Schätzung von Eurostat Inflation im Euroraum steigt auf 0,4 Prozent

Die niedrige Inflation im Euroraum setzt die EZB weiter unter Druck. Zwar stieg die Teuerungsrate im Oktober ersten Schätzungen zufolge um 0,1 Prozent, der Zielwert der Zentralbank ist aber noch lange nicht erreicht.

Ein Kunde eines kleinen Supermarktes in Athen: Zögerliche Investitionen
REUTERS

Ein Kunde eines kleinen Supermarktes in Athen: Zögerliche Investitionen


Luxemburg - Zum ersten Mal seit einem halben Jahr ist die Inflation in der Eurozone wieder gestiegen - wenn auch auf niedrigem Niveau. Einer Schätzung der Statistikbehörde Eurostat zufolge lag die Jahresrate der Teuerung im Oktober bei 0,4 Prozent, im Vormonat waren es noch 0,3 Prozent.

Grund für den Anstieg waren vor allem die gestiegenen Preise für Dienstleistungen, aber auch für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak. Die Energiepreise sind hingegen rückläufig und bremsten daher die Teuerung.

Auch die leicht gestiegene Zahl liegt allerdings deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Rate von knapp zwei Prozent anstrebt. Eine zu geringe Inflation kann unter anderem dazu führen, dass Unternehmen nur zögerlich investieren und Verbraucher in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise Anschaffungen zurückstellen. Das würde das Wirtschaftswachstum hemmen.

Im Juni und September hatte die EZB bereits Schritte gegen die zu niedrige Inflation beschlossen. Experten spekulieren angesichts der anhaltend niedrigen Teuerung sowie der schwachen Konjunkturentwicklung in der Eurozone bereits darüber, ob die Notenbank auch in den groß angelegten Ankauf von Staatsanleihen einsteigt.

vks/dpa/AFP



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dapmr75 31.10.2014
1. Von der Theorie zum göttlichen Gesetz
Man muss es nur lang genug wiederholen: "Eine zu geringe Inflation kann unter anderem dazu führen, dass Unternehmen nur zögerlich investieren und Verbraucher in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise Anschaffungen zurückstellen." Mit dieser Theorie lässt sich dann ja auch perfekt und treffend das weitere Herumpfuschen der Zentralbanken erklären. Wann wird dieser Teufelskreis der Sinnfreiheit endlich durchbrochen?
hartmutkunst 31.10.2014
2. @dapmr75
das frage ich mich auch. .. Mir erschließt sich der Sinn dieser Argumentation auch überhaupt nicht. Solange dieses Denken das Handeln bestimmt, laufen wir Gefahr, dass alles an die Wand gefahren wird.
rellüMsnaH 31.10.2014
3.
@dapmr75 Das mit der geringen Investitionsbereitschaft ist aber nun mal leider so. Das hat nichts mit "Theorie" zu tun, es ist ein Effekt, der sich beobachten lässt. Geld ins System zu pumpen ist dabei schon eine richtige Maßnahme. Nur ist das eben sinnlos, wenn es keine Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen gibt. Und dafür sorgen wir europaweit mit Muttis Austeritätspolitik, Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen. Das System bricht jetzt zusammen, weil eigentlich ja nur noch das Ausland investieren könnte, aber "das Ausland" hat weltweit auch keine Lust mehr (die Gründe sind verschiedene). Insofern ist es schon richtig, was die Zentralbanken da treiben, wird zumindest nicht ursächlich für neue Investitionen sein, denn Geld ist eigentlich genug da (im Schnitt). Wenn nicht jemand bei diesen niedrigen Zinsen investiert - und die Welt zeigt mit dem Finger schon lange auf Deutschland (nur liest man darüber hier nicht so viel) - dann endet das in mindestens einem verlorenen Jahrzehnt und einer verlorenen Generation in Europa. Europa wird nach diesen Jahren nicht mehr so aussehen, wie es heute aussieht. Deutschland hat übrigens viele Jahre die Zielinflationsrate der EU konsequent unterboten. Der Sinn war, uns billiger zu machen und dadurch wettbewerbsfähiger zu werden. Das hat funktioniert, ist aber in einer Währungsunion eine beggar-your-neighbour Politik, weswegen der Zeigefinger in unsere Richtung richtig ist.
Koma_Kulshan 31.10.2014
4. Warum Deflation so gefährlich ist
Häufig liest man, dass eine Deflationsspirale dadurch verursacht wird, dass die Leute bei einer sowieso schon herrschenden Deflation Anschaffungen verschieben, weil erwartet wird, dass sie noch günstiger werden. Diese Auffassung ist meines Erachtens falsch. Deflation ist (fast immer) Ausdruck einer nicht ausreichenden aggregierten Nachfrage - nicht ausreichend in dem Sinne, dass Unternehmer die produzierten Waren nicht zu den bisherigen Preisen absetzen können. Folglich senken sie ihre Preise und versuchen doch noch etwas Geld mit den "Ladenhütern" zu verdienen. Die geringe Nachfrage führt auch dazu, dass weniger investiert wird und Mitarbeiter entlassen werden. Sowohl die geringeren Investitionen als auch der geringere Beschäftigungsstand führt dazu, dass die aggregierte Nachfrage noch weiter fällt und sich die Deflationsspirale dreht. Die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust lässt die Sparquote ansteigen, während gleichzeitig die Investitionen sinken. Eine Gesellschaft als Ganzes kann aber nur in Form von Investitionen sparen - nicht indem sie Papiergeld im Sparstrumpf hortet. Sparen heißt schließlich etwas Wertvolles für einen späteren Zeitpunkt aufzubewahren oder noch besser, eine Investition zu tätigen, die zu einem späteren Zeitpunkt Erträge abwirft, die möglichst größer sind, als das, was man ursprünglich gespart hat. (Dies klappt insbesondere dann gut, wenn Kapital knapp ist.) Hinzu kommt, dass die geringe Beschäftigungsquote Druck auf die Löhnhöhe ausübt (Arbeit ist auf dem Arbeitsmarkt weniger knapp wenn viele Arbeitslose Arbeit suchen), die Löhne also nicht steigen, und schon deshalb die Teuerungsrate nicht weiter steigt. Theoretisch stellt dies zwar auch einen Anreiz da zu investieren (also Nachfrage nach Investitionsgütern zu erzeugen), der Effekt ist aber angesichts der mangelnder Nachfrage für die Güter, die diese Investitionsgüter produzieren sollen und des hohen Risikos in einer Rezession schwächer als die gegenteilig wirkenden Effekte. Hinzu kommt, dass die Deflation und der zwangsläufig damit zusammenhängende niedrige Nominalzins (aufgrund der geringen Kapitalnachfrage) auch noch ein Anreiz zum Horten von Geld darstellt (oder ein Anreiz nicht nachfragewirksame Güter wie Land oder Gold zu kaufen). Horten ist in so einer Situation aber noch schädlicher als das Sparen!
ichsagemal 31.10.2014
5.
... Deflation wird insb. in Deutschland gerne unterschätzt. Amerika und Japan kennen das und fanden das garnicht lustig und leider hält die i.d.R. lange an. Schon im 1. Semester VWL ein ernstes Thema.
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