US-Sanktionen gegen Iran Deutsche Firmen fordern Hilfe von Bundesregierung

Die US-Sanktionen gegen Iran werden ab diesem Dienstag wirksam. Deutsche Firmen, die dort aktiv sind, fürchten erhebliche Nachteile für ihr Geschäft - und fordern Unterstützung.

Goldbasar in Teheran
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Goldbasar in Teheran


In Iran aktive deutsche Firmen haben angesichts der bevorstehenden US-Sanktionen Unterstützung von der Politik gefordert. "Wir als Vertreter der deutschen Wirtschaft in Iran appellieren an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, die gesamte Bundesregierung und die EU-Kommission, Wege für eine gesicherte Zahlungsabwicklung in Iran zu finden", sagte die Vertreterin der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer, Dagmar von Bohnstein, der "Rheinischen Post".

Es gehe nicht um finanzielle Hilfen. Das größte Problem sei es, eine Geschäftsbank zu finden, über die Transaktionen für legale Iran-Geschäfte abgewickelt werden könnten, sagte von Bohnstein. Das lasse sich in der aktuellen Lage nur politisch lösen.

Auch der Industrieverband BDI zeigte sich höchst besorgt über den Kurs der Amerikaner. "Die deutsche Industrie begrüßt den deutlichen Willen der EU und der Bundesregierung, sich gegen die extraterritoriale Sanktionspolitik der USA zur Wehr zu setzen", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf.

"Der BDI unterstützt die Bundesregierung in ihrem Engagement, faire Wettbewerbsregeln für Unternehmen im Iran-Geschäft sicherzustellen", sagte Kempf. "Um Anreize zu schaffen, das Abkommen fortzusetzen, muss in erster Linie der Zahlungsverkehr mit Iran aufrechterhalten werden."

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Airbus, Siemens, Total: Diese Iran-Geschäfte stehen jetzt auf der Kippe

US-Präsident Donald Trump hatte im Mai den einseitigen Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran verkündet und neue Sanktionen für den 6. August angekündigt. Ab diesem Dienstag wird die iranische Regierung keine US-Banknoten mehr kaufen können. Die iranische Industrie - darunter der Teppichexport - wird mit umfangreichen Sanktionen belegt.

"Deutsche Firmen treten den Rückzug an"

Die USA werfen Iran vor, seinen Einflussbereich in arabischen Nachbarländern wie dem Jemen und Syrien auszuweiten. Das Atomabkommen von 2015 sollte Teheran am Bau von Atomwaffen hindern. Es sieht als Gegenleistung den Abbau von Wirtschaftssanktionen vor. Die USA drohen Geldhäusern, die direkt oder indirekt Transaktionen mit iranischen Instituten unterstützen, ebenfalls mit Sanktionen. Bereits jetzt ist der internationale Zahlungsverkehr für iranische Banken stark eingeschränkt.

*Dollar zu durchschnittlichen Jahreswechselkursen in Euro umgerechnet
**Abkommen zwischen den fünf Mitgliedern des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und Deutschland mit Iran

Die EU-Kommission hatte ein Abwehrgesetz gegen amerikanische Sanktionen beschlossen. Über das sogenannte Blocking Statute könnte es europäischen Unternehmen unter Strafe verboten werden, sich an die US-Sanktionen gegen Iran zu halten.

In den ersten fünf Monaten 2018 sanken die deutschen Exporte nach Iran um vier Prozent, der Trend halte an, wie der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" sagte. "Rund 120 deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren sogar ihre eigene Repräsentanz in Iran eröffnet. Jetzt treten viele den Rückzug an."

Mehr zum Thema: Wie wichtig der Iran-Handel für Europa ist

hej/AFP/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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vliege 06.08.2018
1. Jede Gelegenheit nutzen
um nach staatlicher Hilfe/ Unterstützung zu brüllen. Unternehmer Risiko, Fehlanzeige. Wer Geschäfte in diesen oder anderen instabilen Regionen der Welt macht, muss mit außergewöhnlichen Situationen rechnen. Es ist das alte Lied, Gewinne privatisieren, Verluste, .... Na sie wissen schon. Keine Sorge Werte Unternehmer, Merkel hat ein offenes Ohr für jeden ab einer gewissen unternehmerischen Größe.
Southwest69 06.08.2018
2. Hauptsache Exportweltmeister
Vielleicht sollte Deutschland endlich mal aufhören das Regime im Iran mit seinem Atomprogramm durch unsere Wirtschaft zu stützen, denn deren Atomprogramm liegt nicht auf Eis. Die Saudis wollen dann auch eine Atombombe um mit Iran gleich zu ziehen. Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Showdowns liegt dort wesentlich höher, als bei uns (Russland inkl.)
womo88 06.08.2018
3. Immer wieder interessant
Woher bekommt der Staat sein Geld? Aus Steuern! Jeder Arbeitnehmer zahlt Arbeitslosenversicherung, aus der er dann 12 - 15 oder 24 Monate ALG 1 bekommen kann. Nun schreien die Bauern, die heulen ja immer, egal ob ihnen ein Wolf oder ein Hund ein Schaf reißt oder es zu trocken ist. Gefragt ist hier ein Rundumsorglospaket. Bauern brauchen grundsätzlich Hilfe. Zahlen die irgendwo was ein in einen Solidartopf? Jetzt schreit die deutsche Industrie nach Hilfen. Das Geschäft brummt, die Vorstände verdienen sich dumm und dusselig, aber wenn was schief geht, soll der Steuerzahler gefälligst zahlen. Wenn die Firmen gut verdienen, muckst sich keiner, aber sie sammeln das in ihren eigenen Taschen. Beim Arbeitnehmer kommt fast nichts an. Wer zahlt, wenn ein kleiner Handwerksbetrieb konkurs geht? Keiner! Da gibt es nicht mal einen Sozialplan. Der macht einfach zu. Da haben Chef, Angestellte und Arbeiter eben Pech gehabt. Gewinne werden privatisiert, Verluste würde man gerne sozialisieren bzw. auf den Steuerzahler umlegen. Kann es sein, dass da was nicht stimmt?
womo88 06.08.2018
4. Haste 100.000 Euro Schulden,
haste ein Problem. Haste 1 Mrd. Schulden, hat die Bank ein Problem! Da gab es mal vor vielen vielen Jahren noch vor der Äonenwende das Wort vom "unternehmerischen Risiko". Mir winken auch bei türkischen Staatsanleihen hohe Gewinne, aber eben bei hohem Risiko. Das ist so im Geschäft: Hohe Gewinne = hohes Risiko. Kleinere Gewinne = kleineres Risiko. Das nennt sich "Wirtschaft". Wenn ein "kleiner Betrieb" kaputtgeht, kräht kein Hahn danach. Wenn das Risiko für Konzerne steigt, die Milliarden verdienen, wo ein Arbeiter 200 Jahre arbeiten müsste, um das Jahresgehalt des Vorstandsvorsitzenden zu haben, dann heulen die Konzernlenker. Das ist doch pervers!
eugler 06.08.2018
5. Ein Witz
Wenn sich die Rahmenbedingungungen ändern, dann muss man sein Geschäftsmodell anpassen. Abgesehen davon - warum sollte die Regierung für ungewollte Schäden aufkommen, während soe für die intelligenzlosen Russlandbeschränkungen nichts ausgleicht. Die Unternehmen müssen akzeptieren, dass die USA nun China ausbremsen wollen und sie dabei der Kollateralschaden werden. Unsere Regierung kann derzeit garnicht genug Puffer für diesen gezielten Wirtschaftseinbruch aufbauen.
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