Rüstungskonzerne Der neue Krieg hat sichere Gewinner

Krieg gegen die Terrormiliz IS: Darüber dürften sich vor allem US-Rüstungskonzerne und private Sicherheitsfirmen freuen. Sie versprechen sich von neuen Militäraktionen im Irak oder in Syrien Milliardengeschäfte.

Von , New York

Private US-Sicherheitsfirma (2007 im Irak): Bald auch gegen den IS?
AFP

Private US-Sicherheitsfirma (2007 im Irak): Bald auch gegen den IS?


US-Präsident Barack Obama hat der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) den Krieg erklärt. Während sich die Koalitionspartner dem neuen Feldzug mit eher gemischten Gefühlen anschließen, herrscht anderswo Aufbruchstimmung: US-Rüstungskonzerne und private Sicherheitsunternehmen, die schon im Irak und in Afghanistan lukrative Geschäfte machten, hoffen nun abermals auf satte Gewinne.

"Diese Unternehmen spüren neuen Aufwind", sagt Sean McFate, selbst ein früherer Vertragsarbeiter der US-Regierung, der jetzt als Professor an der Georgetown University lehrt. "Sie glauben, dass dies für sie das nächste große Ding ist." Es gehe um Verträge im Wert von Hunderten Millionen Dollar: "Die Branche hofft, dass dies wieder in große, jahrelange Einsätze mündet."

Angesichts des innenpolitischen Widerstands will Obama keine eigenen US-Bodentruppen einsetzen, sondern mit Luftschlägen kämpfen - selbst wenn sein Generalstabschef Martin Dempsey sich ein Hintertürchen offenhält. So oder so: Beide Optionen kommen der Kriegsindustrie gelegen.

Allen voran Branchenführer Lockheed Martin, der die "Hellfire"-Raketen herstellt. Diese Luft-Boden-Geschosse trafen bei den jüngsten Luftschlägen bereits irakische IS-Stellungen. Seit Obamas Rede in der vergangenen Woche hat die Lockheed-Aktie an der Börse spürbar zugelegt. Und nicht nur die: Auch der Index, der die gesamte US-Rüstungsindustrie zusammenfasst, steigt seitdem.

Freuen dürfen sich unter anderem auch die Drohnenhersteller. Sowohl bewaffnete Drohnen - etwa eben mit "Hellfire"-Raketen - als auch unbewaffnete Spähdrohnen sind ein zentraler Teil der US-Aktionen gegen den IS.

"Global   Hawk"-Spähdrohne von Northrop Grumman: Bald auch gegen den IS?
REUTERS

"Global Hawk"-Spähdrohne von Northrop Grumman: Bald auch gegen den IS?

"Die Drohnenbauer werden jubeln", sagte Dov Zakheim vom Center for Strategic and International Studies dem Magazin "Fortune". Zum Beispiel General Atomics, das die "Predator"-Drohne und deren Nachfolgegeneration produziert, die als "Killer" bekannte "Reaper"-Drohne. Beide können Bomben bis weit in den Irak fliegen - ferngesteuert und assistiert vom "Global Hawk", einer Spähdrohne von Northrop Grumman.

Am meisten hofften die privaten Vertrags- und Sicherheitsfirmen auf neue Kriegsprofite. Allein 2010 zahlte das Pentagon diesen oft suspekten Schattenakteuren 140 Milliarden Dollar für ihre Dienste. Sie arbeiteten als IT-Experten, Logistikmanager, Verhörführer - und paramilitärische Kämpfer.

Mit dem Ende des Irakkriegs und dem Abzug aus Afghanistan drohte diese Gewinnquelle aber zu versiegen. Befanden sich im ersten Quartal 2014 noch mehr als 78.000 US-Vertragsarbeiter in Afghanistan, sind es im dritten Quartal nur noch knapp 51.000. Zum Vergleich: 2008 beschäftigten die USA weltweit 242.558 Zivilangestellte in Kriegsgebieten.

Milliardengeschäft Krieg: Pentagon-Chef Hagel und sein Top-General Dempsey
AFP

Milliardengeschäft Krieg: Pentagon-Chef Hagel und sein Top-General Dempsey

Da kommt ihnen der IS-Einsatz nun wie gerufen. "Die Industrie war sehr besorgt", berichtet McFate, der ein Buch geschrieben hat über seine Erfahrung als US-Vertragsarbeiter. "Viele brauchen neue Arbeit."

"Nach den Konflikten kam Konsolidierung", sagte auch Doug Brooks, Ex-Präsident der Branchenvereinigung International Stability Operations Association, der Website "Daily Beast". Die neuen IS-Kampfhandlungen böten wieder gute Aussichten für die Kriegsprofiteure: "Es wird nicht so sein wie in den letzten zehn Jahren, aber der Bedarf an Diensten wird wachsen."

Das Image der privaten Dienstleister hat sehr gelitten, seit Mitarbeiter von Blackwater, der berüchtigtsten dieser Sicherheitsfirmen, 2007 in Bagdad 17 Zivilisten erschossen. Blackwater verlor seinen Vertrag, wechselte den Namen und zahlte 5,7 Millionen Dollar Schmerzensgeld. Vier ehemalige Angestellte stehen seit Juni in Washington wegen Mordes und Totschlags vor Gericht.

So verrufen und teuer sie auch sind - die Vertragsfirmen bieten Obama einen Ausweg aus der Sackgasse: Auf diese Weise kann er jetzt wieder paramilitärisches Personal in den Irak schicken, ohne wirklich Bodentruppen in Marsch setzen zu müssen. "Die Firmen bieten dem Weißen Haus politische Deckung", sagt Sean McFate. "Sie zählen nicht als Truppen."

Schon hat die US-Armee nach Informationen des Militärmagazins "Stars and Stripes" neue, zwölfmonatige Irak-Privatverträge ausgeschrieben. Dabei gehe es unter anderem um Verwaltung, Training, Management, Logistik, Infrastruktur und Kommunikation vor Ort. Ziel: "Die Spannungen zwischen Arabern und Kurden und Sunniten und Schiiten zu reduzieren."

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
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blaumupi 17.09.2014
1. einer verdient immer
Und was soll die Quintessenz sein? Nichts mehr unternehmen, weil ja irgend jemand daran verdienen kann? Soll die Feuerwehr keine Löschfahrzeuge mehr anschaffen weil die Automobilindustrie daran verdient?
heinz.murken 17.09.2014
2. verdient wird immer!
Was ist so schlimm daran zu verdienen? Daß es in diesem Fall eine todbringende Industrie ist mag traurig sein. Aber es ist nun wirklich keine Sensation. An den Morden des Isis verdienen im Zweifel die dortigen Bestattungsunternehmer. Deswegen sind die aber noch lange keine Verursacher der Todesfälle. Die Rüstungsindustrie hat auch schon daran verdient, daß Isis der irakischen Armee Waffen "genommen" hat. Das ist aber nicht schuld der Rüstungsindustrie. Und sollte mich jetzt einer zynisch nennen so erkennt bitte einmal, daß das Leben nun mal zynisch ist. Weil wir es aus unserer Weltsicht so sehen. Die Angehörigen der von Isis ermordeten Menschen werden das naturgemäß anders sehen als wir in unseren sicheren vier Wänden.
Questionator 17.09.2014
3. Heeee!
Das ist ja der Spiegel von früher! :-D
Beeblebrox 17.09.2014
4. Soso...
US-Rüstungskonzerne und private Sicherheitsfirmen werden Milliarden an dem Krieg verdienen? Das kommt jetzt aber wirklich überraschend. Am Ende haben die USA sogar noch ein wirtschaftliches Interesse daran das es ständig Kriege auf der Welt gibt. Na das ist ja mal ´ne Neuigkeit...
Wirtschftsweiser 17.09.2014
5. No los....
...es wird sich doch einer zu finden sein, der hier gleich einen Zusammenhang konstruieren wird à la "die USA haben den IS aufgebaut um damit ihre Waffenindustrie zu päppeln"...
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