Inflation IWF-Chefvolkswirt empfiehlt höhere Lohnabschlüsse

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will Steuern senken. Doch ausgerechnet der neoliberale IWF warnt - und ruft im SPIEGEL die Gewerkschaften zu höheren Lohnabschlüssen auf.

IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld
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IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Steuersenkungspläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) skeptisch. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. (Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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"Die Bundesregierung wäre schlecht beraten, die Haushaltsüberschüsse nur durch Steuersenkungen abzubauen", sagt IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Stattdessen sollte sie das Geld investieren.

Schäubles Argument gegen weitere Staatsausgaben für Straßen und Brücken: Die Bauwirtschaft arbeite schon jetzt an der Kapazitätsgrenze. Das lässt Obstfeld nicht gelten. Zusätzliche Ausgaben machten Deutschland produktiver und übten Druck auf Löhne und Preise aus. "Das würde der EZB helfen, ihr Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen", sagte Obstfeld.

Aus demselben Grund ruft er die Gewerkschaften in Deutschland auf, ihre Zurückhaltung aufzugeben. Die Tarifabschlüsse seien angesichts der guten Wirtschaftslage zu niedrig. "Die Tarifparteien sollten auf höhere Lohnvereinbarungen abzielen", schlägt der Ökonom vor.

Derzeit sei es kein Problem, wenn die Abschlüsse etwas höher lägen als die Produktivitätszuwächse, weil es wichtig sei, dass die Preise im Euroraum wieder um zwei Prozent stiegen. "Deshalb kann die Inflation in Deutschland geringfügig höher sein."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 44 Beiträge
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willibaldus 14.10.2016
1. Der IWF kann ja doch vernünftig sein.
Aber Schäuble hat auch recht. Wenn die Bauwirtschaft ausgelastet ist, bringen mehr Aufträge nichts. Dann schon lieber ordentliche Lohnabschlüsse, gerne auch höheren Mindestlohn.
steinbock8 14.10.2016
2. Mit der Regierung
Mit der Politik gleich Lobbyisten gleich Aufsichtsräte in diesem Land niemals
salkin 14.10.2016
3.
Was sind denn nun wieder für Argumente. Jeder, der sich ein wenig in der Baubranche auskennt weiß, dass das Argument von Schäuble stimmt. Wenn man nun der Forderung des Herrn vom IWF folgen würde, würde man zwar mehr Geld ausgeben aber keinen höheren Gegenwert erhalten. Was für ein Unsinn. Außerdem ist der deutsche Bundeshaushalt nicht dafür da eine Geldpolitik zu unterstützen die zur weiteren Verschuldung ohnehin schon überschuldeter Staaten beiträgt. Die Bundesregierung hat ausschließlich deutsche Interessen mit den Steuereinnahmen Ihrer Bürger zu vertreten. Er ruft die Gewerkschaften zu höheren Tarifabschlüssen auf. Hierzu gehören aber beide Tarifpartner. Solange die Gewerkschaften Arbeitsplatzsicherung vor Lohnerhöhung stellen wird das aber nichts. Wenn hierdurch Stellen abgebaut werden und die Arbeitslosigkeit steigt, führt das im Ergebnis auch nur zu leicht steigenden Gesamteinkommen. Auf der einen Seite auf die hohe Verschuldung in vielen Staaten als Risiko zu verweisen und auf der anderen Seite die geringe Anzahl von Ländern mit halbwegs soliden Finanzen aufzufordern sich höher zu verschulden ist doch ein Problem das sich mit den Vorschlägen des IWF nicht lösen lässt. Hier sollte der IWF vielleicht etwas kreativer sein.
homersimpson75 14.10.2016
4. Neoliberal?
Der IWF ist nicht neoliberal, der IWF ist keynesianisch.
GSYBE 14.10.2016
5. Rätsel
Für mich ein Rätsel: warum sollte das Eine das Andere ausschliessen? Warum nicht Beides? Ein Staat, der endlich mal anfängt sich zurückzunehmen und Beschäftigte, die endlich mal anfangen, dass zu bekommen was ihnen seit gut 15 Jahren vorenthalten wird. Ich sehe da keinen gegenseitigen Ausschluss.
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