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Industriestaaten in der Falle: Wie bankrott ist die Welt?

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Ende dieses Jahres werden alle Staaten zusammen rund 54 Billionen Dollar Schulden aufgetürmt haben. Doch die Verbindlichkeiten sind ungleich verteilt. Wer macht am meisten Miese, wer sind die Sparfüchse? Die Weltverschuldung als interaktive Karte.

Hamburg - Die Verschuldung der Welt ist gigantisch - und ungleich verteilt. Während Entwicklungs- und Schwellenländer vergleichsweise geringe Probleme haben, sind die Schuldenquoten der klassischen Industrieländer im vergangenen Jahrzehnt explodiert. Amerika, Japan und die Europäische Union sind zusammen für drei Viertel der globalen Verbindlichkeiten verantwortlich. Nur ein Viertel entfällt auf die restlichen Länder.

  • Allein die Verbindlichkeiten der USA belaufen sich auf 14,3 Billionen Dollar. Um nicht völlig die Kontrolle über ihre Staatsschulden zu verlieren, wollen die Amerikaner binnen zehn Jahren 2,4 Billionen Dollar sparen.
  • In Europa sieht es kaum besser aus. Allein Deutschland steht mit mehr als zwei Billionen Euro in der Kreide, Italien mit mehr als 1,8 Billionen Euro. Auch in Portugal, Irland und Griechenland laufen die Schulden immer mehr aus dem Ruder. Nur ein entschiedenes Einschreiten der Regierungen kann den Euro noch retten.
  • Auch in Japan gehen alle Maßstäbe verloren: Die stolze Hightech-Macht drücken mittlerweile Verbindlichkeiten von umgerechnet fast zehn Billionen Euro. Selbst wenn das Land alles Geld, das es erwirtschaftet, in den Schuldenabbau stecken würde, bräuchte es mehr als zwei Jahre, um alle Gläubiger zu bedienen.

Bis vor wenigen Jahren war das sorglose Schuldenmachen Teil des westlichen Lebensgefühls. "Zusammen gingen wir in die Disco dancen. Und zusammen kannten wir keine Dispo-Grenzen", sang der Musiker Stefan Kozalla 2003. Jetzt ist die Disco geschlossen. Der Dispo ist ausgereizt. Zu groß waren die Ausgaben der vergangenen Jahre. Staaten haben gewaltige Summen eingesetzt, um die Folgen der Finanz- und Konjunkturkrise zu lindern. Nun droht ihnen selbst der Bankrott, und sie müssen eisern sparen.

Immer schneller tickt die Schuldenuhr der Welt. Ende des Jahres, schätzt der Internationale Währungsfonds, werden sich die Verbindlichkeiten aller Staaten zusammen auf rund 54 Billionen Dollar belaufen. Würde man dieses Geld in New York für BicMacs ausgeben und diese stapeln, käme man rund 2000 Mal zum Mond.

Wer sind die größten Miesenmacher? Wer wirtschaftet vorbildlich? SPIEGEL ONLINE zeigt die Schulden der Welt als interaktive Karte (siehe oben).

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insgesamt 106 Beiträge
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1.
shokaku 10.08.2011
Wenn die Industriestaaten tatsächlich noch Industriestaaten wären, hätten sie jetzt auch weniger Probleme. Wer aber sein Seelenheil im Export von Arbeitsplätzen bei gleichzeitigen Tributzahlungen an importierte Unterschichten sucht, muss nicht verwundert sein, wenn er pleite geht.
2. Beliebte Fehlinformation
newsman2 10.08.2011
Wenn ich sowas lese "Auch in Portugal, Irland und Griechenland laufen die Schulden immer mehr aus dem Ruder. Nur ein entschiedenes Einschreiten der Regierungen kann den Euro noch retten" kann ich über den journalistischen Unsachverstand nur den Kopf schütteln. Die Schuldenproblematik und die Stabilität des Euro haben zunächst *gar nichts* miteinander zu tun. Niemand muss "einschreiten", um den Euro zu retten. Im Gegenteil: Erst wenn die Zentralbank einschreitet, also anfängt Staatsanleihen zu kaufen (= Geld drucken), ist der Wert des Euro substantiell in Gefahr. Es müsste also korrekt heißen: "Auch in Portugal, Irland und Griechenland laufen die Schulden immer mehr aus dem Ruder. Ein entschiedenes Einschreiten der Regierungen treibt den Euro in die Inflation"
3. Alles kein Problem
RogerT 10.08.2011
Alles kein Problem - auf der Titanic hat das Orchester auch bis zum Untergang lustige Lieder gespielt...
4. Bankrotterklärung
kalzifer 10.08.2011
Ich nenne es schlicht Doofheit. Wie dumm und kurzsichtig muss man sein, einem Land derartige Schulden aufzuhalsen? Hoffentlich lernen die Schwellenländer daraus, dass es nicht ratsam ist, manche Schwelle zu überschreiten. Lieber arm und schuldenfrei, als arm und erstickt von einer niemals tilgbaren Schuldenlast.
5. Wenn die Industriestaaten...
rybap 10.08.2011
Arbeitsplätze exportieren... Ist ein wenig ungenau. Wer und aus welchem Grund hat denn die Arbeitsplätze und "Werkbänke" exportiert? Wer hat denn den "Exportierenden" dabei mit Steuersubventionen noch unterstützt? Wer? Ich?
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Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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