Vor Wahlen im November USA zapfen Ölreserven an, um Benzinpreise stabil zu halten

Zeitgleich zu den US-Wahlen im November starten Sanktionen gegen Iran. Die Regierung scheint einen steigenden Ölpreis und schlechte Laune bei Autofahrern zu fürchten - und gibt elf Millionen Barrel aus der Notreserve frei.

Tankstelle in Kalifornien (Archivbild)
AFP

Tankstelle in Kalifornien (Archivbild)


Die USA wollen ihre strategischen Ölreserven anzapfen und dadurch offensichtlich mögliche Lieferausfälle aufgrund der eigenen Sanktionen gegen Iran abfedern. Es seien Gebote für elf Millionen Barrel aus der Notreserve des Landes zur Lieferung im Oktober und November freigegeben worden, teilte das US-Energieministerium mit. Zuvor war bereits über diesen Schritt spekuliert worden.

Bei der angepeilten Menge handelt es sich allerdings nur um einen vergleichsweise kleinen Teil der Notfallreserve, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg auf insgesamt 660 Millionen Barrel beziffert wird. Experten sehen in der Ankündigung zudem einen direkten Zusammenhang zu den US-Kongresswahlen am 6. November, die als wichtiger Stimmungstest für die Regierung von US-Präsident Donald Trump gelten.

Nach Einschätzung von Experten des Washingtoner Analysehauses ClearView Energy Partners zeigt die angekündigte Freigabe, dass die US-Regierung eine angespannte Lage auf dem Ölmarkt mit Inkrafttreten der Sanktionen gegen Iran befürchtet. Diese könnten zeitgleich zu den Wahlen zu höheren Benzinpreisen führen.

Die Strafmaßnahmen der USA gegen Iran, die den Ölsektor betreffen, sollen im November in Kraft treten. Dann drohen Ländern Sanktionen seitens der Vereinigten Staaten, die iranisches Öl kaufen. Zuvor hatten die USA bereits Handelssanktionen gegen das Land am Persischen Golf in Kraft gesetzt. Experten gehen davon aus, dass ab November etwa 700.000 bis eine Millionen Barrel Rohöl pro Tag weniger aus Iran geliefert werden.

Bei den sogenannten Midterm Elections werden in den USA alle zwei Jahre ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt. Auch ein Teil der Gouverneure und die Parlamente der Bundesstaaten stehen zur Wahl.

dab/dpa

insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
sterling 21.08.2018
1.
Also momentan sind die Benzinpreise hier "relativ" hoch. Im März habe ich noch für 2.60$ für die Galone bezahlt. Momentan sind es 2.90$ die Galone. Ob das anzapfen der Ölreserven helfen wird, werden wir dann wohl in der nächsten Zeit sehen.
kuac 21.08.2018
2.
Staatliche Notreserven für die Wiederwahl von Trump. Ist das alles sein Privateigentum? Wie pervers ist dieser Potus? Lock him up!
jj2005 21.08.2018
3. Notfall
Er könnte seine Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren. Das wäre aus seiner Sicht schon ein echter Notfall.
dasfred 21.08.2018
4. Zu Nr.2
Ich glaube, die Ölmultis werden sich ausrechnen, dass billiges Öl vor der Wahl sich durchaus auf eine bessere Ertragslage nach der Wahl auswirkt. Mehr Freiheit als unter Trump werden sie kaum erwarten dürfen.
frietz 21.08.2018
5.
es gibt Ausreden, die seit Jahrzehnten alle Dreckigkeiten der Politik rechtfertigen. Bei uns in Deutschland ist das "Arbeitsplätze", in den USA "nationale Sicherheit".
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