Deflationsgefahr in Europa Bundesbank rechnet mit dauerhafter Mini-Inflation

Die Deflationsgefahr in Europa ist nicht gebannt. Erst 2016 wird die Inflationsrate laut Bundesbank wieder dem Wunschwert der EZB entsprechen. Das kräftige Wirtschaftswachstum in diesem Jahr soll dazu beitragen.

Bundesbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Zunehmend optimistisch
Deutsche Bundesbank

Bundesbank-Zentrale in Frankfurt am Main: Zunehmend optimistisch


Berlin - Die Inflationsrate in Deutschland wird nach Ansicht der Bundesbank noch auf absehbare Zeit weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank von knapp zwei Prozent bleiben. Erst für 2016 veranschlagt die deutsche Zentralbank mit 1,9 Prozent wieder einen Wert in der Nähe dieser Zielmarke, wie es in dem am Freitag veröffentlichten Frühjahrbericht heißt. "Die zu erwartenden Verknappungen am Arbeitsmarkt werden sich nach der Prognose in höheren Lohnsteigerungen niederschlagen wie auch der neue allgemeine Mindestlohn", schreiben die Währungshüter.

Die Notenbanker sagen für das laufende Jahr nach europäischer Berechnung einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,1 Prozent und für 2015 um 1,5 Prozent voraus. 2016 werde die Inflationsrate weiter auf 1,9 Prozent steigen. Im Mai war die Teuerung hierzulande nach dieser Berechnungsmethode auf 0,6 Prozent gesunken und hatte die Sorge vor einer Deflation verstärkt.

Einen Beitrag zur steigenden Inflation dürfte auch die Konjunktur leisten, die die Bundesbank für dieses Jahr zunehmend optimistisch beurteilt. Sie hob ihre Prognose für das Wachstum 2014 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent an, wie aus den am Freitag veröffentlichten Daten hervorgeht. Im nächsten Jahr rechnet sie mit einem Plus von 2,0 Prozent und 2016 mit 1,8 Prozent Wachstum.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnte jedoch trotz der insgesamt günstigen Aussichten vor den Risiken, die sich vor allem aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld ergeben: "Erhöhte geopolitische Spannungen oder eine erneute Zuspitzung der Krisen im Euroraum würden das BIP-Wachstum nicht nur über den Außenhandel, sondern auch über Vertrauenseffekte dämpfen." Die Zahl der Arbeitslosen soll sich in diesem und im nächsten Jahr bei rund 2,8 Millionen einpendeln.

Von der guten Konjunktur profitiert auch der Fiskus. "Der deutsche Staatshaushalt könnte zudem bis 2015 in etwa ausgeglichen bleiben, im Jahr 2016 könnte ein merklicher Überschuss erreicht werden", teilte die Bundesbank mit. Dahinter stehen den Bundesbank-Ökonomen zufolge vor allem die günstige Konjunktur und weiter sinkende Zinslasten. Eine bessere Haushaltsentwicklung wird aus Sicht der Bundesbank jedoch durch finanzpolitische Maßnahmen wie das kürzlich vom Bundestag verabschiedete Rentenpaket behindert.

mik/Reuters

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Progressor 06.06.2014
1. Inflation - Geldpolitik - Mindestlöhne
"Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen." Milton Friedman Wenn man den Monetaristen Glauben schenkt, dann wird man natürlich den Zentralbanken die Inflationssteuerung überlassen. Das Dumme an das Sache ist nur, dass dies theoretisch als falsch dargestellt werden kann und nun auch noch eine empirische Bestätigung findet. Nicht nur bei uns in Europa, sondern auch in den USA, in Japan und bestimmt auch noch überall in der Welt. Damit keine Missverständnisse entstehen: Geldpolitik ist nicht überall und nicht immer ganz nutzlos. Es ist aber eine Schönwetterveranstaltung die nun sichtbar für jeden ihr Ende gefunden hat. Das muss mal langam in die Birnen rein. Und nun, oh Wunder, man bringt in diesem Artikel die Lohnentwicklung mit der Entwicklung der Inflationsrate in Zusammenhang. Das ist langsam mal überfällig gewesen. Die Zentralbanken können die _nachfragewirksame_ Geldmenge nicht bestimmen, sondern nur den Zinssatz und mit dem ist Feierabend und zwar für immer, abgesichts der Massen an Geldern die im Finanzkasino herumgeistern ohne in der Realität für mehr Konsum und Investitionen zu sorgen. Es war einmal, die Geldpolitik so wie wir sie kannten. Nix Inflationssteuerung, nix Konjunkturankurbelung mehr. Ich rate die Inflationssteuerung dem Instrument (flexible) Mindestlöhne zu überlassen und das Induzieren des jährlichen Wirtschaftswachstum den guten bewährten staatlichen Konjunkturprogrammen auf Pump. Die Zentralbanken können sich hier mit zins- und tilgungslosen Krediten an die Staaten nützlich machen. Sonst aber auch nichts mehr und wenn man die Nebenwirkungen der Geldpolitik in der Vergangenheit ansieht, kann man sagen, sie war schon immer eine Fata Morgana gewesen.
BettyB. 06.06.2014
2. Wann bitte...
Wann hat die Bundesbank schon mal richtig gerechnet, zumal, wenn es um die Zukunft ging?
freespeech1 06.06.2014
3. optional
Inflation ist geil!!! Interessant, wie sich die Ziele der Wirtschaftspolitik ändern. Früher war Preisstabilität noch Ziel der Wirtschaftspolitik.
Achmuth_I 06.06.2014
4. Deshalb...
Zitat von freespeech1Inflation ist geil!!! Interessant, wie sich die Ziele der Wirtschaftspolitik ändern. Früher war Preisstabilität noch Ziel der Wirtschaftspolitik.
...hatten wir auch in der BRD unter der D-Mark Inflationsraten bis zu 8 %. Komischerweise sehen wir das große Gejammere über diese Probleme erst seit der Einführung des Stahlharten Euro. Noch merkwürdigererweise jammern wir jetzt über die Probleme, welche wir genau mit dieser Stabilität haben.
dr.lk 06.06.2014
5. welcher Mindestlohn?
Wie die ARD-Sendung ''Kontraste'' gestern am 05.06.14 bestätigt hat, sieht der SPD-Gesetzentwurf vor, dass der Mindestlohn nicht gelten soll, wenn Stucklöhne vereinbart wurden. Also z.B. 6 ? pro Hotelzimmer reinigen, auch wenn es 75 Minuten dauert. Macht dann immer noch 4,80 ? Stundenlohn - auch mit dem neuen Gesetz. Dabei waren ja genau solche absurden Konstruktionen der Grund, weshalb man mit einem Mindestlohn aufräumen wollte. SPD = FDP? Möchte man fast meinen.
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