Verbraucherpreise Die Mini-Inflation und ihre Folgen

Die geringen Preissteigerungen dürften uns noch eine Weile erhalten bleiben - trotz der Milliarden, die die EZB in die Märkte pumpt. Wer profitiert? Wo liegen die Gefahren? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Fußgängerzone in München: Hoffen auf den Konsum
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Fußgängerzone in München: Hoffen auf den Konsum


Steigende Preise haben deutsche Verbraucher in den vergangenen Monaten kaum gespürt. Die jährliche Teuerungsrate sank im Dezember sogar wieder auf 0,3 Prozent - nachdem sie zuvor zwei Monate in Folge leicht angezogen hatte. Im November hatten die Statistiker ein Plus von 0,4 Prozent festgestellt. Die kräftigste Steigerung der jährlichen Inflationsrate im Jahr 2015 hatte der Mai gebracht - gerade einmal 0,7 Prozent. Für das Gesamtjahr 2015 errechnete das Bundesamt eine Inflationsrate von 0,3 Prozent - damit stiegen die Verbraucherpreise so langsam wie zuletzt im Jahr der Wirtschaftskrise 2009.

Warum ist die Inflation so niedrig?

Hauptgrund ist das billige Öl. Der Schmierstoff der Weltwirtschaft wurde 2015 nochmals günstiger - unter anderem weil Öl-Mächte wie Saudi-Arabien den Markt weiterhin mit dem Rohstoff fluteten und die USA die eigene Produktion durch Fracking kräftig hochfuhren. Kurz vor Weihnachten beispielsweise war Öl aus der Nordsee zwischenzeitlich so billig wie seit 2004 nicht mehr: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wurde zu einem Preis von knapp über 36 Dollar gehandelt.

Weil Energie - also Kraftstoffe und Heizöl, aber auch Gas und Strom - mit fast elf Prozent in die Berechnung der Teuerungsrate einfließen, dämpfen solche Entwicklungen den Preisauftrieb insgesamt.

Wer profitiert von den niedrigen Preisen?

Autofahrer sparen beim Tanken, Verbraucher beim Heizen ihrer Häuser und Wohnungen. Der Liter Diesel kostete im Dezember an der Tankstelle zeitweise deutlich weniger als einen Euro - das gab es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Die ohnehin schon niedrigen Heizölpreise sackten zum Jahresende ebenfalls noch mal ab. Das gibt Verbrauchern mehr Spielraum, Geld für andere Dinge auszugeben.

Die Kaufkraft steigt auch, weil Lohnerhöhungen wegen der Mini-Inflation fast vollständig im Geldbeutel der Beschäftigten bleiben. Im Schnitt lagen die Reallöhne in den ersten drei Quartalen 2015 um gut 2,5 Prozent über Vorjahresniveau, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Auch die Industrie profitiert. "Für die ölimportierenden Länder ist der strukturell niedrige Ölpreis ein deutlicher Wettbewerbsvorteil", bilanziert die Helaba.

Warum machen sich Währungshüter Sorgen?

Wenn die Preise für viele Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum kaum noch oder gar nicht mehr steigen, besteht die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmer bei Investitionen bremsen, weil sie darauf hoffen, dass die Preise womöglich sinken. Dies könnte die Konjunktur abwürgen.

Um gegenzusteuern, flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte mit billigem Geld. Der Leitzins verharrt knapp über null, seit März pumpt die Notenbank zudem monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Das umstrittene Programm wurde gerade erst um ein halbes Jahr bis März 2017 verlängert.

Was soll die Geldflut bringen?

Das Kalkül der Mehrheit im EZB-Rat um Notenbankpräsident Mario Draghi: Das billige Geld kommt über Banken in Form von Krediten bei Verbrauchern und Unternehmen an und schiebt so Konjunktur und Preisauftrieb an. Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an. Dieser Wert ist aus Sicht der Währungshüter weit genug von der Nulllinie entfernt - und baut der Gefahr einer Deflation vor, also einem Preisverfall über einen längeren Zeitraum quer durch alle Warengruppen.

Wie werden sich die Preise 2016 entwickeln?

Die Inflation sowohl in Deutschland als auch im Euroraum dürfte nach Einschätzung von Volkswirten allmählich anziehen, allerdings weiterhin deutlich vom Zwei-Prozent-Ziel der EZB entfernt bleiben. Die Bundesbank rechnet für 2016 mit einem stärkeren Preisauftrieb in Deutschland unter anderem deshalb, "weil die Rohölnotierungen ihre inflationsdämpfende Wirkung nach und nach verlieren dürften". Die Bundesbank erwarte nach ihrer jüngsten Prognose für 2016 eine Inflationsrate von 1,1 Prozent. Erst 2017 würde die Teuerung demnach wieder auf 2,0 Prozent klettern.

Auch die EZB rechnet trotz ihrer massiven Eingriffe nur mit einem langsamen Anstieg der Verbraucherpreise. 2016 sieht die Euro-Notenbank die Inflationsrate im Euroraum bei 1,0 Prozent, 2017 bei 1,6 Prozent.

Wie wird die Teuerungsrate eigentlich berechnet?

Monat für Monat schwärmen Preiserheber der Statistischen Landesämter und des Wiesbadener Bundesamtes aus. Die 600 Frauen und Männer notieren bundesweit in Geschäften, was Obst und Gemüse, Bücher und Zeitschriften, Schuhe und Möbel kosten. Wie hoch ist der Listenpreis für ein Auto, was kostet eine Pauschalreise, was der Sprit an der Tankstelle?

Mehr als 300.000 Einzelpreise von Waren und Dienstleistungen werden so repräsentativ nach einem stets gleichen Schema erfasst. Der Warenkorb umfasst rund 600 Güterarten. Den größten Anteil hat der Bereich Wohnen (Mieten, Strom, Gas) mit fast 32 Prozent. Gut zehn Prozent entfallen auf Lebensmittel. Auf dieser Grundlage berechnet das Statistische Bundesamt die Verbraucherpreisentwicklung.

mik/dpa



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insgesamt 36 Beiträge
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sapereaude! 04.01.2016
1. Das gilt nur für Wohlhabende!
Die Lebensmittelpreise sind laut Angaben des Deutschen Bauernverbandes um 1,1% gestiegen (http://www.bauernverband.de/lebensmittelpreise-steigen-erzeugerpreise-sinken). Auch das statistische Bundesamt meldet ähnliche Werte (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/01/PD16_002_611.html). Mieten und Dienstleistung sind auch über ein Prozent teurer geworden (ebenda). Ein(e) GeringverdienerIn muss sein/ihr verfügbares Geld hauptsächlich für diese Dinge verwenden und erfährt damit eine viel höhere Inflation.
schneewolke 04.01.2016
2.
Die Politik der EZB ist falsch. Ob der EZB Zins nun bei 0,03 oder 0,001 liegt ist der Wirtschaft vollkommen uninteressant. Da spielen andere Faktoren , wie z.B. frei Handel und Rechtssicherheit eine Viel größere Rolle. Die EZB möchte nur Inflation hochtreiben um die Schuldner - inbesondere die Staaten zu entschuldigen. Eine hohe Inflation auch 2 % sozial ungerecht. Dieser Zielwert hatte aus diesem Grund die Bundesbank nie.
hanfiey 04.01.2016
3. Ölpreise
Wenn wir in der EU den US-Dollar hätten würde ich zustimmen. Da der Euro aber nach unten gedrückt wird und im letzten Jahr alleine 10% verloren hat hält hat sich das mit billig-Öl in Grenzen.
frank57 04.01.2016
4. Die Wortwahl
wird mit zunehmender Zeit immer treffender! Erzeuger und Verbraucher! Die Erzeuger steuern den Verbraucher in jede beliebige Richtung, machen Profite und lassen den Verbraucher glauben das er was zu sagen hätte.....mit Wahlen:-)
ziehenimbein 04.01.2016
5. Gilt aber leider nur für Einige!
Wer deutlich weniger Geld zur Verfügung hat profitiert nicht von sinkenden Ölpreisen, dafür braucht man ein Fahrzeug. Ich schätze, knapp die Hälfte der Bevölkerung sieht sich deutlicher steigenden Preisen gegenüber.
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