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Intervention an den Märkten: Trichet und Co. wollen Börsen-Crash verhindern

Angst vor dem Absturz: Zum Start der neuen Börsenwoche senden die Europäische Zentralbank und die Politik hektisch Beruhigungsignale an die Finanzmärkte - die EZB plant offenbar den Kauf von italienischen und spanischen Anleihen. Reicht das?

EZB-Chef Trichet: Anleihenkaufprogramm "aktiv umsetzen" Zur Großansicht
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EZB-Chef Trichet: Anleihenkaufprogramm "aktiv umsetzen"

Frankfurt am Main - Die Währungshüter des Euro leiten die neue Börsenwoche mit einer Kampfansage gegen die Spekulanten ein: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Kauf von italienischen und spanischen Staatsanleihen signalisiert. Die EZB wolle ihr Anleihenkaufprogramm "aktiv umsetzen", teilte ihr Chef Jean-Claude Trichet nach einer Telefonkonferenz des Rats der Notenbank am Sonntag in Frankfurt mit.

Zwar ließ Trichet in seinem Statement offen, um Anleihen welcher Länder es sich konkret handelt, allerdings lassen die weiteren Äußerungen des EZB-Chefs Rückschlüsse zu: Die EZB begrüße die neuen Spar- und Reformanstrengungen von Italien und Spanien - und fordert von beiden Staaten eine rasche Umsetzung. Am Freitag hatte Italien unter dem zunehmenden Druck der Finanzmärkte zu verstehen gegeben, dass die EZB dem bedrängten Land am Montag mit dem Kauf von Staatsanleihen zur Hilfe kommen könnte.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy mühten sich wenige Stunden vor dem EZB-Statement, die Märkte vorab zu beruhigen. Sie bekräftigten am Sonntagabend in einer gemeinsamen Erklärung die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom Juli und betonten die Bedeutung einer schnellen Zustimmung der Parlamente ihrer beiden Länder bis Ende September. Zu der Gipfel-Einigung gehörte auch der Aufkauf von Altschulden am Sekundärmarkt für 20 Milliarden Euro durch den Euro-Rettungsschirm EFSF. Zugleich ermahnten sie Italien und Spanien, ihren angekündigten Sparkurs schnell und komplett umzusetzen.

Dabei verpackten Merkel und Sarkozy ihre Forderung in Lob: Sie begrüßten die jüngst von den beiden großen Wackelkandidaten der Euro-Zone angekündigten Maßnahmen zur schnelleren Haushaltskonsolidierung und zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit. Für die Wiederherstellung des Vertrauens der Märkte sei aber eine "vollständige und zügige Umsetzung der angekündigten Maßnahmen" maßgeblich.

Die Angst vor dem Crash ist groß

Die hektische Betriebsamkeit hat gute Gründe: Die Märkte sind hochnervös. Die Schuldenkrise in den beiden großen Euro-Ländern wird überlagert von dem Entzug der Top-Bonität der USA. Zwar hat die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) bereits am Freitag die Bonität des Landes um eine Stufe gesenkt. Doch da waren die Börsen bereits geschlossen, die Anleger konnten nicht mehr auf die bislang beispiellose Herabstufung reagieren. Das werden sie nun zu Wochenbeginn nachholen. Noch ist weitgehend unklar, wie heftig die Reaktion auf die verschlechterte Note sein wird.

Die Angst vor dem Crash ist groß, schließlich befanden sich die Börsen bereits in der vergangenen Woche auf rasanter Talfahrt: Der Deutsche Aktienindex (Dax Chart zeigen) rutschte um 13 Prozent ab, der Dow Jones Chart zeigen verlor knapp sechs Prozent - sein größter Wochenverlust seit Beginn der Finanzkrise. Nun wird ein weiterer Kurssturz befürchtet. Schließlich öffnen die "globalen Finanzmärkte am Montag in einer veränderten Wirklichkeit", wie Mohamed El-Erian, Chef des weltweit größten Anleiheinvestors Pimco in der "Financial Times" schreibt.

Reicht das, um einen schwarzen Montag zu verhindern? Als erster großer Handelsplatz konnte am Samstag die Börse in Saudi-Arabien auf die Herabstufung reagieren, dort verlor der Leitindex Tasi gut fünf Prozent. Auch in Dubai gaben die Kurse am Sonntag um mehr als fünf Prozent nach. Die israelische Börse verschob ihren Handelsstart am Sonntag um eine Dreiviertelstunde, nachdem der Index TA-25 im vorbörslichen Handel mehr als sechs Prozent verloren hatte.

Wirklich spannend wird es, wenn am Montag die Märkte in Asien, Europa und schließlich den USA eröffnen. Dann wird sich zeigen, ob die USA eine ähnliche Erfahrung machen wie zuletzt viele südeuropäische Länder: Nachdem die Rating-Agenturen wiederholt ihre Bonität gesenkt hatten, stiegen die Zinsen, die Länder wie Griechenland oder Portugal für die Aufnahme neuer Schulden zahlen mussten immer weiter - bis die Länder sich unter Euro-Rettungsschirme flüchten mussten.

Haben die Anleger die Herabstufung geahnt?

Während manche europäischen Ratings jedoch längst Ramschniveau erreicht haben, rutschten die USA nur um eine Stufe von der Bestnote ab - und das bislang nur bei einer der drei großen Rating-Agenturen. Deshalb besteht die Hoffnung, dass die Auswirkungen der Entscheidung begrenzt bleiben - die USA also mit einem ordentlichen Donnerwetter davonkommen.

Einen weltweiten Crash werde es nicht geben, prophezeit Deutsche-Bank-Chefsvolkswirt Thomas Mayer in der "Bild am Sonntag". "Die Kurse werden sich auch wieder erholen." Der Allianz-Analyst Hans-Jörg Naumer zeigt sich ebenfalls zuversichtlich: "Es scheint eine Art Sommergewitter zu sein und wir können immer noch auf stabileres Börsenwetter im Spätsommer hoffen."

Ein Grund für den vorsichtigen Optimismus: Möglicherweise haben Anleger die Herabstufung bereits geahnt. Schließlich hatte S&P diese bereits Mitte Juli angedroht, am Freitag waren noch vor Börsenschluss in den USA Gerüchte über eine bevorstehende Herabstufung aufgekommen. Die Kursverluste der vergangenen Woche zeigten, dass der Markt schlechte Nachrichten antizipiert habe, sagt Hanno Beck, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Pforzheim. Kurzfristig könne es zu weiteren Turbulenzen kommen. "Die meisten Marktteilnehmer sollte die Herabstufung aber nicht unvorbereitet treffen."

Doch es gibt auch pessimistischere Stimmen. "Das wird die Verunsicherung an den Märkten noch weitertreiben", prophezeit der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn. Er verweist auf institutionelle Anleger wie etwa Lebensversicherungen. Solche Investoren haben sich häufig dazu verpflichtet, nur Staatsanleihen mit höchster Bonitätsnote in ihren Portfolios zu halten. Durch eine Herabstufung könnten sie zum Verkauf ihrer Anleihen gezwungen werden - zumindest, falls auch die anderen Rating-Riesen ihre Note absenken.

China erhebt seine Stimme

Sehr aufmerksam werden Anleger alle Wortmeldungen aus China verfolgen. Mit Anleihen im Gesamtwert von 1,16 Billionen Dollar ist das Land der größte Gläubiger der USA. Würde die chinesische Regierung diese Anleihen auf den Markt schmeißen, könnte sie die USA in kurzer Zeit in den Bankrott treiben.

Zwar hat China wenig Interesse daran, auf diese Weise seine eigenen Wertanlagen zu vernichten - zumal der amerikanische Anleihemarkt wegen seiner Größe bislang weitgehend konkurrenzlos ist. Doch eine scharfe Kritik der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zeigte am Wochenende, dass die chinesische Regierung mit wachsendem Selbstbewusstsein ein Umsteuern der US-Politik einfordert.

Barack Obama hat zwar bereits Besserung gelobt, doch mehr als Versprechen des Präsidenten dürften die Märkte Daten zur stockenden US-Konjunktur interessieren: Am kommenden Freitag werden neue Zahlen zum amerikanischen Einzelhandel veröffentlicht. Fallen diese gut aus, so könnten sie Ängste vor einem Einbruch des US-Konsums dämpfen. "Der US-Einzelhandel könnte zum strahlenden Leuchtturm werden", hofft Tobias Basse, Analyst der NordLB.

Zudem gibt es Spekulationen, dass die US-Notenbank Fed eine neue Runde der sogenannten "Quantitativen Lockerung" einläutet. Mit diesem milliardenschweren Aufkaufprogramm für Anleihen versucht die Bank zusätzliches Geld in den Markt zu pumpen, nachdem der Leitzins bereits fast auf null Prozent gesenkt wurde.

Die Frage nach ausreichender Liquidität dürfte am Montag auch mit Blick auf die Banken gestellt werden. Die Finanzkrise war dadurch verschärft worden, dass Institute ihr Geld horteten. Das zeigte sich am Libor - jenem Zinssatz, zu dem sich Finanzinstitute gegenseitig Geld leihen. Am Montag müssten Investoren nun den Libor wieder genau beobachten, sagt Geoffrey Yu von der Schweizer Großbank UBS Chart zeigen. Sollten Anleihen in größerem Stil auf den Markt geworfen werden, so könnte das "den bereits eskalierenden Stress für das Bankensystem weiter verschärfen".

Ein zweiter Sputnik-Schock

In den USA suchte man kurz vor dem Tag der Wahrheit noch nach Hoffnungszeichen. So schrieb Pimco-Chef El-Erian, die Herabstufung drohe zwar, langsam die Führungsrolle der USA im globalen Finanzsystem zu erodieren. Es sei aber möglich, dass die Amerikaner jetzt einen zweiten "Sputnik-Schock" erlebten. So wie der erste sowjetische Satellit im All die USA einst anspornten, das Rennen zum Mond zu gewinnen, so soll die Ohrfeige von S&P sie nun also dazu bringen, ihre wirtschaftliche Vormachtstellung zu verteidigen.

Doch erst einmal müssen die USA den Montag überstehen. Selbst langjährige Banker wie John Kanas sind sich nicht sicher, was das Land dann erwartet. Der Vorstandschef des Instituts BankUnited in Florida erzählte dem "Wall Street Journal", die Nachricht von der Herabstufung habe ihn auf einer Dinner-Party mit Freunden erreicht. "Es gab einen Moment großer Stille und dann haben sich Leute an mich gewandt und gefragt, was das bedeutet. Ich habe ihnen gesagt, dass es keiner von uns wirklich weiß. Das war ein ernüchternder Moment."

dab/fdi/Reuters/dpa/dapd/AFP

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1. Koan Titel
Xx_DrHammer_xX 07.08.2011
Zitat von sysopAngst vor dem Absturz: Zum Start der neuen Börsenwoche senden die Europäische Zentralbank und die Politik hektisch Beruhigungsignale an die Finanzmärkte - die EZB plant offenbar den Kauf von italienischen und spanischen Anleihen. Reicht das? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,778881,00.html
...ähm, mit welchen Geldmitteln und welcher Legitimation ?
2. Nie!
CyberDyne 07.08.2011
Weshalb sollte irgendjemand auf diese Kasper hören?
3. Titelfrei
farview 07.08.2011
"die EZB plant offenbar den Kauf von italienischen und spanischen Anleihen. Reicht das?" Ja, das reicht auf jeden Fall. Es reicht mir zu zeigen, dass die Bad Bank Europas nun offenbar 2 weitere Staatsbankrotte für unabwendbar hält. Und diese sind in einer Größenordnung, die Deutschland durch Verschleudern von Steuergeldern nicht mehr retten kann.
4. nene
minimatz 08.08.2011
...was sind das denn nun für Spitzenpolitiker. In dem Fall ist Schweigen dann doch goldig, bevor man sich zum Beginn der Börsenwoche nach all den Meldungen zu solchen Äußerungen hinreißen läßt: "Zwar ließ Trichet in seinem Statement offen, um Anleihen welcher Länder es sich konkret handelt, allerdings lassen die weiteren Äußerungen des EZB-Chefs Rückschlüsse zu: Die EZB begrüße die neuen Spar- und Reformanstrengungen von Italien und Spanien - und fordert von beiden Staaten eine rasche Umsetzung." Diletantisch ist milde ausgedrückt, kontraproduktiv der wohl eher passende Begriff!
5. Auch Frankreich!
thomas l. 08.08.2011
Auch Frankreich ist davor, AAA zu verlieren. Das Spiel ist aus. Der Euro nicht mehr zu retten! Danke Bilderberger, Danke CFR, ihr werdet euch für diesen künstlichen Crash und die unmenschlichen anderen Taten an die Menschheit, vor einem Bürger-Gericht verantworten müssen! Geisteskranke und Sozipathen regieren die Menschen, das muss endlich ein Ende haben, sofort!
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US-Bonität: Die wichtigsten Fakten zur US-Schuldenkrise
Fragen zur US-Schuldenkrise
Was ist die Schuldengrenze?
In den USA gibt es ein gesetzliches Limit, bis zu dem sich der Staat verschulden darf. Bis zum Ersten Weltkrieg musste der Kongress noch jede einzelne Staatsanleihe genehmigen. Das war aufgrund der hohen Kriegskosten dann aber nicht mehr praktikabel. Daher wurde 1917 die Schuldengrenze eingeführt. Sie wird in der Regel mehrmals pro Jahr erhöht. Allein seit 1980 bereits 51 Mal
Warum könnte der US-Regierung das Geld ausgehen?
Bereits Mitte Mai 2011 hatten die Schulden der USA die Grenze von knapp 14,3 Billionen Dollar erreicht. Finanzminister Timothy Geithner hat sich seitdem mit Sondermaßnahmen durchgehangelt und verhindert, dass die USA zahlungsunfähig werden. Sollte der Kongress bis zum 2. August die Schuldengrenze nicht anheben, wird die Regierung wohl nicht mehr alle Rechnungen bezahlen können.
Um wie viel Geld geht es?
Damit die USA zumindest bis zu den Präsidentschaftswahlen 2012 Ruhe haben, müsste die Schuldengrenze um etwa 2,5 Billionen Dollar erhöht werden.
Welche Ausgaben müsste die Regierung streichen?
Insgesamt müssten die USA laut Commerzbank im August Ausgaben in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar streichen. Dies entspreche rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Um auf diese Summe zu kommen, müssten die USA beispielsweise den Sold für Soldaten und die Gehaltszahlungen für Bundesangestellte einstellen. Die Ausgaben müssten sofort wegfallen.
Worum geht der Streit?
Demokraten und Republikaner haben komplett unterschiedliche Vorstellungen, wie der Haushalt saniert werden kann. Die demokratische Partei von Präsident Barack Obama will neben Ausgabenkürzungen auch höhere Steuern für reiche Bürger durchsetzen. Die Republikaner lehnen das kategorisch ab. Stattdessen wollen sie radikale Einsparungen im Sozialsystem. Kritiker werfen den Republikanern aber vor, damit vor den im Januar 2013 anstehenden Wahlen das Thema weiter für ihre Zwecke zu nutzen. Besonders der radikale Flügel der Republikaner, die sogenannte Tea Party, erschwert es der Parteiführung, einer Kompromisslösung zuzustimmen.
Werden die USA weiter ihre Schulden begleichen?
Ein Zahlungsausfall dürfte laut Experten nur wenige Tage anhalten. Die USA würden aber wohl versuchen, ihre Schulden weiter zu bedienen. Die Zahlungsfähigkeit der USA insgesamt steht zunächst nicht in Frage. Auch nach einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agenturen gibt es nur wenige Alternativen zur Anlage in Dollar. Sollte es jedoch auch hier zu Ausfällen kommen, hätte dies schwerwiegende Folgen. Dies könnte von der Rating-Agentur als teilweiser Kreditausfall (Selective Default) gewertet werden.
Kann es zu einem Finanzmarktschock kommen?
Die Finanzmärkte gehen derzeit immer noch davon aus, dass es zu einer Einigung kommt. Die Unruhe nahm jedoch zuletzt zu und Anleger schichteten aus dem Dollar in den Schweizer Franken und in Gold um. Zudem stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen an. Sollten die USA tatsächlich ihre Schulden nicht mehr bedienen, dann wäre die außergewöhnliche Stellung von US-Staatsanleihen als sicherste und liquideste Anlageform gefährdet. Die Reaktionen könnten laut Experten heftiger ausfallen als nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.
Wie verhalten sich die Rating-Agenturen?
Bei einer Nichtanhebung der Schuldengrenze dürften alle Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit der USA herabstufen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's fordert aber nicht nur eine zeitgerechte Anhebung der Schuldengrenze. Notwendig seien auch nachvollziehbare Schritte zum Abbau der Schulden. Ansonsten könnten die USA auch bei einer Anhebung der Schuldengrenze ihre Topnote "AAA" verlieren. dpa-AFX

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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