Euro-Krise: Währungsfonds verlangt Schuldenschnitt für Zypern

Der Internationale Währungsfonds macht Druck bei der Zypern-Rettung. Als Bedingung für die Milliardenhilfen sollen die Gläubiger dem Land einen Teil der Schulden erlassen. Unter den Euro-Partnern ist die Idee umstritten. Gegner warnen, durch einen Schuldenschnitt könne die Krise erneut eskalieren.

Proteste gegen Sparkurs in Nikosia: Parlament verabschiedet neuen Haushalt Zur Großansicht
AP

Proteste gegen Sparkurs in Nikosia: Parlament verabschiedet neuen Haushalt

Berlin - Die Krise auf Zypern verschärft sich - und könnte für neuen Streit unter den Euro-Rettern sorgen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist offenbar nicht bereit, das geplante Hilfspaket der Euro-Länder für Zypern in der bisher diskutierten Form mitzutragen. Der IWF verlange einen Teilerlass der zyprischen Staatsschulden ähnlich dem bereits erfolgreich umgesetzten Forderungsverzicht privater Gläubiger für Griechenland, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Andernfalls werde das Land auch nach Abschluss aller Reformen nicht in der Lage sein, seine Zinslast zu tragen.

Zypern hat beim Euro-Rettungsschirm ESM einen Antrag auf Notkredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gestellt. Davon dürften mehr als zehn Milliarden Euro in den relativ großen Bankensektor des Landes fließen, der eng mit dem Krisenherd Griechenland verflochten ist. Die geforderte Summe entspricht fast dem Bruttoinlandsprodukt des drittkleinsten Euro-Mitglieds.

Unter den Euro-Ländern sei der IWF-Vorschlag umstritten, berichtet die "SZ". Während einige Regierungen einen Schuldenschnitt für Zypern befürworteten, seien andere Staaten skeptisch. Schließlich habe man beim erzwungenen Forderungsverzicht der privaten Banken gegenüber Griechenland stets betont, dass es bei diesem Einzelfall bleiben solle. Breche man dieses Versprechen nun, werde die gesamte Euro-Zone erneut an Vertrauen und damit an Kreditwürdigkeit verlieren. Eine Lösung ist offenbar nicht in Sicht. "Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als die in Griechenland", sagte ein ranghoher EU-Beamter der "SZ".

Der Bankenverband bezeichnete den IWF-Vorschlag als denkbare Lösung. "Vielleicht ist ein Schuldenschnitt auch in diesem Fall die Ultima Ratio", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Michael Kemmer, dem Deutschlandfunk. Die von Zypern angeforderten Hilfen seien im internationalen Kontext überschaubar. Ausschließen könne man einen Schuldenschnitt nicht. "Wir haben ja alle in der Schuldenkrise gelernt, dass man mit absoluten roten Linien und dem Ausschließen bestimmter Alternativen vorsichtig sein sollte", sagte Kemmer.

Düstere Aussichten für Zyperns Wirtschaft

Für Deutschland dürfte ein Hilfspaket für Zypern ohne Beteiligung des IWF keine Option sein. Kanzlerin Angela Merkel hat ein Mitwirken des Fonds bei Hilfsprogrammen stets als essentiell bezeichnet. Als eine denkbare Lösung gilt dem Bericht zufolge, dass Russland fünf Milliarden Euro an den IWF überweist, der das Geld seinerseits nach Nikosia weiterreicht. Damit bliebe der Fonds formal an Bord, müsste aber kein eigenes Geld in die Hand nehmen. Russische Bürger haben riesige Guthaben auf zyprischen Konten geparkt.

Die Wirtschaft Zyperns wird laut Experten im kommenden Jahr weiter schwächeln. Das Bruttoinlandsprodukt wird Prognosen zufolge um rund 3,5 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosigkeit 13,7 Prozent erreichen. Unter diesen Voraussetzungen billigte das zyprische Parlament am Mittwoch einen von Einschnitten geprägten Haushalt für 2013. Mit großer Mehrheit votierten die Abgeordneten für den Etat, der sowohl massive Ausgabenkürzungen als auch Steuererhöhungen vorsieht. Die Maßnahmen waren in Gesprächen mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbart worden.

cte/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
joecartwright 20.12.2012
Haben wir nicht vor kurzem gelesen das die Banken auf Zypern im großen Stil russisches Geld waschen? Meine Empfehlung: unterstützt die "steuerzahlenden Bürger" auf keinen Fall die Banken, denn wie dei letzten Nachrichten zeigen (UBS, Deutsche Bank,..) sollten wir besser genau hinsehen.
2. Domino Effekt mal anders
Zündkerze 20.12.2012
Während man seitens der Eurobefürworter immer davon spricht, fällt ein Staat fallen auch die anderen gilt das für die Rettungspakete genauso. Pumpt man irrwitzige Summen an Gelder in ein Land, muß man das auch für die anderen EU-Staaten machen, auch wenn Sie nicht so theatralisch um Hilfe schreien. Das ist jetzt nicht nur ein griechisches Fass ohne Boden geworden, sondern ein europäisches Fass. Man sollte sich langsam mal überlegen ob die Druckerpressen noch ausreichen soviel Geld nachzudrucken und schon mal vorsorglich ein paar neue in Auftrag gibt. Wie heißt übrigends die Firma die Druckerpressen herstellt, ich glaube ich sollte da mal investieren.
3. Was spricht eigentlich GEGEN einen Schuldenschnitt?
Aliolos 20.12.2012
Dann sind endlich 'mal die Zocker dran!
4. optional
kumi-ori 20.12.2012
Lasst Zypern doch pleite gehen! 1. kommt das hauptsächlich den Banken zu Gute. Ich sehe nicht ein, warum wir für das Vermögen russischer Oligarchen bürgen sollen. 2. könnte Zypern ja mal die Lösung seiner innenpolitischen Probleme angehen. Da könnte man gewiss viel Geld sparen. Ich sehe nicht ein, warum die EU einen vierzig Jahre andauernden Religionskrieg finanzieren muss.
5. Schuldenschnitt bedeutet Geld verschenken
karlsiegfried 20.12.2012
Das Unwort der Jahre 2012 und 2013 sollte Schuldenschnitt lauten. Prima, erst Geld verleihen und dann nur die Hälfte zurück bekommen. Ich glaube ich spinne. Da hört sich doch alles auf. Und wer bezahlt die Rechnung tatsächlich? Die doofen Steuerzahler.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Euro-Krise
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 50 Kommentare
  • Zur Startseite