Milliardenrisiko - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821155,00.html)
Es mag richtig sein, dass letzlich auch Deutschland für Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe haftet. Diesen Verbindlichkeiten stehen allerdings auch Garantien gegenüber. Ich wünschte mir, dass endlich über die in unbekannter Größe in der Ägais existierenden Gasvorkommen recherchiert und geschrieben wird. Die unabhängige Republik Zypern hat zum Beispiel im Gegensatz zu Griechenland mit Hilfe der Israelis, Amerikaner, Russsen und Chinesen begonnen, ihre Erdgasfelder südlich der Insel zu erforschen und zeitnah zu heben.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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Die Europäische Zentralbank
EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken .
Europäischer Leitzins
Der von der Europäischen Zentralbank vorgegebene Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute Geld beschaffen und verleihen können.
Expansive Geldpolitik
Durch expansive Geldpolitik wird die verfügbare Geldmenge bei den Geschäftsbanken erhöht, um dadurch die Konjunktur anzukurbeln.
Geldwertstabilität
Ein Hauptziel der EZB ist die Geldwertstabilität , die vor allem mit Hilfe der Geldpolitik erreicht werden soll.
Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise