Schub bei Preissteigerung: Inflation und mattes Wachstum plagen Chinesen

Das Leben wird schwieriger für Chinas gewachsene Mittelschicht. Entgegen den Erwartungen ist die Inflation jetzt wieder markant gestiegen - Hauptursache war ein Schub bei den Lebensmittelpreisen. Zugleich deuten Daten auf ein Nachlassen des Wirtschaftswachstums hin.

Gemüsemarkt in Qingdao: Weniger Wachstum als bisher, hohe Preise für Alltagsprodukte Zur Großansicht
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Gemüsemarkt in Qingdao: Weniger Wachstum als bisher, hohe Preise für Alltagsprodukte

Peking - Analysten hatten mit einer geringeren Inflation gerechnet. Doch entgegen den Erwartungen hat die Teuerungsrate in China leicht angezogen: Im März legten die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,6 Prozent zu, wie die nationale Statistikbehörde am Montag mitteilte. Analysten hatten lediglich ein Plus von 3,3 Prozent erwartet - denn noch im Februar hatte sich die Inflation des Landes mit 3,2 Prozent auf ein 20-Monatstief abgeschwächt.

Als Grund für den überraschenden Anstieg gelten vor allem die Lebensmittelpreise, die laut Statistikbehörde um 7,5 Prozent stiegen. Im Februar lag die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahresmonat noch bei 6,2 Prozent. "Der März war ein relativ kalter Monat im Norden", erläuterte Li Wei von Standard Chartered in Shanghai. "Das hat wohl dazu beigetragen, dass der Verbraucherpreis-Index für Lebensmittel höher als erwartet ausgefallen ist." Viele Chinesen müssen jetzt schon das Gros ihres monatlichen Etats für Essen und Wohnen ausgeben.

Volkswirte gehen mittelfristig wieder von einer nachlassenden Teuerung aus - zugleich nehmen die Sorgen um das Wachstum zu. Die Regierung in Peking hatte zuletzt ihren Fokus von der Inflationsbekämpfung auf die Konjunkturbelebung verschoben. So hatte sie zusätzliche Kredite für Unternehmen angekündigt, die unter dem Nachfragerückgang auf den internationalen Märkten leiden.

Ein Zusammentreffen von noch hohen Lebensmittelpreisen und zurückgehendem Wachstum dürfte das Alltagsleben für viele Normalchinesen weiter erschweren.

Am kommenden Freitag werden Daten zur Wirtschaftsleistung im ersten Quartal veröffentlicht. Volkswirte rechnen im Schnitt mit einem für China relativ schwachen Wachstum von etwa acht Prozent. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres hatte die chinesische Wirtschaft noch um 8,9 Prozent zugelegt. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds forderten Peking auf, sich auf ein Abflauen der Konjunktur vorzubereiten.

Sorgen bereitet manchen Ökonomen derzeit die Entwicklung der Erzeugerpreise, die im März um 0,3 Prozent zurückgingen. Dies könne ein Hinweis auf eine Abschwächung der Nachfrage sein. "Das hat Einfluss auf unseren Ausblick, wie schnell sich die Wirtschaft erholt", sagte Analystin Ren Xianfang von IHS Global Insight in Peking.

In den vergangenen Jahren hatte die chinesische Regierung im Kampf gegen die Inflation die Kreditvergabe immer wieder gedrosselt. Damit sollte das Wirtschaftswachstum auf ein nachhaltiges Niveau gedrückt werden. Noch im Juli vergangenen Jahres lag die Inflationsrate bei 6,5 Prozent. Im Dezember änderte die Regierung allerdings ihre Strategie und kündigte an, die Regeln für die Kreditvergabe zu lockern. Einzelheiten wurden bislang noch nicht bekanntgegeben. Finanzanalysten gehen jedoch davon aus, dass der Zugang zu Krediten bereits erleichtert wurde.

siu/Reuters/dapd

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1. Natürlicher Vorgang
Pizza No.7 09.04.2012
Zitat von sysopDPADas Leben wir schwieriger für Chinas gewachsene Mittelschicht. Entgegen den Erwartungen ist die Inflation jetzt wieder markant gestiegen - Hauptursache war ein Schub bei den Lebensmittelpreisen. Zugleich deuten Daten auf ein Nachlassen des Wirtschaftswachstums hin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,826375,00.html
Preissteigerungen sind halt ein ganz natürlicher Vorgang in einem ganz normalen Wirtschaftsumfeld, wie es bei uns im Westen seit Jahrzehnten üblich ist. Nachdem China nur noch auf dem Papier kommunistisch geprägt ist, müssen sich die Verbraucher damit abfinden, daß irgendwer irgendwo die Preise erhöht, sei es, weil die Kosten für die Produktion gestiegen sind. Oder der Lebensmittelproduzent eine neue Yacht kaufen möchte.
2. Es gibt eben kein dauerhaftes Wachstum
Xircusmaximus 09.04.2012
Zitat von sysopDPADas Leben wir schwieriger für Chinas gewachsene Mittelschicht. Entgegen den Erwartungen ist die Inflation jetzt wieder markant gestiegen - Hauptursache war ein Schub bei den Lebensmittelpreisen. Zugleich deuten Daten auf ein Nachlassen des Wirtschaftswachstums hin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,826375,00.html
. Westeuropa und Amiland, haben schon seit 40 Jahren keines mehr. Hierzulande gibt es nur noch Wachstum auf Kreditkarte ( Jeremy Rifkin ) und die daraus resultierenden Schulden, wird kein Mensch mehr abzahlen können. Allein Griechenland müsste 5 Jahre lang komplett aufhören zu essen zu trinken oder gar zu leben , gleichzeitig aber ständig arbeiten um die Kredite bedienen zu können. Die ganze Geldwirtschaft ist völlig absurd. Sie kann keine frohe Zukunft haben.
3. Titelbild ausgetauscht
aliquando 09.04.2012
...und schwupp ist das Titelbild ausgetauscht. Tote Fische sind wohl nicht so attraktiv wie ein Stand voll Gemüse. Gab es schon Beschwerden?
4. Schwaches Wachstum bei über 8 %
Stauss 09.04.2012
Preissteigerung dabei über 3 %. Katastrophe!!!! Was ist es dann eigentlich noch superlatiefst, wenn die deutschen Regierungen und deren Journalisten seit über 20 Jahren dem Volk den Ervolk ihrer Wirtschaftpolitik verkaufen wollen? Wenn Nachrichten zur Lüge verkommen....beginnt immer noch nicht Chinas Untergang.
5. Der Westen sollte
michaelslo 09.04.2012
Zitat von sysopDPADas Leben wir schwieriger für Chinas gewachsene Mittelschicht. Entgegen den Erwartungen ist die Inflation jetzt wieder markant gestiegen - Hauptursache war ein Schub bei den Lebensmittelpreisen. Zugleich deuten Daten auf ein Nachlassen des Wirtschaftswachstums hin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,826375,00.html
sich nicht so "besorgt" um China zeigen. Dessen Probleme sind harmlos gegenüber denen der EU-Schuldenunion.
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