Inflation: Für Staatsangestellte blieb trotz Lohnplus weniger
Deutsche Arbeitnehmer haben im Januar 2012 mehr verdient als im selben Monat vor einem Jahr. Trotzdem blieb für viele unterm Strich ein Minus - laut Statistischem Bundesamt stiegen die Preise schneller als die Gehälter.
Berlin - Die Löhne und Gehälter sind zu Jahresbeginn gestiegen - allerdings langsamer als die Preise. Die tariflichen Monatsverdienste kletterten im Januar um durchschnittlich zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Die Inflationsrate lag mit 2,1 Prozent knapp darüber, so dass ein reales Minus von 0,1 Prozent herauskam. Zuletzt konnten Arbeitnehmer im Juli 2010 einen realen Zuwachs verbuchen, dieser fiel allerdings mit 0,1 Prozent sehr mager aus.
Im Durchschnitt fraß zwar die Inflation das Lohnplus auf, doch nicht bei allen Arbeitnehmern kam ein Minus heraus. Laut den Statistikern kamen Tarifbeschäftigte in der Privatwirtschaft bei den Lohnsteigerungen deutlich besser weg. Ihnen blieb zu Jahresbeginn auch real mehr in der Tasche, weil ihre Tarifverdienste um 2,6 Prozent zulegten. Damit wurde der Preisanstieg mehr als ausgeglichen.
Deutlich schlechter kamen Beschäftigte in den Bereichen Öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen weg. Dort fiel das Tarifplus mit 0,9 Prozent nicht einmal halb so stark aus wie die Teuerungsrate.
Die Inflationsrate wird Experten zufolge in diesem Jahr bei gut zwei Prozent liegen. Trotz Teuerung können viele Arbeitnehmer in den kommenden Monaten mit einem Lohnplus rechnen. Die ersten Tarifabschlüsse in diesem Jahr lassen auf ordentliche Zuwächse hoffen. Die rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen erhalten innerhalb von zwei Jahren stufenweise 6,3 Prozent mehr Geld. Die 130.000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post bekommen seit 1. April vier Prozent mehr, 33.000 Mitarbeiter der Lufthansa erhalten seit Jahresbeginn 3,5 Prozent mehr.
Die IG Metall kämpft derzeit mit Warnstreiks für höhere Löhne. Sie will für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ein Lohnplus von 6,5 Prozent herausholen.
Deutsche Arbeitnehmer sind produktiver
Die Statistiker in Wiesbaden untersuchten auch die Produktivität der Arbeitnehmer. Das Ergebnis: Die Deutschen haben zuletzt immer weniger gearbeitet und dabei trotzdem immer mehr geleistet. Die Arbeitsproduktivität in Deutschland stieg von 1991 bis 2011 um 22,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Je Stunde, die ein deutscher Erwerbstätiger arbeitet, stieg die Produktivität sogar um 34,8 Prozent. Ursache dafür ist laut Statistik, dass sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in den vergangenen 20 Jahren um neun Prozent verringerte.
Laut den Daten stiegen die Lohnkosten von 1991 bis 2011 um 47,5 Prozent. Die Verbraucherpreise stiegen in der gleichen Zeit etwas weniger stark - um 45,8 Prozent.
mmq/Reuters/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wirtschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Staat & Soziales
- RSS
- alles zum Thema Löhne und Gehälter
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Montag, 30.04.2012 – 11:45 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 20 Kommentare
- Arbeitslosigkeit weltweit: Uno kritisiert strikte Sparpakete der Regierungen (30.04.2012)
- Rapider Anstieg: Psychische Erkrankungen verursachen 54 Millionen Fehltage (30.04.2012)
- Kameras bei Discounter: Aldi-Filialleiter filmten heimlich Kundinnen (28.04.2012)
- Tarifkonflikt: IG Metall droht mit unbefristeten Streiks (25.04.2012)
- Europaweiter Vergleich: Eine deutsche Arbeitsstunde kostet 30,10 Euro (24.04.2012)
MEHR AUS DEM RESSORT WIRTSCHAFT
-
Börsen
Dax, Dow, Nikkei und Ihr persönliches Portfolio: Die Weltbörsen im Überblick -
Gehalt-Check
Brutto-Netto-Rechner: Berechnen Sie Ihr Gehalt -
Konjunktur
Alle wichtigen Wirtschaftsdaten: Arbeitslosigkeit, Brutto-
inlandsprodukt und Inflation -
Finanztest
Im Test: Finanztipps und mehr - was Sie als Verbraucher unbedingt wissen sollten -
Mehr Wirtschaft
Die Angebote von manager-magazin.de und harvardbusiness
manager.de

