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Insider-Vorwürfe: Schweizer Notenbankchef tritt zurück

Der Präsident der Schweizer Nationalbank hat seinen Rückzug erklärt. Philipp Hildebrand werde mit sofortiger Wirkung zurücktreten, kündigte das Institut an. Er steht seit Wochen wegen des Verdachts des Insiderhandels bei Devisengeschäften in der Kritik.

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Schweizer Notenbankchef Hildebrand: Vorwurf des Insider-Handels

Zürich - Der wegen umstrittener Devisengeschäfte unter Beschuss geratene Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, tritt mit unmittelbarer Wirkung zurück. Das teilte die SNB am Montag mit.

Hildebrand stand seit Wochen in der Kritik. Seine Ehefrau, eine Galeristin und frühere Hedgefonds-Händlerin, hatte am 16. August insgesamt 400.000 Franken in Dollar umgetauscht. Das Geschäft erfolgte nur drei Wochen bevor die SNB ankündigte, sie werde mit Devisenkäufen einen Euro-Franken-Kurs von 1,20 Franken verteidigen..

In den Monaten zuvor hatten sich viele verunsicherte Anleger in den Franken geflüchtet. Das trieb den Kurs der Schweizer Währung massiv in die Höhe und bedrohte die exportabhängige Wirtschaft des Landes. Nach der Ankündigung des Höchstkurses verlor der Franken stark an Wert. Als Hildebrands Frau die Devisen am 4. Oktober wieder abstieß, machte sie deshalb rund 75.000 Franken Gewinn.

Hildebrand blieb bei der Aussage, dass seine Frau ohne sein Wissen gehandelt habe. Dafür könne er jedoch keinen "abschließenden und definitiven Beweis" liefern. Mit dem Rücktritt wolle er dafür sorgen, dass die Nationalbank ihre Glaubwürdigkeit erhalten könne. Er wäre sonst unter Umständen nicht mehr in der Lage gewesen, in nächster Zeit schwierige Entscheidungen zu treffen und diese umzusetzen. In der vergangenen Woche hatte Hildebrand einen Rücktritt noch abgelehnt.

"Dieser Schritt erfüllt mich mit Traurigkeit", sagte Hildebrand. Die letzten drei Wochen seien für seine Familie und für ihn selbst sowie für die Bundespräsidentinnen eine schwierige Zeit gewesen. Der 48-Jährige erklärte sich bei einer Pressekonferenz im Bundeshaus. Dort sollte er vor der Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK) zusammen mit Bankratspräsident Hansueli Raggenbass und Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf Rede und Antwort stehen.

Selbstmordversuch von Informant

Am Sonntag war bekannt geworden, dass der Informant in der Hildebrand-Affäre versuchte, sich das Leben zu nehmen. Der 39-jährige Informatiker sei in das Krankenhaus von Münsterlingen im Kanton Thurgau eingeliefert worden, berichtete die Schweizer "SonntagsZeitung". Hildebrand sei bereits am Dienstag über den "instabilen mentalen Zustand" des Mannes informiert worden. Er hatte im Zusammenhang mit dem Devisengeschäft Bankdaten weitergegeben und damit das Bankgesetz verletzt.

Hildebrand führte die SNB seit Anfang 2010, zuvor war er als Vize für Finanzstabilität zuständig. In seiner kurzen Amtszeit ging Hildebrand kaum einem Konflikt aus dem Weg. So forderte er nach der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers strengere Eigenkapitalvorschriften für die
Schweizer Großbanken UBS Chart zeigenund Credit Suisse Chart zeigen und machte sich damit in der heimischen Bankenlandschaft nicht nur Freunde.

mmq/dab/Reuters/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Beispielgebend!
PRhodan 09.01.2012
Es gibt noch Menschen mit Rückgrad. Hallo Herr Wulff!
2. Sollte...
blubberdieblubb 09.01.2012
...sich mal ein anderer "Präsident" ein Beispiel dran nehmen
3. ===
Originalaufnahme 09.01.2012
Zitat von sysopDer Präsident der Schweizer Nationalbank hat seinen Rückzug erklärt. Philipp Hildebrand werde mit sofortiger Wirkung zurücktreten, kündigte das Institut an. Er steht seit Wochen wegen des Verdachts des Insiderhandels bei Devisengeschäften in der Kritik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,808013,00.html
Herr Wulff sollte sich daran ein Beispiel nehmen.
4. Warum das denn?
lmike 09.01.2012
Zitat von sysopDer Präsident der Schweizer Nationalbank hat seinen Rückzug erklärt. Philipp Hildebrand werde mit sofortiger Wirkung zurücktreten, kündigte das Institut an. Er steht seit Wochen wegen des Verdachts des Insiderhandels bei Devisengeschäften in der Kritik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,808013,00.html
Das wurde doch über seine Frau abgewickelt. Das erinnert doch sehr an Frau Geerken und unseren Sitzenbleiber im Bellevue.
5.
Altesocke 09.01.2012
Zitat von sysopDer Präsident der Schweizer Nationalbank hat seinen Rückzug erklärt. Philipp Hildebrand werde mit sofortiger Wirkung zurücktreten, kündigte das Institut an. Er steht seit Wochen wegen des Verdachts des Insiderhandels bei Devisengeschäften in der Kritik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,808013,00.html
So, der erste Skandal-Praesi ist gegangen. Warten wir auf den anderen. Wobei ich sicher bin, das der BP das a.D. schon fest im Auge hat. Nur noch Rueckzugsgeplaenkel, weil besser kann er es doch eh nicht haben. Nach BP ist jedwede andere politische Taetigkeit illusorisch, warum also noch 3.5 Jahre machen, wenn er doch gleich mit den Bezuegen in Ruhe gehen kann?
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