Nach US-Ausstieg aus Atomabkommen China startet neue Handelsroute mit Iran

Die USA erlassen nach Donald Trumps Kündigung des Atomabkommens weitere Sanktionen gegen Iran. China vertieft derweil den Handel mit der Islamischen Republik - und schickt einen Zug mit Sonnenblumenkernen.

Güterzug (Symbolbild)
REUTERS

Güterzug (Symbolbild)


Kurz nach dem Ausstieg von US-Präsident Donald Trump aus dem Atomabkommen mit Teheran hat China eine neue Zugverbindung nach Iran eröffnet. Der erste Güterzug der neuen Strecke sei am Donnerstag aus der nordchinesischen Stadt Bayannur gestartet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Der mit 1150 Tonnen Sonnenblumenkernen beladene Zug soll die 8352 Kilometer lange Reise in die iranische Hauptstadt Teheran demnach in 15 Tagen zurücklegen. Das entspricht einer Zeitersparnis von mindestens 20 Tagen im Vergleich zum Seeweg.

Nach dem Ende der Sanktionen gegen Teheran hatten China und Iran vor zwei Jahren vereinbart, den wechselseitigen Handel beider Länder in den kommenden zehn Jahren auf 600 Milliarden Dollar mehr als zu verzehnfachen. Für Peking ist die Vernetzung mit Iran ein wichtiger Bestandteil seiner Neuen Seidenstraße - einem gewaltigen Infrastrukturprojekt, in dessen Zuge neue Wirtschaftskorridore von China nach Europa und Afrika entstehen sollen. Erst Ende April war der erste direkte Güterzug aus China in Österreichs Hauptstadt Wien angekommen.

DER SPIEGEL

Den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit Iran hatte die chinesische Regierung scharf kritisiert. Außenamtssprecher Lu Kang sagte, es sei ein multilaterales Abkommen, das der Uno-Sicherheitsrat gebilligt habe. "Alle Seiten sollten es ernsthaft umsetzen." Die Vereinbarung sei wichtig, um die Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern sowie Frieden und Stabilität im Nahen Osten zu fördern. Es setze auch ein Beispiel für die Lösung von Krisen durch politische Mittel.

Bericht: Bundesregierung lässt Folgen für deutsche Wirtschaft prüfen

Die USA setzen derweil ihren Konfrontationskurs gegen Iran fort. Die US-Regierung belegte drei Firmen und sechs Personen mit Sanktionen, weil sie die Eliteeinheit Al-Kuds der Iranischen Revolutionsgarden mit Millionen von Dollar versorgt haben sollen. In Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) soll das nun unterbrochen werden.

Die iranische Zentralbank habe ihren Zugriff auf Firmen in den VAE missbraucht, um mit dem Geld die Aktivitäten von Al-Kuds zu finanzieren, begründete US-Finanzminister Steven Mnuchin den Schritt. Dazu gehöre Hilfe für die Stellvertretergruppen in der Region. Die Personen und Firmen wurden den Angaben zufolge auf eine Liste gesetzt, die auf mutmaßliche Terroristen und die Finanzaktivitäten des Irans zielt.

Die USA werfen der Führung in Teheran vor, den Terrorismus zu unterstützen. Im Februar 2015 hatte Reuters berichtet, dass vor dem Atomabkommen mindestens eine Milliarde Dollar in die Islamische Republik geschmuggelt wurde. Dafür wurden Insidern zufolge Firmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Irak genutzt.

Iran will weiter Öl exportieren

Welche Folge das Ende des Atomabkommens für deutsche Firmen im Einzelnen haben wird, ist derweil noch offen. Nachdem die hiesige Wirtschaft Sorgen um ihre Geschäfte nach Iran und in die USA geäußert hat, hat die Bundesregierung laut "Bild"-Zeitung jedoch einen eigenen Stab mit Mitarbeitern von Außen-, Wirtschafts- und Finanzministerium gebildet, um die Folgen zu prüfen. Einer ersten Einschätzung zufolge seien die meisten deutschen Firmen vor künftigen US-Sanktionen gegen sie kaum zu schützen.

Auch der Ölpreis stieg angesichts der US-Sanktionen weiter an und nähert sich der Marke von 80 Dollar. Der Rohstoff kostet jetzt so viel wie vor fast dreieinhalb Jahren. Iran erwartet durch die Sanktionen nach eigenen Angaben dennoch keine Auswirkungen auf die Ölexporte. Wenn es Auslandsinvestitionen in die Ölbranche gebe, werde das deren Entwicklung beschleunigen, sagte Ölminister Bidschan Sanganeh im staatlichen Fernsehen. "Wenn nicht, werden wir auch nicht sterben."

apr/dpa/Reuters

insgesamt 57 Beiträge
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joG 11.05.2018
1. Es ist interessant...
...zu beobachten, wie sich die Seidenstrasse entwickelt. Ich sah kürzlich Berechnungen der Kosten des Gütertransports im Vergleich mit anderen Transportwegen. Es ist halt schon sehr teuer und lohnt wirtschaftlich nur, für wenige Güter oder wo andere Wege nicht existieren.
cyberpommez 11.05.2018
2. Schön
das es den Chinesen und Amerikanern so wichtig ist, das keine anderen Länder Atomwaffen haben, so bleibt man unangefochten am oberen Ende der Nahrungskette. Das funktioniert doch hervorragend.
modemhamster 11.05.2018
3. Dann bin ich ja mal gespannt
Ob Herr Trump den ökonomischen Selbstmord der USA zu Ende bringt. Den ökologischen hat er ja auch schon eingeleitet, es wird interessant, was zuerst passiert.
coyote38 11.05.2018
4. Horrorszenario für amerikanische Geostrategen
Wer sich mal den "Spaß" gemacht hat, die Gundlagen des US-amerikanischen geostrategischen Denkens zu studieren (z.B. Zbigniev Brzezinski, "Die einzige Weltmacht"), der versteht dieses erratische "Um-sich-schlagen" der Neokonservativen in der gegenwärtigen US-Administration. Das geopolitische, bzw. geostrategische "Kraftzentrum" dieser Welt ist der "gesamteurasische" Kontinent; in Ergänzung mit den größten Energiereserven der Welt in Nah-/Mittelost. Dagegen ist Amerika Peripherie. Demnach kann "Amerika" nur "führen", Einfluss ausüben und seine Interessen durchsetzen, wenn (und solange) Eurasien nicht zusammenfindet und zusammenarbeitet. Über Jahrzehnte war die amerikanische "Horrorvorstellung" deshalb eine enge deutsch-russische Partnerschaft; da kann man die ersten "Zuckungen" bis "Locarno 1922" zurückverfolgen. Heute kann man diesen Reflex bei der Debatte über NorthStream 2 und die Russland-Sanktionen beobachten. JETZT tritt CHINA noch zusätzlich auf den Plan. China denkt nicht in "Legislaturperioden", sondern in Jahrhunderten ... China hat ZEIT. China hat 99-jährige "Pachtverträge" für Hongkong und Macao einfach "ausgesessen". Die chinesische Selbstbezeichnung für China ist "Chung Kuo" ("das Reich der Mitte") und das chinesische Selbstverständnis ist, das "früher oder später" alles automatisch "zur Mitte strebt". Und diesem Selbstverständnis folgend positioniert sich China in der Renaissance einer 5000-jährigen Geschichte mit der Initiative der "Neuen Seidenstraße" auf dem eurasischen Kontinent. --- Ein Europa (womöglich unter deutscher Führung), angetrieben von russischen Rohstoffen und Energie aus einem diplomatisch eigehegten Nah-/Mittelost in Verbindung mit Handelsbezehungen zu China ... das ist für Washington der geostrategische SUPER-GAU. Das ist das "Grand Chess-Board", auf dem gegenwärtig ausnahmslos ALLE außenpolitischen Szenarien gespielt werden.
wokri 11.05.2018
5. Ein sehr kluger Schachzug chinas
Sie werden mir immer sympathischer, mit dem Zug zeigen Sie wie leicht es für China ist Gefährlicher Güter in den Iran zu bringen. Sie tun es aber nicht stattdessen völlig unbedeutende Sonnenblumenkerne. China tangiert die Drohung von Trump überhaupt nicht, sie stehen eh schon im Handelskrieg mit den USA. Great move China!
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