Atom-Deal Deutsche Wirtschaft hofft auf Milliardengeschäfte mit Iran

Der Streit um das iranische Atomprogramm ist beigelegt, die Sanktionen gegen das Land fallen wohl bald weg. Die deutsche Wirtschaft wittert ein gutes Geschäft. Bis der Export reibungslos läuft, kann es jedoch noch dauern.

Die Verhandlungen zum Atom-Deal: Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft
Thomas Imo/ photothek.net

Die Verhandlungen zum Atom-Deal: Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft


Die deutsche Wirtschaft rechnet nach der Einigung im Atomstreit mit Iran mit milliardenschweren Geschäften. "Innerhalb von zwei Jahren können sich unsere Exporte dorthin auf rund fünf Milliarden Euro verdoppeln", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. "Mittelfristig ist ein Handelsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich möglich." Voraussetzung dafür sei aber, dass neben dem Wegfall der Sanktionen auch die Finanzierung von Geschäften erleichtert wird, sagte Treier, der sich derzeit in Teheran aufhält.

Iran und die fünf Uno-Vetomächte sowie Deutschland haben sich an diesem Dienstag in dem seit Jahren schwelenden Konflikt um das Atomprogramm geeinigt. Damit soll verhindert werden, dass Iran eine Atomwaffe entwickeln kann.

Skeptischer als der DIHK äußerte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Es gebe nach der Einigung im Atomstreit mit dem lange von westlichen Exporten abgeschnittenen Land noch viele ungeklärte Fragen, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. Die Einigung müsse erst rechtlich umgesetzt werden. "Und das wird wohl noch etwas dauern".

Die internationalen Maschinenbauexporte nach Iran könnten mittelfristig von gut fünf Milliarden Euro im vorigen Jahr auf acht Milliarden steigen, schätzt der Verband. "Das sind interessante Perspektiven, aber kein Eldorado", sagte Klaus Friedrich, VDMA-Experte für Iran.

In der Zeit des Embargos der westlichen Länder gewannen vor allem Maschinenbauer aus China und Korea Marktanteile in Iran. Der Anteil der deutschen Firmen schrumpfte nach den Angaben des VDMA von mehr als 25 Prozent im Jahr 2005 auf 11,7 Prozent 2013. China dagegen versechsfachte seine Marktmacht binnen acht Jahren auf 36 Prozent. Ein Anstieg des Marktanteils auf 15 bis 20 Prozent wäre schon ein großer Erfolg, sagte Friedrich.

Dem DIHK zufolge sind derzeit insgesamt 80 deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in Iran ansässig. Weitere tausend haben Vertretungen dort. "Das Land will sich modernisieren", sagte Treier. "Deshalb gibt es eine starke Nachfrage nach deutschem Know-how." Iran sei wegen der vielen hoch qualifizierten Arbeitnehmer für deutsche Unternehmen auch als industrieller Fertigungsstandort interessant.

Um die Wirtschaftskontakte zu pflegen, fliegt Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) nun kurzfristig nach Iran. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa beabsichtigt der Bundeswirtschaftsminister, von Sonntag bis Dienstag in Teheran und Isfahan Gespräche mit hochrangigen Vertretern der iranischen Spitze zu führen.

Der SPD-Chef hat mehrere hochrangige deutsche Wirtschaftsvertreter eingeladen, ihn zu begleiten. Dazu zählt auch der DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

kbl/dpa/Reuters

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