Inflation China erwägt strenge Preiskontrollen

Waren werden teurer, die Preise für Lebensmittel schnellen empor: Die Inflation wird für China zu einem immer größeren Problem. Im Oktober ist die Teuerungsrate auf 4,4 Prozent gestiegen. Mehreren Berichten zufolge erwägt die Regierung nun drastische Schritte.

Chinesische Verbraucher: Schmerzhafte Teuerung
AFP

Chinesische Verbraucher: Schmerzhafte Teuerung


Peking - China will die wachsende Inflation mit Preiskontrollen bekämpfen. In einem zweiten Schritt werde die Volksrepublik zudem verstärkt gegen Spekulationsgeschäfte auf Mais oder Baumwolle vorgehen, berichteten staatliche Medien am Dienstag.

Die oberste Planungsbehörde, die Nationale Kommission für Entwicklung und Reform, erarbeite derzeit ein ganzes Bündel von Maßnahmen, um die Verteuerung der Produkte abzubremsen, berichtete unter anderen das "China Securities Journal" auf seiner Titelseite. Genannt wurden Preisvorgaben, Subventionen für den Konsum sowie ein Verbot von Wucher und des Hortens von Produkten.

Die Inflation hat sich in dem stark wachsenden Schwellenland im Oktober auf 4,4 Prozent beschleunigt und lag damit so hoch wie seit 25 Monaten nicht mehr. Allein die Lebensmittelpreise legten um 10,1 Prozent zu.

Die Teuerung bleibe trotz der jüngsten Zinserhöhung ein Problem, sagte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan auf einer Konferenz. "Der Aufwärtsdruck muss beobachtet werden. Wir werden weiterhin eine angemessene Ausweitung der Geld- und Kreditmenge sicherstellen", sagte er.

Die jüngste Zinserhöhung um 50 Basispunkte auf 18,0 Prozent trat am Dienstag in Kraft. Spekulationen über einen weiteren Zinsschritt belasteten zugleich die Börsen in China und auch andere asiatische Handelsplätze. Experten erwarten, dass er noch vor Jahresende kommt.

Die Aussicht auf eine weitere Straffung der chinesischen Geldpolitik hat die Börse in Shanghai am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Der Aktienmarkt ging vier Prozent schwächer bei 2894 Punkten aus dem Handel - so niedrig wie seit einem Monat nicht mehr. Unter Druck gerieten vor allem Großbanken und Energietitel. In Hongkong schloss der Hang-Seng-Index 1,4 Prozent leichter bei 23.693 Punkten. Der H-Index der Aktien vom chinesischen Festland verlor 1,7 Prozent.

ssu/dpa/Reuters



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Kati Fu. 16.11.2010
1. Menschen machen die Geschichte - nicht umgekehrt
Zitat von sysopWaren werden teurer, die Preise für Lebensmittel schnellen empor: Die Inflation wird für China zu einem immer größeren Problem. Im Oktober ist sie auf 4,4 Prozent gestiegen. Mehreren Berichten zufolge erwägt die Regierung nun drastische Schritte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729331,00.html
Unvorstellbar, daß eine deutsche Regierung dazu in der Lage wäre, sich gegen "Marktkräfte zu stemmen". Die Chinesen wissen zum Glück noch aus der Zeit der Mao- und Marx-Schulungen, daß Menschen die Geschichte machen und nicht umgekehrt. Das können sich unsere käuflichen Pappnasen in der Regierungs-Parallelgesellschaft gar nicht vorstellen, die versuchen nur, möglichst komfortabel mitzuschwimmen. Alle.
weltoffener_realist 16.11.2010
2. Ankündigung nicht mit Ergebnis verwechseln
Zitat von Kati Fu.Unvorstellbar, daß eine deutsche Regierung dazu in der Lage wäre, sich gegen "Marktkräfte zu stemmen". Die Chinesen wissen zum Glück noch aus der Zeit der Mao- und Marx-Schulungen, daß Menschen die Geschichte machen und nicht umgekehrt. Das können sich unsere käuflichen Pappnasen in der Regierungs-Parallelgesellschaft gar nicht vorstellen, die versuchen nur, möglichst komfortabel mitzuschwimmen. Alle.
Wir sollten mal abwarten, denn bisher war dazu noch nie irgendeine Regierung oder sonstjemand in der Lage. Wir sollten nicht eine Ankündigung mit dem Ergebnis verwechseln. Sie meinen wie beim "Großen Sprung nach vorn", als die chinesische Bevölkerung ihre Töpfe und Ackergeräte einschmolz, um die Stahlproduktion zu steigern? Das Ergebnis war eine große Hungersnot und nebenbei minderwertiger unbrauchbarer Stahlschrott. Die genannten Ankündigungen sind reiner Populismus und werden sich als unbrauchbar herausstellen, warum sollte also jemand diesem Beispiel folgen? Nehmen wir z.B., die im Artikel angekündigten Subventionen für den Konsum: Durch derartige Subventionen steht mehr Geld für den Konsum zur Verfügung und die Preise steigen folglich weiter, nur zahlt dies dann der chinesische Steuerzahler. Bekämpft man so die Inflation?
susie.sunshine 16.11.2010
3. .Titelfreiheit
Zitat von Kati Fu.Unvorstellbar, daß eine deutsche Regierung dazu in der Lage wäre, sich gegen "Marktkräfte zu stemmen". Die Chinesen wissen zum Glück noch aus der Zeit der Mao- und Marx-Schulungen, daß Menschen die Geschichte machen und nicht umgekehrt. Das können sich unsere käuflichen Pappnasen in der Regierungs-Parallelgesellschaft gar nicht vorstellen, die versuchen nur, möglichst komfortabel mitzuschwimmen. Alle.
Nicht eher komfortabel surfen auf dem Rücken des Schwimmvolks?
Woolloomooloo 16.11.2010
4. die lieben Chinesen...
wollten doch unseren PIGS die Anleihen abkaufen? Damit das unsere Bad-Bank, die EZB, nicht mehr machen muss. . Aber egal: allein durch die Ankündigung von Zinserhöhungen wird sie das Euro-Ende beschleunigen. Das Gold wackelt schon und wenn die EZB jetzt nachziehen muesste: dann gute Nacht Marie...
Sherlock70 16.11.2010
5. Endlich
Endlich kommt der China-Boom da an, wo er hingehört: Ins wirtschaftliche Abseits. Das menschenverachtende Regime wird sich freilich gegen die schlechten Zahlen stemmen, und eventuell ihre gehorteten Dollars auf den Markt werfen - kurzfristig dürfte das dem weltmarkt ziemlich schaden. Aber wenn dann alle Begriffen haben, daß man China wirtschaftlich doch lieber links liegen lassen sollte, dann ist wieder alles im Lot. Auch hört dann die Speichelleckerei der Bundesregierung vielleicht endlich mal auf. Ich drück dann mal die Daumen, daß es in China so richtig Rumms macht...wirtschaftlich versteht sich. Das Volk könnte ja eventuell nochmal ne Revolution probieren, aber daran glaube ich irgendwie nicht mehr.
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