US-Sanktionen Daimler stoppt alle Aktivitäten in Iran

Die neuen Wirtschaftssanktionen der USA gegen Iran sind erst wenige Stunden wirksam, da kündigt der deutsche Autokonzern Daimler einen radikalen Schritt an.

Daimler-Boss Dieter Zetsche
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Daimler-Boss Dieter Zetsche


Angesichts neuer US-Sanktionen gegen Iran hat Daimler seine Expansionspläne in dem Land vorerst gestoppt. Die "ohnehin eingeschränkten Aktivitäten" seien "bis auf weiteres eingestellt" worden, teilte der Stuttgarter Konzern mit.

Daimler hatte Anfang 2016 angekündigt, mit Partnerunternehmen in Iran Lkw bauen und Fahrzeuge seiner Marke Fuso verkaufen zu wollen.

"Die Produktion und den Vertrieb von Mercedes-Benz-Lkw haben wir nicht wieder aufgenommen", hieß es in der Mitteilung. Auch der Vertrieb von Pkw der Marke Mercedes wurde demnach nicht wieder hochgefahren, eine lokale Fertigung gab und gibt es nicht.

"Die iranische Wirtschaft und damit die Automobilmärkte haben sich deutlich schwächer entwickelt als erwartet", teilte Daimler weiter mit. "Wir beobachten die politischen Entwicklungen insbesondere in Bezug auf die Zukunft des Nuklearabkommens weiterhin genau."

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die umstrittenen Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft gesetzt. Die Maßnahmen wurden um 6 Uhr MESZ wirksam. Ziel ist es nach Trumps Worten, "maximalen wirtschaftlichen Druck" auf das ökonomisch angeschlagene Land auszuüben. Auf Twitter drohte der US-Präsident, dass alle Unternehmen, die weiterhin Geschäfte mit Iran machen, keine Geschäfte mehr mit den USA machen könnten.

Der iranische Präsident Hassan Rohani warf Trump vor, einen "psychologischen Krieg" gegen sein Land zu führen.

Hassan Rohani
Office of the Iranian Presidency/DPA

Hassan Rohani

Trump beschuldigt die "mörderische Diktatur" in Teheran, Terrorismus zu unterstützen und Blutvergießen, Gewalt und Chaos zu verbreiten. Der US-Präsident drängt alle Staaten, sich den Maßnahmen anzuschließen und Iran wirtschaftlich zu isolieren. Die EU lehnt die Sanktionen ab; sie will europäische Unternehmen davor schützen und das Atomabkommen mit Iran retten.

Die Sanktionen waren im Zuge des Atomdeals der Uno-Vetomächte und Deutschlands mit Iran vom Juli 2015 ausgesetzt worden. Trump hatte im Mai den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Abkommen verkündet. Er kritisiert, die Vereinbarung sei untauglich dafür gewesen, den Bau einer Atombombe zu verhindern und habe die Regierung in Teheran noch dazu mit Geld versorgt.

Rohani bekräftigte am Montagabend, am Atomabkommen festhalten zu wollen. "Wir werden trotz der Sanktionen der Welt zeigen, dass wir unser Wort halten und uns an internationale Verträge halten", sagte er in einem Interview des staatlichen Fernsehsenders IRIB.

Mit den Sanktionen wollen die USA unter anderem erreichen, dass Iran keine US-Dollar erwerben und nicht mehr mit Gold und Edelmetallen handeln kann. Zudem sollen Passagierflugzeuge und Flugzeugteile nicht mehr an Iran geliefert werden. Auch der iranische Automobilsektor ist betroffen.

In einer zweiten Runde im November sollen dann besonders schmerzhafte Sanktionen wieder eingesetzt werden, mit denen Ölimporte anderer Länder aus Iran auf null reduziert werden sollen. Zugleich soll der internationale Zahlungsverkehr mit Iran lahmgelegt werden. Ausländische Firmen, die sich nicht an die US-Sanktionen halten, können von Geschäften in den USA ausgeschlossen werden. So wollen die USA auch diese Unternehmen dazu zwingen, ihre Geschäfte mit Iran zu beenden.

Mehr zu den nun in Kraft getretenen Sanktionen erfahren Sie hier.

ssu/Reuters

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ulrich g 07.08.2018
1. Respekt
Respekt vor dieser mutigen und richtigen Entscheidung. Gleichzeitig zeigt dies in welchem Wolkenkuckucksheim sich unsere europäischen Politiker bewegen, die noch am Iran Abkommen festhalten wollen. Mit wem bitte? Der Handel mit dem Iran beträgt gerade mal 2,5 % des Handels mit der USA. Da ist ja wohl klar was die Unternehmen machen werden. Statt sich mit Trump gegen das Unrechtsregime der Mullahs zu verbünden stehen unsere Politiker jetzt wieder als Besserwisser ohne Einfluss da.
Tom77 07.08.2018
2. Europa
Wäre Europa eine wirkliche Einheit und stark in ihrem Auftreten, könnte es auch andere Länder wirtschaftlich erpressen und in die Knie zwingen wie es die USA machen, um politische Ziele durchzusetzen. Das scheint ja mittlerweile die neue Art der weltpolitischen Zusammenarbeit zu sein - andere Länder in ihren souveränen wirtschaftlichen Entscheidungen zu erpressen. Europa ist volkswirtschaftlich größer als die USA. Würden alle Länder an einem Strang ziehen, könnte Europa ebenfalls amerikanische Unternehmen bestrafen, die in Europa Geschäfte machen, wenn die USA nicht so agiert, wie wir uns das vorstellen. Die USA marschieren mal wieder irgendwo ein? Einfach mal Apple, Facebook und Amazon bestrafen. Leider ist Europa aber nicht mehr als ein Lippenbekenntnis und zerstört sich innerlich lieber selbst, als als die große Wirtschaftsmacht in der Welt aufzutreten, die sie eigentlich ist.
sven2016 07.08.2018
3.
Und da sage noch Einer, die Großkonzerne seien nicht die Gegner unseres Staates.
gfigenwald 07.08.2018
4. Angst vor USA
Daß die armen Iraner darunter leiden ist allen egal. ..und so passen sich alle Trump an....und wenn es mal anders wäre ? Zum Beispiel alle Europäer zusammen gegen Trump . ....so wie die Firmen es tun kann sich Nichts ändern und Trump hat gewonnen.
stadtmusikant123 07.08.2018
5. Brüssel bestimmt nicht amused
Darf der Daimler das denn überhaupt? War da nicht so eine EU Gesetz , dass das unterbinden soll? Hat wohl nicht geklappt. Aber Daimler hat natürlich ein gutes Argument, nämlich die Beschäftigungssicherung.
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