Unruhen Deutsche Wirtschaft beunruhigt über Lage in Iran

Die tagelangen Proteste in Iran machen deutschen Wirtschaftsverbänden Sorgen. Die ökonomische Entwicklung und die Handelsbeziehungen blieben jetzt schon hinter den Erwartungen zurück.

Proteste in Teheran
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Proteste in Teheran


Die deutsche Wirtschaft zeigt sich angesichts der anhaltenden Unruhen in Iran besorgt. Nachdem die dortige Wirtschaftsentwicklung und die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen bereits hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien, dürfte "die angespannte politische Lage die Situation weiter belasten", sagte Volker Treier, Außenwirtschaftschef beim deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

Der Präsident des Großhandelsverbands BGA, Holger Bingmann, sagte der "FAZ", die deutsche Wirtschaft sei ernüchtert. "Die Exporte in den Iran bleiben bislang weit hinter den Erwartungen zurück."

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Proteste gegen das Regime: Gewalt auf Irans Straßen

Grund dafür seien die politischen Entwicklungen. Insbesondere die Iran-Politik der USA behindere den Aufschwung des Landes. Größtes Problem seien die Finanzierungen, weil Banken sich aus Sorge vor amerikanischer Vergeltung weigerten, Geschäfte mit dem Land abzuwickeln.

Der Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer, Michael Tockuss, hatte zuvor gesagt, dass sich die aktuelle Lage derzeit noch nicht auf den Handel mit Iran auswirke.

Republik Iran
Land
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Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
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Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Khamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
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Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz fünf). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
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Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2013 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 4750 Dollar. Nach der minimalen Lockerung der internationalen Wirtschaftssanktionen keimt im Land derzeit Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung. 2013 schrumpfte die Wirtschaft noch um schätzungsweise 1,7 Prozent nach mehr als fünf Prozent 2012. Neben der Arbeitslosenquote, die offiziell bei rund 13 Prozent, inoffiziellen Schätzungen zufolge aber wohl weit höher liegt, ist die Inflation nach wie vor eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2013 lag sie bei 35 Prozent, für 2014 rechnet der IWF mit 23 Prozent. Im Jahr 2013 machte Teherans Verteidigungsbudget laut IISS rund vier Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,2 Prozent).
Menschenrechte
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Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2013 mindestens 369 Menschen hingerichtet. Dem International Centre for Prison Studies zufolge saßen 2012 pro 100.000 Einwohner 284 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 79). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2013 bei 177 beobachteten Staaten den 144. Rang ein (Deutschland: 12).

Auch er verwies darauf, dass die Wirtschaftsbeziehungen vor allem durch die nach wie vor schwierige Finanzierung gebremst würden. "Die großen Banken sind noch immer nicht bereit, das Iran-Geschäft anzufassen." Sie hätten Angst vor möglichen US-Strafen.

brt/Reuters

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Caty25 02.01.2018
1. Übertreibung
Irgend jemand gönnt uns die Exporte nicht. Und nach meiner Einschätzung sind es keine Unruhen,sondern einzelne Ausschreitungen.
HansPa 02.01.2018
2. Ach ja die deutsche Wirtschaft
Es geht nicht um Menschenleben oder Menschenrechte, nein, das interessiert die deutsche Wirtschaft wie üblich nicht für Bohne! Ich schlage einen Solidaritätspakt vor, um die entsetzlichen Verluste der deutschen Wirtschaft auszugleichen. Finanziert durch Steuerzahler und Arbeitnehmer. Oder einfach Steuerbefreiung für alle die Unternehmen, die Geschäfte mit dem Iran machen.
opar 02.01.2018
3. Geld stinkt nicht?
Zitat von Caty25Irgend jemand gönnt uns die Exporte nicht. Und nach meiner Einschätzung sind es keine Unruhen,sondern einzelne Ausschreitungen.
Wir Deutschen sind ja sehr lautstark wenn es um das Beschimpfen der USA geht, dass die sich nur für "das Öl" interessierten (macht ja nichts dass sie inzwischen Öl-Exporter sind, behaupten kann man es ja trotzdem). Aber wenn es darum geht, selbst mit dem schlimmsten Regime und den schlimmsten Diktatoren Geschäfte zu machen, dann ist Deutschland ganz vorn und beleidigt und empört, wenn jemand herkommt und sagt, jetzt mal nicht. Ich kenne eine ganze Reihe Firmen, die auch während die UN-Sanktionen voll in Kraft waren munter verbotene Geschäfte mit dem Iran getätigt haben. Für einen deutschen Kaufmann gibt es nämlich keine Moral.
Knossos 03.01.2018
4.
Zitat von HansPaEs geht nicht um Menschenleben oder Menschenrechte, nein, das interessiert die deutsche Wirtschaft wie üblich nicht für Bohne! Ich schlage einen Solidaritätspakt vor, um die entsetzlichen Verluste der deutschen Wirtschaft auszugleichen. Finanziert durch Steuerzahler und Arbeitnehmer. Oder einfach Steuerbefreiung für alle die Unternehmen, die Geschäfte mit dem Iran machen.
Der Neokonservativismus ist soweit fortgeschritten, daß nicht einmal mehr die Pietät gegeben ist, ausgerechnet jetzt den Mund zu halten. Mit Anstand hätte sich die deutsche Wirtschaft bislang zurückgehalten und hoffte nun auf Erfolg der Revolte / Demokratisierung und evtl. künftige Geschäfte mit einer Demokratie. Statt dessen fürchtet sie umgekehrt, daß die Unruhen bisheriges Geschäft eindämmen. (So sind Deutsche z.B. an dem wuchernden Geschäft mit Milchprodukten und der iranischen Milch-Mafia beteiligt. -Fraktionen der Mullah-Bazaris haben den Markt in Sektionen unter sich aufgeteilt.) Deutsche Wirtschaft nutzt in orientalischen und afrikanischen Diktaturen Kanäle und Absatz zu ihrem Vorteil. Schäm Dich Deutschland für die menschenfeindliche Geschäftsphilosophie Deiner Konzerne und der dazu diensteifrigen Politik, die allem höhnt, was in der Verfassung an philanthropischem vorgegeben ist!
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