Inflation, Armut, Reformstau Chinas Wunderwirtschaft stößt an ihre Grenzen

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2. Teil: Arm und Reich driften auseinander


Das größte Problem der chinesischen Führung ist die wachsende Ungleichheit. Während die Ostküste mit den Metropolen Peking und Shanghai boomt, profitiert der überwiegende Teil der Bevölkerung kaum vom Wachstum. Im Gegenteil: Die Inflation macht das Leben für die Ärmsten sogar noch schwerer.

Insgesamt sind die Preise in China im vergangenen Jahr um fünf Prozent gestiegen, Lebensmittel wurden sogar um zehn Prozent teurer. Für die arme Bevölkerung, die nahezu ihr gesamtes Einkommen für Nahrung aufbringen muss, ist das eine Katastrophe.

Die Machthaber in Peking bemühen sich, die Kaufkraftverluste mit staatlichen Mindestlöhnen und Lohnerhöhungen der staatlichen Unternehmen auszugleichen. Doch reicht das? Der Ökonom Löchel sagt, China habe eine kritische Grenze bei der Ungleichheit der Einkommen überschritten. Bei einer Fortsetzung dieses Trends drohten Aufstände und politische Unruhen, sagt er voraus.

Davon ist China zwar noch weit entfernt, laut Umfragen sind 87 Prozent der Bürger mit der Entwicklung ihres Landes zufrieden. Ihr Unmut richtet sich - wenn überhaupt - gegen lokale Machthaber und Provinzfürsten - und nicht gegen die Regierung in Peking.

Das muss aber nicht so bleiben. Löchel berichtet von Gesprächen mit Eliten der Kommunistischen Partei, die diese Gefahr sehr ernst nähmen. Er rechne daher damit, dass der neue Fünfjahresplan, der im März verabschiedet wird, eine Umverteilung des Reichtums vorsieht: "Das wird insbesondere den Angestellten zugutekommen. Aber auch die Mindestlöhne für Arbeiter werden tendenziell steigen."

So sehr das zu mehr Gerechtigkeit führen wird - die Wachstumsraten Chinas könnten darunter durchaus leiden.

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günter1934 30.12.2010
1.
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Wenn wir mit der Förderung der Erneuerbaren Energien so weitermachen wie heute, werden wir in Zukunft am Tropf der chinesischen Welthungerhilfe hängen!
++arthur 30.12.2010
2. China und USA
Ich sag schon mal "leise Servus". War schön mit dir Demokratie, Sozialstaat und Grundgesetz. Wird? Wird? Hat! HAT! Man muss sich nur mal die "Verschuldung" angucken: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Country_foreign_exchange_reserves_minus_external_debt.png Sehen sie die "grüne Macht": Das sind nicht wir!
marant 30.12.2010
3. ttt
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Das tut sie bereits mit derzeit etwa 36,7 Mld. US-Dollar. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33917/1.html
localpatriot 30.12.2010
4. Ein Viertel der Menschheit
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Groesse bringt Einfluss. Man muss mit einem Land das 20 bis 25% der Menschheit in jeder Hinsicht rechenen: - als Kunde, - als Lieferant, - als Konkurrent - als Geldgeber. In jeder Hinsicht wirft China einen grossen Schatten. Chinesen sehen Deutschland mit Respekt und so lange sich die deutschen Politiker nicht uebenehmen, kann man langfristig ein gutes Verhaeltnis erwarten. Persoenliche Freiheit ist bei einem 1,5 Milliarden Volk immer Mangelware. 5 Milliarden Mahlzeiten taeglich auf den Tisch zu stellen waere fuer jede Gesellschaft eine Herausforderung dabei kann man steten Fortschritt nur durch Stabilitaet erreichen.
Palmstroem, 30.12.2010
5. Schattenspiele
Zitat von localpatriotGroesse bringt Einfluss. Man muss mit einem Land das 20 bis 25% der Menschheit in jeder Hinsicht rechenen: - als Kunde, - als Lieferant, - als Konkurrent - als Geldgeber. In jeder Hinsicht wirft China einen grossen Schatten. Chinesen sehen Deutschland mit Respekt und so lange sich die deutschen Politiker nicht uebenehmen, kann man langfristig ein gutes Verhaeltnis erwarten. Persoenliche Freiheit ist bei einem 1,5 Milliarden Volk immer Mangelware. 5 Milliarden Mahlzeiten taeglich auf den Tisch zu stellen waere fuer jede Gesellschaft eine Herausforderung dabei kann man steten Fortschritt nur durch Stabilitaet erreichen.
Das ist richtig und nicht nur China wirft großen Schatten, auch andere wie Indien und Brasilien machen mehr Schatten. Umgekehrt wird Europas Schatten kleiner - heute machen wir noch 20% der Weltbevölkerung aus - 2050 noch 7% und 2100 nur noch 4%.
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