Inflation, Armut, Reformstau Chinas Wunderwirtschaft stößt an ihre Grenzen

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6. Teil: Banken und Börse fehlt die Transparenz


China ist keine reine Marktwirtschaft. Der Einfluss des Staats, also der alleinherrschenden Kommunistischen Partei, auf Konzerne und Banken ist so groß, dass man wohl am ehesten von einem Staatskapitalismus sprechen kann.

Das birgt durchaus Risiken, etwa beim Ausbau des Finanzsystems. In der Krise haben die Machthaber die staatlichen Banken dazu gedrängt, Kredite zu vergeben - ohne Rücksicht auf Risiken.

"Das war besonders 2009 zu beobachten", sagt DekaBank-Experte Janis Hübner. "Es wurde Geld in Infrastrukturprojekte gepumpt, deren Wirtschaftlichkeit zumindest zweifelhaft war." Im Kern seien die Kredite versteckte Staatsausgaben gewesen, die staatlichen Banken würden in einigen Fällen vergeblich auf eine Rückzahlung warten, sagt Hübner.

Auch der chinesische Aktienmarkt ist mit westlichen Verhältnissen nicht zu vergleichen: Die Transparenz lässt laut Löchel häufig zu wünschen übrig - sowohl an den Börsen wie auch bei den gehandelten Unternehmen. "Oft handelt es sich auch um Staatskonzerne, deren Aktien nur zu einem geringen Teil in den Handel kommen."

Der Ökonom hält die Bedeutung des chinesischen Aktienmarkts daher für überschätzt, dieser stehe erst am Anfang. 2010 war zudem ein schwaches Jahr - vor allem für die Börse in Shanghai. Der Shanghai Composite verlor 16 Prozent, während die westlichen Aktienmärkte kräftig zulegten.

Zwar hätten die chinesischen Börsen 2009 gegen den Trend gewonnen, sagt Hübner. Doch auch er verweist darauf, dass man bei chinesischen Aktien höheren Kursschwankungen ausgesetzt sei als in anderen Märkten.

Laut Löchel ist das vor allem für Shanghai ein Problem: Chinas Führung wolle das Land eigentlich bis 2020 zu einem internationalen Finanzzentrum ausbauen, das auf Augenhöhe mit der Wall Street und London sei. "Doch davon ist man noch weit entfernt."

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günter1934 30.12.2010
1.
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Wenn wir mit der Förderung der Erneuerbaren Energien so weitermachen wie heute, werden wir in Zukunft am Tropf der chinesischen Welthungerhilfe hängen!
++arthur 30.12.2010
2. China und USA
Ich sag schon mal "leise Servus". War schön mit dir Demokratie, Sozialstaat und Grundgesetz. Wird? Wird? Hat! HAT! Man muss sich nur mal die "Verschuldung" angucken: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Country_foreign_exchange_reserves_minus_external_debt.png Sehen sie die "grüne Macht": Das sind nicht wir!
marant 30.12.2010
3. ttt
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Das tut sie bereits mit derzeit etwa 36,7 Mld. US-Dollar. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33917/1.html
localpatriot 30.12.2010
4. Ein Viertel der Menschheit
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Groesse bringt Einfluss. Man muss mit einem Land das 20 bis 25% der Menschheit in jeder Hinsicht rechenen: - als Kunde, - als Lieferant, - als Konkurrent - als Geldgeber. In jeder Hinsicht wirft China einen grossen Schatten. Chinesen sehen Deutschland mit Respekt und so lange sich die deutschen Politiker nicht uebenehmen, kann man langfristig ein gutes Verhaeltnis erwarten. Persoenliche Freiheit ist bei einem 1,5 Milliarden Volk immer Mangelware. 5 Milliarden Mahlzeiten taeglich auf den Tisch zu stellen waere fuer jede Gesellschaft eine Herausforderung dabei kann man steten Fortschritt nur durch Stabilitaet erreichen.
Palmstroem, 30.12.2010
5. Schattenspiele
Zitat von localpatriotGroesse bringt Einfluss. Man muss mit einem Land das 20 bis 25% der Menschheit in jeder Hinsicht rechenen: - als Kunde, - als Lieferant, - als Konkurrent - als Geldgeber. In jeder Hinsicht wirft China einen grossen Schatten. Chinesen sehen Deutschland mit Respekt und so lange sich die deutschen Politiker nicht uebenehmen, kann man langfristig ein gutes Verhaeltnis erwarten. Persoenliche Freiheit ist bei einem 1,5 Milliarden Volk immer Mangelware. 5 Milliarden Mahlzeiten taeglich auf den Tisch zu stellen waere fuer jede Gesellschaft eine Herausforderung dabei kann man steten Fortschritt nur durch Stabilitaet erreichen.
Das ist richtig und nicht nur China wirft großen Schatten, auch andere wie Indien und Brasilien machen mehr Schatten. Umgekehrt wird Europas Schatten kleiner - heute machen wir noch 20% der Weltbevölkerung aus - 2050 noch 7% und 2100 nur noch 4%.
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