Kursverlust des Rial Drohende US-Sanktionen lassen Irans Währung einbrechen

In zwei Tagen hat der Rial wegen möglicher Sanktionen der USA etwa 18 Prozent seines Wertes eingebüßt. Die iranische Zentralbank nennt als Grund für den Kursverlust eine "Verschwörung der Feinde".

Rial-Noten
AFP

Rial-Noten


Angesichts der drohenden Verhängung neuer US-Wirtschaftssanktionen gegen Iran hat die Währung des Landes weiter massiv an Wert verloren. Der Rial fiel am Dienstag auf ein neues Tief und notierte bei 119.000 Rial zum Dollar. Damit büßte die Währung binnen zwei Tagen 18 Prozent ihres Wertes ein, nachdem der Rial am Sonntag erstmals die Schwelle von 100.000 Rial zum Dollar überschritten hatte.

Seit Jahresbeginn hat die Währung fast zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt. Die Regierung von Präsident Hassan Rohani ist seit Wochen im Krisenmodus und entschied vergangene Woche, den Zentralbankchef auszutauschen. Am Montag versprach die Zentralbank "in den kommenden Tagen" weitere Maßnahmen gegen den Kursverlust des Rial. Sie macht eine "Verschwörung der Feinde" des Landes für den Absturz verantwortlich.

US-Präsident Donald Trump hatte im Mai beschlossen, aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran auszusteigen, und neue Finanz- und Handelssanktionen zu verhängen. Diese sollen in zwei Schritten am 6. August und am 4. November in Kraft treten. Viele ausländische Firmen sind daher gezwungen, sich aus Iran zurückzuziehen.

Die Zentralbank hatte im April versucht, einen festen Wechselkurs von 42.000 Rial zum Dollar einzuführen. Doch da viele Banken sich weigerten, ausländische Devisen zu diesem künstlich niedrigen Wechselkurs zu verkaufen, wichen viele Iraner auf den Schwarzmarkt aus. Im Juni lockerte die Zentralbank daher ihre Politik und gab gewissen Gruppen von Importeuren erleichterten Zugang zu Devisen.

cop/AFP



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hei-nun 31.07.2018
1. selber schuld
Es gefällt mir zwar nicht, wenn tatsächlich Trump mit seiner Sanktionspolitik Ursache der iranischen Schwierigkeiten ist, aber grundsätzlich sind solche Länder selbst schuld. Wenn die Staats-Prioritäten lauten: "Religion, Religion, Feindschaften nach Außen, Unterdrückung der Bevölkerung, Aufrüstung, usw." statt "Menschenrechte, Wirtschaft, glückliche Bevölkerung,. Demokratie, Wohlstand, usw.", dann habe ich kein Mitleid bei einer Staatskrise. Das gilt ähnlich für viele Autokratien: Türkei, Syrien und Russland seine nur exemplarisch genannt.
mensch0817 31.07.2018
2. traurig, aber wahr
Das Traurige an der Meldung ist, dass die Einschätzung der iranischen Regierung bezüglich einer "Verschwörung der Feinde" leider im Prinzip stimmt! Während sich alle inkl. des Irans an das Abkommen gehalten haben, haben die USA unter Trump dieses aufgekündigt. Warum? Die Aussage aller anderen Partner im Atomabkommen, dass ein Abkommen immer noch besser ist als kein Abkommen und es letztlich eben zunächst "nur" darum ging, die atomaren Bestrebungen Irans unter Kontrolle zu behalten, die Aussage ist doch nach wie vor richtig. Mit welchem Recht also neue Sanktionen? Und warum verrät ein großer Teil des Restes der Welt inkl. Deutschlands dann seine vielbeschworenen Werte, wenn sie die Sanktionen letztlich doch stützen, und sei es dadurch, dass wir es den einzelnen Unternehmen überlassen, sich den Sanktionen zu beugen oder auch nicht. Ein Unternehmen muss aber natürlich auf die Größe des Kuchens schauen, und da ist die amerikanische Seite besser dran als die iranische. Leider fällt da wieder einmal die Moral hinten runter.
nickleby 31.07.2018
3. It's the economy stupid
Mit diesem Satz hat Clinton die Situation jeder Wirtschaft genau beschrieben. Der Satz gilt auch für den Iran. Dort muss man das Ruder vollkommen herumreißen, um nicht im Abgrund zu landen. Die Mullahs müssen gemäß den wirtschaftlichen Regeln handeln, die nichts mit Religion zu tun haben. Sie müssen ihre Kriege stoppen. Sie müssen die Infrastruktur des Landes verbessern und ausbauen. Sie müssen demokratische Dialoge ermöglichen un. Sie müssen Folter, Revolutionsgarden abschaffen. Sie müssen religiöse Toleranz walten lassen. Sie müssen sich mit den USA einigen. Die uSA sind stärker als der Iran
birdie 31.07.2018
4. Für den sich ankündigenden Zusammenbruch des Iran sind ...
folgende Faktoren massgeblich: 1. die durch Khomeini ausgelöste einseitige Islamisierungs-Revolution im Lande hat Kleriker an die Macht gespült, die ausser Hasspredigten gegen Ungläubige nichts gelernt haben, 2. die unerfahrene Führungs-Crew hat von Anfang an falsche Prioritäten gesetzt und dabei völlig unbeachtet gelassen, dass nur eine gut funktionierende Wirtschaft Wohlergehen und private Sicherheit für die Bevölkerung bringen kann, 3. statt dessen hat sich die Führung darauf versteift, militärische Machtpotentiale um jeden Preis aufzubauen und jede Kosten-Nutzen-Abwägung unterdrückt, 4. in ihrem religiösen Fanatismus hat sich die Führungs-Crew dafür entschieden, die Lehre des Islam auf dem Kriegsweg in andere Länder zu exportieren und diese Abenteuer voll zu finanzieren, 5. die einseitige Fixierung der Führungs-Crew auf die Lehren Mohammeds verhindert jeden offenen Dialog in anderen Fragen grundsätzlich, 6. last not least sind natürlich die Feinde des Islam allein schuld daran, dass der Iran auf verlorenem Posten steht.
HerrPeterlein 31.07.2018
5. Der Iran macht große Fehler, ist aber nicht arm
Der Iran verhindert mit eigenen Problemen das Wachstum der Wirtschaft, jetzt verstärkt durch den Druck der Sanktionen. Doch wird so kein Machtwechsel von Außen erzwungen, oder der Iran in die Knie gezwungen. Dafür ist das Land viel zu stark und am Ende autark vom Westen. Droht der Iran zu viel zu verlieren, legen sie einfach den Öltransport in der Region lahm.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.