Teuerungsrate Inflation fällt auf niedrigsten Wert seit Anfang 2010

Die Teuerungsrate in Deutschland ist so gering wie seit Jahren nicht mehr. Verbraucher freuen sich über gesunkene Energiepreise, auch Obst und Gemüse wurden billiger. Doch der Europäischen Zentralbank bereitet die niedrige Inflation Sorgen.

Kühlregal im Supermarkt: Preissteigerungen niedriger, als der EZB lieb ist
DPA

Kühlregal im Supermarkt: Preissteigerungen niedriger, als der EZB lieb ist


Berlin - Sinkende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im Juli auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren gedrückt. Die jährliche Teuerungsrate lag bei 0,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Zahlen mitteilte. Eine niedrigere Rate gab es zuletzt im Februar 2010 mit 0,5 Prozent. Damals litt die Wirtschaft noch unter den Nachwirkungen der Weltfinanzkrise.

Gebremst wurde der Preisauftrieb im Juli wieder durch sinkende Energiepreise (minus 1,5 Prozent). Billiger wurden insbesondere Sprit und Heizöl. Die Nahrungsmittelpreise blieben gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Billiger wurden in den Sommermonaten vor allem Obst und Gemüse. Mehr als im Vorjahr mussten die Verbraucher dagegen für ihre Wohnungen zahlen. Die Nettokaltmieten stiegen.

Inflation deutlich unter der Zielmarke der EZB

Der Preisauftrieb in Deutschland liegt zwar immer noch höher als im Euroraum, fällt aber weit niedriger aus, als der Europäischen Zentralbank (EZB) lieb ist. Sie peilt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, um einen ausreichenden Abstand zu fallenden Preisen zu haben. Denn eine Deflation gilt als Gift für die Konjunktur, da Verbraucher angeblich auf weiter sinkende Preise spekulieren und ihren Konsum verringern. Zugleich fallen die Löhne. Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, wodurch eine konjunkturelle Abwärtsspirale in Gang kommt. Die EZB strebt deswegen eine jährliche Inflation von knapp unter zwei Prozent an.

Die Notenbank hatte Anfang Juni mit einem Anti-Krisen-Paket auf die Mini-Inflation reagiert: Der extrem niedrige Leitzins wurde nochmals gesenkt auf jetzt 0,15 Prozent. Außerdem müssen Banken Strafzinsen auf Geld zahlen, das sie bei der EZB parken. Das soll die Institute dazu bringen, mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben und so die Konjunktur anzukurbeln. Das stärkt in der Regel den Preisauftrieb.

Damit haben die Währungshüter ihre Möglichkeiten, die Wirtschaft in Gang zu bringen, weitgehend ausgeschöpft. Weitere Maßnahmen könnten aber großangelegte Käufe privater und öffentlicher Schuldtitel sein. Dieser Schritt, der auch den milliardenschweren Kauf von Staatsanleihen beinhaltet, ist allerdings umstritten. Ebenso wie ein Vorschlag von Bundesbank und EZB: Sie haben zuletzt dafür plädiert, dass die Arbeitnehmer in Deutschland in der Hochkonjunktur höhere Löhne bekommen. Damit solle die Deflationsgefahr im Keim erstickt werden.

mia/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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olddreamer 30.07.2014
1. Ein verantwortungsloses Herumschrauben
an Symptomen, und noch dazu erfolglos, das ist es, was die EZB tut.
melialhope 30.07.2014
2. Was hat die EZB mit deutschen Löhnen zu tun
Eine nicht demokratische Finanzorganisation hat in einer freien Marktwirtschaft nichts zu vermelden, die Löhne werden zwischen Arbeitnehmer - und Geber ausgehandelt. Was ist eigentlich der Unterschied zu einem kommunistischen Land, wenn plötzlich die Löhne usw. "geplannt" werden??? Höhere Löhne, höhere Preise, mehr Inflation, alles gut für die EZB??? Deutschland ist zu einer Wirtschaftslokomotive verurteilt, wir werden als Kraftstoff verheizt um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den andere reingefahren haben. Leistungsträger werden die EU langfristig verlassen, davon bin ich überzeugt. Dann bleiben nur noch die, welche sich gerne als Lokomotive ausnutzen lassen wollen oder gerne kostenlos mitfahren.
Progressor 30.07.2014
3. Guten Morgen!
Zitat von melialhopeEine nicht demokratische Finanzorganisation hat in einer freien Marktwirtschaft nichts zu vermelden, die Löhne werden zwischen Arbeitnehmer - und Geber ausgehandelt. Was ist eigentlich der Unterschied zu einem kommunistischen Land, wenn plötzlich die Löhne usw. "geplannt" werden??? Höhere Löhne, höhere Preise, mehr Inflation, alles gut für die EZB??? Deutschland ist zu einer Wirtschaftslokomotive verurteilt, wir werden als Kraftstoff verheizt um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den andere reingefahren haben. Leistungsträger werden die EU langfristig verlassen, davon bin ich überzeugt. Dann bleiben nur noch die, welche sich gerne als Lokomotive ausnutzen lassen wollen oder gerne kostenlos mitfahren.
Ihr Vorhalt trotzt nur so, man weiss nicht wo man anfangen soll. 1. Wir leben nicht in einer "Freien Marktwirtschaft". Das ist ein Modell und nirgends auf der Welt realisiert. 2. Der Arbeitsmarkt kann sich nicht wie der Gütermarkt frei nach Angebot und Nachfrage richten. Wer dies glaubt, verkennt, dass die Arbeitnehmer eine Doppelrolle als Produktionsfaktor und Konsument haben. Löhne nach Marktmacht = Rezession. 3. In einem Gemeinschaftswährungsraum übernehmen die Löhne die Funktion der dann fehlenden Wechselkurse um die Leistungsbilanzen zum Ausgleich zu bringen. Eine wie auch immer geartete "Tarifautonomie" kann es dann nicht mehr geben. Die Gefahr wäre zu groß, dass die Tarifparteien einen zu hohen oder zu niedrigen Lohn aushandeln. 4. Ein "kommunistisches" Land gab und gibt es nicht. Kommunismus bedeutet die Abwesenheit von Geld. Da muss dann das was Sie beschreiben gar nicht mehr festgelegt werden. Sie meinen wohl ein sozialistisches Land. 5. Wir sind sehr froh, dass die EZB keinem demokratischen Einfluss ausgesetzt ist. Das ist ein Fortschritt zu weniger entwickelten Ländern. 6. Deutschland ist nicht zu einer Wachstumslokomotive verurteilt. Ganz im Gegenteil, die Vorschläge der EZB, bzw. der deutschen Bundesbank werden unser Wachstum dämpfen, zu Gunsten anderer Euroländer. Das ist notwendig in einem Gemeinschaftswährungsraum. 7. Leistungsträger sollen ruhig mal auswandern, am Besten in den inneren Kongo, dort können sie beweisen, wie sie auch ohne Staat, ohne Steuern, ohne inneren Frieden, ohne Infrastruktur und ohne Bildung immer noch in der Lage sind ihre Millionen zu scheffeln.
darkview 30.07.2014
4. Das Gas wirds schon richten...
Die Energiepreise korrigieren die schrecklich niedrige Inflation schon, da mach ich mir keine Sorgen. Sanktionen gegen Russland, Energiekosten rauf, haben die Russen ja grad angekündigt. War ja vom ersten Tag an klar, wie sich dieser Sche!$ entwickeln wird. Ab 2015 wird es massive Preiserhöhung geben mit dem vorgeschobenen Grund Mindestlohn. Die Inflation meiner laufenden Kosten liegt bei +20% Miete, +35% Monatskarte, +75% Zahnzusatzversicherung, Rest ist unverändert. Davon ist das Gehaltsplus von 2% abzuziehen. Mein Brutto liegt 1/3 unter dem durchschnittlichen Erwerbseinkommen in DE. Inflation? Merk nix von.
alt_f4 31.07.2014
5. Sehr interessant
Nach den Inflationen der letzten 14 Jahre, die nach einem Warenkorb, den ich mir nicht vorstellen kann errechnet wurden, dürfte selbst Butter (Grundnahrungsmittel) kaum mehr als 30% teurer geworden sein, seit Einführung des Euro. Leider stelle ich aber fest, dass ALLE Grundnahrungsmittel um jeweils insgesamt gut 100% und mehr verteuert wurden.. und wie jeder weiss, ist die Inflation bei Grundnahrungsmitteln am niedrigsten ..
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