Schuldenkrise Irlands triumphale Rückkehr an den Kapitalmarkt

Irland streift seinen Ruf als Sorgenkind der Euro-Zone ab. Das Land hat sich erstmals nach drei Jahren wieder Geld von privaten Investoren geliehen. Dafür muss Dublin sogar geringere Zinsen zahlen als Italien und Spanien.

Irische Fußballfans: Erfolg für einstiges Sorgenkind der Euro-Zone
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Irische Fußballfans: Erfolg für einstiges Sorgenkind der Euro-Zone

Von Ben Edwards und Tommy Stubbington, Wall Street Journal Deutschland


Es war für Irland der Tag der Wahrheit. Erstmals seit Verlassen des Rettungsschirms im vergangenen Monat hat das Land versucht, einen Langläufer am Kapitalmarkt unterzubringen. Und die Operation ist mehr als geglückt: Irland hat in einem syndizierten Verfahren zehnjährige Papiere im Umfang von 3,75 Milliarden Euro bei Investoren untergebracht. Der Kupon belief sich auf 3,4 Prozent, die Rendite auf 3,54 Prozent. Die Nachfrage bezeichneten Teilnehmer als "riesig", die Anleihe war dreifach überzeichnet.

Die Platzierung galt als Nagelprobe und Antwort auf die Frage, ob das einstige Sorgenkind der Euro-Zone vollständig rehabilitiert ist und sich wieder über den privaten Kapitalmarkt finanzieren kann. Es war erst die dritte Emission eines Langläufers, seit der einstige keltische Tiger nach dem Zusammenbruch des heimischen Bankensektors 2010 zum Bittsteller unter dem Rettungsschirm wurde.

In den vergangenen drei Jahren hatten die internationalen Geldgeber Irlands Schulden bedient. Mit Verlassen des Rettungsschirms verzichtete das Land auch auf die Inanspruchnahme von günstigen Kreditlinien durch die internationalen Gläubiger. Damit entschied die Regierung, das Land wieder auf eigene finanzielle Füße zu stellen und sich künftig ausschließlich über den privaten Kapitalmarkt zu finanzieren.

Die Platzierung der neuen Schuldtitel ist Teil eines Plans aus dem vergangenen Jahr, der eine Kreditaufnahme zwischen 6 und 10 Milliarden Euro im Jahr 2014 vorsieht. Im Dezember 2013 kaufte Irland eigene Schulden im Umfang von rund 4 Milliarden Euro zurück, die im laufenden Monat fällig geworden wären. Im Zuge dieser Transaktion hatte die nationale Schuldenverwaltung mitgeteilt, Irland sei für 2014 und das erste Quartal 2015 vollständig finanziert.

Positives Echo unter Investoren

Die Analysten der ING-Bank erwarten 2014 das Auflegen von insgesamt zwei Langläufern im syndizierten Verfahren. Zinsanalyst Alessandro Giansanti sagte im Vorfeld, eine faire Bewertung der neuen zehnjährigen Irland-Anleihe mit Fälligkeit Mitte Januar 2024 ergebe eine Rendite von rund 3,53 Prozent. Am Markt war aber eine höhere Prämie und damit eine Rendite im Bereich von 3,60 Prozent erwartet worden. Die tatsächlich verbuchte Rendite von nur 3,54 Prozent belegt den Erfolg der Transaktion.

Zudem hatten Teilnehmer befürchtet, die höheren Kurse könnten auch abschreckend auf einige Anleger wirken. "Auf diesem Niveau ist es ein bisschen zu teuer. Wir haben schon vor ein paar Wochen unser Engagement etwas zurückgefahren und einen Teil in Portugal-Anleihen umgeschichtet, so dass wir jetzt nur noch eine kleine Position halten", sagte etwa Rentenstratege Cedric Morisseau bei Amundi.

Dennoch hatten Analysten bereits erwartet, dass die Nachfrage nach der Irland-Anleihe groß sein wird. "Die sehr bedeckte Reaktion des Sekundärmarktes auf die Ankündigung unterstreicht die Bereitschaft des Marktes, die Anleihe zu [kaufen]", sagte im Vorfeld David Schnautz, Analyst bei der Commerzbank Chart zeigen.

Denn unter Investoren stößt dieses Vorhaben auf ein positives Echo - abzulesen an den deutlich gesunkenen Renditen. Die Rendite irischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, die im März 2023 fällig werden, rangiert bei gerade mal 3,3 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise im Sommer 2011 verlangten Anleger satte 14 Prozent für entsprechende Schuldtitel. Auch andere Krisenländer der Eurozone wie Portugal, Spanien und Italien haben zuletzt eine Rally ihrer Staatsanleihen mit deutlich fallenden Renditen erlebt.

Irland schneidet besser als andere Krisenstaaten ab

Irland kommt aber insgesamt günstiger weg als die übrigen Krisenstaaten, denn Italien und Spanien müssen Investoren für das Zeichnen zehnjähriger Anleihen 3,89 bzw. 3,82 Prozent bieten. "Wir haben Irland für eine lange Phase hohe Wertschätzung entgegengebracht und wir tun dies auch auf dem aktuellen Renditeniveau. Daher bekräftigen wir unsere 'Long'-Positionen und bewerten auch die neuen Schuldtitel in diesem positiven Kontext", sagt Rentenstratege Nick Gartside von J.P. Morgan Asset Management. Die Sparte der US-Großbank verwaltet Vermögen in der Größenordnung von 1,5 Billionen US-Dollar.

"Viel von dem Geld, das zum Ende des vergangenen Jahres vom Markt genommen wurde, wird jetzt wieder investiert. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll für Irland, sich die verbesserte Stimmung zu Nutze zu machen", sagt Rentenstratege Richard McGuire bei der Rabobank.

Konsortialbanken für die Emission waren Barclays Chart zeigen, Citigroup Chart zeigen, Danske Bank, Davy, Deutsche Bank Chart zeigen und Morgan Stanley Chart zeigen. Die Bonitätseinstufung für Irland lautet von Moody's auf "Ba1", Standard & Poor's sowie Fitch stufen die Kreditwürdigkeit des Landes mit "BBB+" ein.

Bei dem Gang unter den Rettungsschirm nahm der einstige Krisenstaat von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) bereitgestellte Mittel in Höhe von 67,5 Milliarden Euro in Anspruch. Mit diesem Schritt verhinderte Irland nach dem Zusammenbruch des heimischen Bankensektors im Zuge Not leidender Immobilienkredite 2010 den Staatsbankrott. Denn die Stützung des irischen Bankensektors riss riesige Löcher in die öffentlichen Haushalte des Staates. In der Folge und als Auflage der internationalen Gläubiger reagierte die Politik mit drastischen Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen. Besonders erfreut zeigen sich Investoren aber über die klar verbesserten Konjunkturaussichten des Landes.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

Mitarbeit: Emese Bartha, Florian Faust und Ralf Zerback

insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
marthaimschnee 08.01.2014
1.
3,5% ? Das muß man aktuell ja schon als Hochrisikoanleihe verstehen, oder wie!
derbergischelöwe 08.01.2014
2. Wahnsinn
Ein hochverschuldetes Pleiteland kann sich endlich wieder selbst verschulden und muss nicht mehr Deutschland, IWF & Co. finanzieren lassen... Ist das ein Grund zum jubeln? Ist das ein Triumph? Der Jubelartikel zeigt den Systemfehler: Länder leben dauerhaft auf Pump - auch Deutschland. Das geht nicht. Das ist Problemverlagerung in die Zukunft. Das ist asoziales Verhalten auf Kosten zukünftiger Generationen, das ist falsche Politik. Und das Schlimme: der Mehrheit ist es offenbar egal. Motto: man lebt nur einmal und so lange es gut geht, geht es gut. Schlimm.
analysatorveritas 08.01.2014
3. Viele gute Meldungen im Europawahljahr 2014!
Zitat von sysopDPAIrland streift seinen Ruf als Sorgenkind der Euro-Zone ab. Das Land hat sich erstmals nach drei Jahren wieder Geld von privaten Investoren geliehen. Dafür muss Dublin sogar geringere Zinsen zahlen als Italien und Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/irland-rueckkehr-an-den-kapitalmarkt-a-942383.html
Viele neue gute Meldungen aus der Eurozone im wichtigen Europawahljahr 2014! Irland meldet sich zurück, laut der Wirtschaftswoche will Griechenland noch in diesem Jahr die ökonomische Wende schaffen, die Arbeitslosigkeit in Spanien sinkt. Irland hat sich nach der Bankenrettung mit Hilfe der €-Rettungsfonds und der EZB saniert. Die Hilfen sind gemessen an der Bevölkerungszahl gigantisch, ähnlich wie im Fall Zypern. Laufzeitstreckungen bis ultimo, Niedrigstzinsen und Tilgungsaussetzungen. Das Steuersparmodell für Unternehmen blieb erhalten, die Staatsverschuldung Irlands ist extrem hoch, abgesichert und subventioniert durch die Fonds und durch die EZB. Schuldenkrise: Irland bittet EZB um weitere Hilfen für Banken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schuldenkrise-irland-bittet-ezb-um-weitere-hilfen-fuer-banken-a-753276.html) EZB macht Zugeständnis bei Irland-Hilfe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ezb-macht-zugestaendnis-bei-irland-hilfe-a-882049.html) Frankreich als nächster Problemkandidat und Eurogarant steht auf der neuen Euroagenda. Frankreich-Besuch: Merkel und Hollande suchen nach neuer Basis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-besuch-merkel-und-hollande-suchen-nach-neuer-basis-a-939955.html)
krassopoteri 08.01.2014
4.
Zitat von sysopDPAIrland streift seinen Ruf als Sorgenkind der Euro-Zone ab. Das Land hat sich erstmals nach drei Jahren wieder Geld von privaten Investoren geliehen. Dafür muss Dublin sogar geringere Zinsen zahlen als Italien und Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/irland-rueckkehr-an-den-kapitalmarkt-a-942383.html
Wenn das kein Grund zur Freude ist. Man ist wieder kreditfähig und kann wieder loslegen über seine Verhältnisse zu leben.
t.h.wolff 08.01.2014
5.
Das Land ist faktisch pleite und die Bevölkerung wandert aufgrund der Massenarbeitslosigkeit aus. Irland wird seine Schulden nie zurückzahlen und jeder weiß es. Ach ja: das Steuerdumping-Geschäftsmodell läuft weiter.
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